Kogler spricht mit Fußball-Vertretern über Geisterspiele

Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler (Grüne) debattiert am Dienstag und Mittwoch mit Vertretern des Österreichischen Fußballs über mögliche Geisterspiele. “Wir werden heute und morgen noch mit dem ÖFB und der Bundesliga konferieren, um zu schauen, was möglich ist”, sagte Kogler am Dienstag auf einer Pressekonferenz.

Einzelne Aktive bekommen zudem – wie angekündigt – bald wieder die Möglichkeit, in ihren Trainingseinrichtungen zu trainieren. Über Einzelheiten wollte Kogler am Mittwoch informieren. “Das betrifft die Sportstätten, so viel kann man jetzt schon sagen, weil die Sportausübung im Freien ist ja erlaubt und als gesundheitliche Maßnahme durchaus erwünscht”, sagte Kogler.

Bei der Maßnahmenlockerung will der Minister “die Logik und den Hausverstand walten lassen”, soll heißen: Outdoor- vor Indoor-Sportarten und Einzelsport- vor Mannschaftssportarten oder Kampfsportarten. Mit der Prämisse “Einschränkungen so viele wie notwendig, Freiheiten so viele wie möglich” soll den Sportverbänden Handlungsspielraum gegeben werden. “Dann können, sollen und dürfen die jeweiligen Sportverbände selber auch mitentscheiden, was sie im Rahmen dieser Möglichkeiten tun.”

An den angekündigten Entschädigungsfonds für Sportvereine und -verbände würde mit Hochdruck gearbeitet. “Teilweise passen die bestehenden Fonds schon auf einzelne Vereine im Sportbereich. Und für alle, die nicht gewinnorientiert sind, wird das in diesen Tagen fertiggestellt”, sagte Kogler.

Die Coronavirus-Pandemie hat Österreichs Fußball in eine Art Schockstarre versetzt. Seit über einem Monat ruhen Spiel- und Trainingsbetrieb, die Zwangspause hat für manche Vereine vor allem auf Profi-Ebene existenzbedrohenden Charakter. Nun wird nach Lösungen gesucht – zunächst am Mittwoch bei einer ÖFB-Präsidiumssitzung, tags darauf bei der Bundesliga-Clubkonferenz.

Das ÖFB-Präsidium sucht am Mittwoch nach Lösungen für den aufgrund der Corona-Pandemie stillstehenden Fußball in Österreich. Auf dem Prüfstand stehen sämtliche Bewerbe des Landes, vom Nachwuchs über Frauen-Fußball, Amateurligen und Bundesliga bis zum Cup. Da Sportminister Kogler schon vor Tagen ein Veranstaltungsverbot ausgesprochen hat und Geisterspiele auf Amateur-Level kein Thema sind, ist die Absage sämtlicher unterer Ligen nur ein Formalakt, der am Mittwoch vollzogen wird.

Interessanter ist in diesem Zusammenhang die Frage nach der Wertung der abgebrochenen Ligen. Hier zeichnet sich die Tendenz ab, dass der bisherige Meisterschaftsverlauf annulliert und im Sommer von Neuem begonnen wird – wenn dies die Corona-Situation überhaupt zulassen sollte. Theoretisch könnte der Umgang mit den abgebrochenen Meisterschaften von den Landesverbänden unterschiedlich gehandhabt werden, mehrere Landeschefs betonten allerdings zuletzt in öffentlichen Wortmeldungen, dass eine österreichweit einheitliche Regelung gefunden werden soll.

Auf der Agenda steht neben einem möglichen endgültigen Stopp der 2. Liga auch die Frage, wie die Saison im Oberhaus im Falle eines Abbruchs gewertet werden würde. Hier liegt die Entscheidungskompetenz beim ÖFB-Präsidium. Die weitere Vorgehensweise bei einem Abbruch ist auch finanziell von immenser Bedeutung, immerhin geht es dabei neben dem Meistertitel auch um die Verteilung der Europacup-Plätze und den Abstieg.

Die Meisterschaft wurde nach dem Ende des Grunddurchgangs ausgesetzt, jeweils zehn Runden in der Meister- und Qualifikationsgruppe sind noch ausständig. Nach derzeitiger Lage wäre St. Pölten abgestiegen. Allerdings würden die Niederösterreicher im Falle einer Wertung dieses Tabellenstands wohl juristische Mittel ergreifen, weshalb eine Aufstockung von zwölf auf 13 oder 14 Vereine (mit Ried und eventuell Austria Klagenfurt) wahrscheinlich sein dürfte – immer unter der Voraussetzung, dass die Bundesliga-Saison nicht zu Ende gebracht wird.

Da die Meisterschaft theoretisch bis Anfang oder Mitte August finalisiert werden kann, wäre sogar eine Wiederaufnahme spätestens Anfang Juli denkbar, sofern aufs Europa-League-Play-off verzichtet wird. Derzeit wird offiziell bis Anfang Mai pausiert. Über eine Verschiebung dieses Termins wird auf der Liga-Clubkonferenz, die so wie die ÖFB-Präsidiumssitzung mittels Videoschaltung durchgeführt wird, beraten.

Alle Oberhaus-Clubs betonten zuletzt, man wolle die Meisterschaft auf dem Rasen über die Ziellinie bringen. Und doch ist die Motivation, Geisterspiele in Zeiten einer Pandemie auszutragen, unterschiedlich ausgeprägt. Der Tabellenzweite Red Bull Salzburg will unbedingt wieder spielen, beim LASK zeigte man sich diesbezüglich zurückhaltender. Wohl nicht ganz zufällig, denn die Linzer wären bei einem Abbruch und einer Wertung nach 22 Runden Meister.

LASK-Präsident Siegmund Gruber ist als Bundesliga-Aufsichtsratsmitglied im ÖFB-Präsidium ebenso stimmberechtigt wie Philipp Thonhauser (Admira) und Liga-Vorstand Christian Ebenbauer, dazu kommen die neun Landeschefs und ÖFB-Präsident Leo Windtner. Bei der Vorgehensweise im Falle eines Abbruchs dürfte einem juristischen Gutachten, das der ÖFB in Auftrag gegeben hat, besondere Bedeutung zukommen.

Sollte der Ist-Zustand der Bundesliga-Tabelle gewertet werden, würde der LASK im Play-off und Salzburg in der Qualifikation für die Champions League antreten. Rapid wäre als Dritter in der Europa-League-Gruppenphase – aber nur dann, wenn Salzburg das Cupfinale gegen Austria Lustenau gewinnt. Die Partie wäre am 1. Mai im Klagenfurter Wörthersee-Stadion geplant gewesen. Ob beziehungsweise wann das Match stattfindet, wird ebenfalls bei der ÖFB-Sitzung besprochen.

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