Österreichs Manager sehen sich für Coronakrise gut gerüstet

Teilweise überraschende Antworten hat eine aktuelle EY-Umfrage bei Führungskräften in Österreich gebracht. Während das Bild großer Teile der heimischen Wirtschaft in der Öffentlichkeit in den letzten Wochen von Hilferufen und Durchhalteparolen geprägt ist, versprühen die befragten Manager trotz der schweren Wirtschaftskrise eher Selbstbewusstsein und Zuversicht.

Fast zwei von drei Befragten (65 Prozent) sehen ihr Unternehmen gut oder sogar ausgezeichnet für eine Ausnahmesituation wie die aktuelle Coronakrise gerüstet. Immerhin 28 Prozent bezeichnen sich als ausreichend gerüstet und nur 8 Prozent geben an, nicht ausreichend vorbereitet zu sein. Besonders gut vorbereitet sind nach eigenen Angaben Industrie und große Unternehmen mit einem Umsatz über 200 Mio. Euro.

Für Gunther Reimoser, Country Managing Partner von EY Österreich, ist das ein “überraschendes Ergebnis”, auch vor dem Hintergrund, dass bei einer weiteren Frage nur 15 Prozent angegeben haben, sie hatten für eine Pandemie einen Plan. Es sei wohl so zu interpretieren, dass die Manager die Resilienz ihrer Unternehmen angegeben hätten, nicht die Vorbereitung. “Die österreichische Unternehmenslandschaft ist doch sehr resilient und flexibel”, sagte Reimoser bei der Präsentation der Umfrage am Mittwoch.

Bei den konkreten Fragen nach Maßnahmen in der Krise zeigt sich dann doch etwas mehr die angespannte Situation der Firmen. Etwa die Hälfte der österreichischen Unternehmen setzt derzeit Sparmaßnahmen oder Kürzungen. Liquiditäts- und Arbeitsplatzsicherung hätten nun Priorität, erläuterte Erich Lehner, Managing Partner Markets bei EY Österreich.

Zur Frage nach der derzeitigen Geschäftslage sagten nur 10 Prozent, dass ihr Geschäft durch die Coronakrise zugelegt habe. Bei 14 Prozent ist das gesamte Geschäft durch Schließung vorübergehend stillgelegt. 46 Prozent haben bereits erste interne Sparmaßnahmen und Kürzungen umgesetzt. Bei 15 Prozent läuft alles normal, es werde sich auch nicht viel verändern. Weitere 15 Prozent erwarten trotz derzeit normalem Betrieb Sparmaßnahmen und Kürzungen. Besonders viele interne Sparmaßnahmen oder Kürzungen wurden in der Industrie vorgenommen, eher wenig bei Finanzdienstleistern.

Umsatzrückgänge als Folge der Krise verzeichnen 63 Prozent der Befragten. Mehr als jeder zweite (54 Prozent) sieht sich mit einer rückläufigen Auftragslage konfrontiert und mehr als jeder Dritte (37 Prozent) hat Probleme mit der Lieferkette bzw. Produktions- oder Auslieferungsstopps. 9 Prozent kämpfen mit verstärktem Auftreten von Cyberattacken. Nur 4 Prozent produzieren derzeit neue oder abgeänderte Produkte, die in der Krise gefragt sind.

Eher überraschend angesichts hoher Arbeitslosenzahlen auch die Antworten zum Personalstand: Bei 28 Prozent der Befragten läuft hier alles seinen gewohnten Gang. Die Mehrheit der Unternehmen (59 Prozent) nimmt aktuell Kurzarbeit in Anspruch oder plant, dies zu tun und hat alle Mitarbeiter behalten. Nur 5 Prozent sagen, sie hätten bereits Kündigungen ausgesprochen.

Offen für staatliche Hilfe ist die Mehrheit der Befragten: 69 Prozent wollen Kurzarbeit in Anspruch nehmen. 35 Prozent planen die Inanspruchnahme von Steuerstundungen, 20 Prozent Haftungsübernahmen bei Krediten und Zinszuschüsse. Nur 22 Prozent gehen derzeit nicht davon aus, staatliche Hilfen in Anspruch zu nehmen.

Wichtigste Themen für die Befragten sind derzeit Liquiditäts- und Arbeitsplatzsicherung, Akquisition und Halten von Aufträgen sowie der Erhalt der Wertschöpfung. Trotz aller Maßnahmen und Hilfen rechnen 80 Prozent der Befragten für das Geschäftsjahr 2020 mit Umsatzeinbußen, nur 3 Prozent erwarten höhere Umsätze. Beim Personalstand planen 21 Prozent Jobabbau, 46 Prozent erwarten keine Veränderung. Nur 6 Prozent wollen neue Mitarbeiter einstellen.

Auf die Frage, welche Lehren sie aus der Krise ziehen werden, fallen die Antworten der Führungskräfte eher spärlich aus. Für 15 Prozent sind gar keine Lehren notwendig, alles sei gut gelaufen. 15 Prozent wollen das Krisenmanagement künftig optimieren und 13 Prozent wollen mehr Homeoffice beibehalten. 7 Prozent wollen die IT-Infrastruktur verbessern, 6 Prozent wollen Schutzausrüstung vorrätig halten. Eine “regionalere Denkweise entwickeln” wollen nur 2 Prozent der Befragten.

Die Umfrage wurde vom 1. bis 9. April vom Marktforschungsinstitut market durchgeführt. 123 Führungskräfte von österreichischen Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern wurden befragt.

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