Olafur Eliasson „flutet“ die Fondation Beyeler in Riehen

Der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson lässt den Innen- und Außenraum der Fondation Beyeler in Riehen in der Schweiz ineinanderfließen: Für seine raumübergreifende Inszenierung „Life“ ließ er die Glasfront des Museumsbaus zum Park entfernen und den Seerosenteich in den Bau quellen. Eine Ausstellung im herkömmlichen Sinn ist es sicher nicht – im Gegenteil: Der vordere Teil der Fondation Beyeler wurde für „Life“ leer geräumt.

Die große Glasfront des Museumsbaus von Renzo Piano ist weg, der Seerosenteich davor ist in die Museumsräume geschwappt. Dort, wo normalerweise das berühmte Seerosen-Triptychon von Claude Monet hängt, sprießen jetzt wirkliche Wasserpflanzen. Die Picassos, die Cézannes, die Mondrians haben der Natur Platz gemacht. Auf Stegen bewegen sich die Besucherinnen und Besucher über den Indoor-Bereich des grellgrünen Teichs vorbei an leeren Wänden.

Eliasson folgt damit, wie er dies bereits mit früheren Arbeiten getan hat, seinem künstlerischen Grundprinzip, das Leben nicht aus einer anthropozentrischen Optik, sondern aus einer biozentrischen Perspektive zu betrachten, wie er in einem Statement zu „Life“ schreibt. Und er führt damit auch die architektonischen Idee Pianos weiter, die den Museumsbau und den Park als eine Einheit versteht.

Er wolle das ganze Leben zum Teil seines Werks werden lassen, nicht nur die menschlichen Besucherinnen und Besucher, sondern auch Mikroorganismen, Pflanzen und dergleichen mehr. Dazu gehöre, dass er die Kontrolle über sein Werk gewissermaßen abgegeben habe.

Gleichzeitig verzichtet Eliasson aber auf eine didaktische Erklärung. Die Besucherinnen und Besucher sollen Raum für ihre eigenen Empfindungen haben und eigene Geschichten spinnen können. Damit hat er zielsicher ins Schwarze getroffen, denn das Begehen der raumübergreifenden Inszenierung wird tatsächlich zum sinnlichen Kunst- oder eben Naturerlebnis.

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Eliassons Einnahme des Museumskomplexes ist das Ergebnis einer längeren Beziehung der Fondation mit dem Künstler, wie Museumsdirektor Sam Keller der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Erstmals war er 2002 noch als wenig bekannter junger Künstler in der Ausstellung „Monet – bis zum digitalen Impressionismus“ präsent. „Im Laufe der Jahre kamen wir überein, mal etwas richtig Großes zu machen“, so Keller – was hiermit nun geschehen ist.

„Life“ ist noch bis am 17. Juli zu erleben. Und das über die gängigen Öffnungszeiten des Museums hinaus – 24 Stunden pro Tag. Ein Besuch auch zu Randzeiten, bei unterschiedlichem Wetter lohne sich sehr, sagte Keller, denn das Werk lebe den Verlauf der Tageszeiten und die sich ändernden klimatischen Bedingungen mit.

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