Oh du Zauber der rostigen Melancholie

Element Of Crime lieferten ein fantastisches Konzert im Linzer Posthof

Sven Regener, auch in Linz mit Trompete.
Sven Regener, auch in Linz mit Trompete. © APA/Georg Hochmuth

Von Andreas Huber

Knackevoll ist der Große Saal des Linzer Posthofs am Donnerstagabend. Alle – und damit für die Location fast zu viele – wollen die Berliner Combo Element Of Crime sehen. Man kann’s ihnen eigentlich nicht verdenken, denn wer diese Band schon einmal live erlebt hat, weiß, was er hier verpassen könnte. Und so kam es dann auch … Mit ihrem aktuellen Album „Schafe, Monster und Mäuse“ im Gepäck gastierte die norddeutsche Ausnahmeerscheinung nach fast genau vier Jahren wieder am Hafen.

Dezente Bühne, große Musik, tiefe Gewässer

Die Bühne in dezentes Licht getaucht, alles reduziert auf die Musik … aber bei so einer Spielleidenschaft, die Element Of Crime hier an den Tag legt, braucht es keine zusätzlichen Stilmittel, um in das ganze Ausmaß der Seemanns-Melancholie vollends hineinzugleiten. Mit jeder Note, die von der sympathischen Band um Frontman und Trompeter Sven Regener dargeboten wird, kriecht der Zauber, der von ihnen ausgeht, immer weiter in Mark und Bein. Gestartet wird mit den ersten drei Nummern der neuesten Platte, bevor mit „Deborah Müller“ ein erstes Klassiker-Highlight zelebriert wird. Spätestens beim traumwandlerischen „Am Ende denk ich immer nur an dich“ kippt die Stimmung gänzlich ins euphorische Schwelgen in einer besseren Zeit. Man will fast mitweinen. Und wenn der rostige, alte Kahn namens Element Of Crime mit seinen famosen Einzelmusikern Jakob Ilja an der schneidenden E-Gitarre, Richard Pappik am Schlagzeug (und der Mundharmonika), David Young am Bass und Rainer Theobald am Saxophon immer weiter in tieferes Gewässer gerät, dann merkt man, dass hier eine ganz große Band auf der Bühne steht. So geschehen bei „Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin“, dem besten Song des neuen Albums. Nach dem sensationellen „Delmenhorst“, wonach eigentlich schon Schluss sein könnte, kommen noch zig Zugaben, die weiter berauschen, weiter verzücken und auch dann noch in einem selbst weiterleben, wenn der letzte Ton längst verklungen ist. Raus in die kalte Nacht, mit warmer Seele.

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