Österreichs Motorradindustrie blickt neidvoll nach Italien

Der Motorradbranche reibt sich wegen des Umstiegs auf Elektromotoren die Hände. Gerade in Städten gebe es großes Potenzial, in Wien sei der Anteil an Zweirädern nur halb so hoch wie etwa in Mailand, rechnete die Branche am Donnerstag auf einem Pressetermin vor. Wichtig sei, dass die Politik Motorräder bei der Mobilitätswende als Teil der Lösung betrachte. Die zuständige Ministerin Leonore Gewessler (Grüne) kündigte an, die Förderungen für E-Motorräder 2022 fortzuführen.

Obmann der Arge 2Rad und KTM-Vorstandsmitglied Hubert Trunkenpolz sprach von einem Megatrend weg vom Auto hin zum motorisierten Zweirad. Gründe dafür gebe es mehrere – das reiche vom Umfahren der Staus bis hin zum Parken in Innenstädten. Die Corona-Pandemie habe den Trend beschleunigt, so Trunkenpolz. Zahlen der Interessenvertreter zufolge besitzt mittlerweile jeder neunte Österreicher ein Motorrad. Bei kleineren Motorrädern, bei Mopeds, sei der Elektroanteil größer als bei den Pkw.

Die heimische Motorradindustrie hat sich das Vespa-Heimatland Italien als Vorbild genommen und drängt die Politik darauf, die Förderprämien für E-Motorräder von derzeit bis zu 1.200 Euro zu erhöhen. In Italien würden auch größere Motorräder mit 30 Prozent des Kaufpreises gefördert. Würde Wiens Zweirad-Anteil von aktuell 13 Prozent aller Fahrzeuge auf jene 26 Prozent Mailands verdoppelt, könnte in der Stadt eine Parkplatzfläche von einem Quadratkilometer eingespart werden, das sei die Fläche von 128 Fußballfeldern oder fast die Fläche der Josefstadt.

Österreich sei auch Technologieführer, meinte Trunkenpolz mit Blick auf das Konsortium der KTM-Mutter Pierer Mobility mit Honda, Yamaha und der Piaggio-Gruppe. Gemeinsam will man in Anif bei Salzburg um 20 Mio. Euro ein tauschbares Akkusystem für Motorräder entwickeln und zum Industriestandard machen. Hintergrund ist auch, dass Motorradbatterien im Gegensatz zum Auto für mehr Reichweite nicht stark vergrößert werden können, ohne dass das zusätzliche Gewicht das Fahrverhalten beeinflusst. Beim Auto sei eine 300 Kilogramm schwere Batterie kein Problem, beim Motorrad sehr wohl, so Trunkenpolz.

Trunkenpolz ist dennoch überzeugt, dass nicht alle Motorräder elektrisch fahren werden. Gerade bei Motorradreisen sei der Verbrennungsmotor auch ein emotionales Thema. Um dennoch kein CO2 auszustoßen, werde man statt fossilen synthetische Kraftstoffe brauchen. Derzeit koste ein Liter E-Fuel 50 Euro, der Preis werde zwar deutlich sinken, aber immer über dem Niveau von Benzin liegen, so Trunkenpolz. Er kann sich vorstellen, dass Motorradfahrer dann eben sagen, „die drei Euro für den Liter E-Fuel leiste ich mir halt“. Trunkenpolz verwies darauf, dass auch die Formel 1 und die MotoGP-Klasse auf E-Fuels umstiegen. Nebenbei, so Trunkenpolz, dauere der komplette Umstieg auf E-Motoren zu lange, um den Klimawandel aufzuhalten.

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Gewessler erinnerte, dass das Ziel Klimaneutralität bis 2040 nicht bedeute, CO2 zu sparen, sondern absolut auf null Emission zu kommen. Es gehe darum, dass jeder Sektor für sich die effizienteste Technologie finde. In der Autoindustrie sei innerhalb der Branche die Entscheidung für den Elektromotor bereits gefallen. Auch die Zweiradbranche sei auf dem Weg dahin, insbesondere bei Fahrzeugen zum Pendeln. Im Mobilitätsmix der Zukunft werde jedes Verkehrsmittel seine Rolle haben, bei Zweirad sei dies etwa der Ersatz des Zweitautos oder der Zubringer zum Zug, so Gewessler. Eine Erlaubnis für schnellere Elektrofahrräder, sogenannte S-Pedelecs, auf Radwegen kann sich die Ministerin jedoch nicht vorstellen. Die Konkurrenz am Radweg sei schon jetzt zu groß.

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