OMV: Zahlungsmodalität für russisches Gas noch unklar

Im Mai wird für die OMV die nächste Gasrechnung aus Russland zur Zahlung fällig. Wie die Bezahlung abgewickelt werden soll, ob in Euro oder in Rubel, ist bisher noch unklar. Über die Sanktionskonformität der von Gazprom vorgeschlagenen neuen Zahlungsmodalitäten „besteht relativ große Unklarheit“ sagte OMV-Chef Alfred Stern am Freitag im Gespräch mit der APA. „Ich kann das zur Zeit nicht endgültig kommentieren, da wir selbst noch dabei sind, das zu klären.“

Bis zuletzt habe man gemäß dem bestehenden Vertrag mit Gazprom in Euro bezahlt. Die von Gazprom gewünschten neuen Zahlungsmodalitäten würden derzeit analysiert und Lösungsvorschläge ausgearbeitet, „die sanktionskonform und rechtskonform sind“. Ab wann die von Gazprom geforderten neuen Zahlungsmodalitäten für die OMV gelten sollen, „das ist zur Zeit nicht ganz klar“, so Stern. „Ich würde davon ausgehen, dass das im Laufe des Mai geschehen soll.“

Diskutiert wird derzeit offenbar in mehreren Ländern eine Möglichkeit, die es sowohl Russland als auch der EU erlaubt, das Gesicht zu wahren: Die Gaskunden in der EU könnten demnach in Euro bezahlen, das Geld würde von der Gazprombank sofort in Rubel umgetauscht und Gazprom wie gefordert Rubel bekommen.

Berichte, wonach die OMV in der Schweiz ein Rubel-Konto bei der Gazprombank eröffnen wolle, sind laut Stern falsch. „Von diesem Rubel-Konto in der Schweiz habe ich keine Kenntnis.“ Allerdings habe die OMV mit der Beteiligung am Gasfeld Juschno-Russkoje eine Geschäftstätigkeit in Russland. „Wir haben dort ein Büro, und dort muss man natürlich die Mieten in Rubel zahlen. Da gibt es seit Jahren lokale Geschäftskonten in Rubel.“ Diese Konten würden aber nicht für die Bezahlung von Gaslieferungen verwendet.

Am Gasfeld Juschno-Russkoje in Westsibirien ist die OMV mit 24,99 Prozent beteiligt. Das dort geförderte Gas wird „an der Pumpe“ verkauft – zur Hälfte am russischen Markt, „da sind die Preise leider nicht sehr attraktiv“. Die andere Hälfte werde nach Deutschland geschickt. „Der Geldfluss war dort so, dass wir einmal im Jahr im August eine Dividende bezahlt bekommen haben“, etwa in der Größenordnung von 200 Mio. Euro. Diese Zahlung werde man wegen der bestehenden Sanktionen zumindest im kommenden August nicht aus Russland an den Mutterkonzern transferieren können. „Das ist keine EU-Sanktion, sondern ein russisches Dekret“, erklärte OMV-Finanzvorstand Reinhard Florey bei der Präsentation der Quartalszahlen.

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„Wir haben im ersten Quartal im Zusammenhang mit diesem Gasfeld Wertberichtigungen durchgeführt aufgrund der veränderten Lage und aufgrund unserer Erwartung, dass es Schwierigkeiten geben wird, das Cash aus dem Land zu kriegen“, sagte CEO Stern. Dieser Sondereffekt wurde im Quartalsbericht mit etwa einer Milliarde Euro beziffert. Weil die Beteiligung an Juschno-Russkoje nicht mehr in der OMV-Bilanz konsolidiert ist, wird auch die dortige Gasförderung nicht mehr als OMV-Produktion gezählt. „Juschno-Russkoje hat im vergangenen Jahr rund 100.000 Barrel pro Tag produziert, das sind 20 Prozent der OMV-Produktion“, sagte Stern. Damit würden heuer 80.000 Barrel der OMV-Produktion wegfallen, weil das russische Gasfeld im Jänner und Februar noch in der OMV-Bilanz konsolidiert war.

Die von etlichen europäischen Ländern angekündigte Abkehr von russischem Gas dürfte sich nicht so einfach gestalten, wie das auf politischer Ebene manchmal dargestellt wird. Da gibt es einerseits eine rechtliche Hürde: „Wir haben zwei Verträge mit Gazprom“, sagte Stern. „Einer ist für Österreich, der läuft bis 2040, und einen haben wir für Deutschland, der läuft bis 2032.“ Man werde jederzeit „sanktionskonform und im Rechtsrahmen agieren“, betonte der OMV-Chef. „Im Rechtsrahmen agieren bedeutet natürlich auch, dass ich mich an vertragliche Verpflichtungen halten werde. Wie sich der Rechtsrahmen und der Sanktionsrahmen in der Zukunft entwickeln, dafür bin ich der falsche Ansprechpartner.“

Abgesehen von der rechtlichen Frage könne man aus heutiger Sicht auch aus ökonomischen Gründen nicht kurzfristig auf die russischen Gaslieferungen verzichten, weil man diese Gasmengen nicht durch Gas aus anderen Quellen kompensieren könne. „Wenn wir diese Lieferung stoppen, dann wird es einen Engpass im Markt geben, der meiner Meinung nach auch massive Konsequenzen für die Wirtschaft und die Industrie haben wird.“

Im März habe man begonnen, die Gasspeicher wieder zu befüllen, die OMV-Speicher seien nun zu 26 Prozent gefüllt. Nun sei man dabei, sanktionskonforme Zahlungsmodalitäten auszuarbeiten. Außerdem überprüfe man eine Flexibilisierung der Verkaufsverträge für die selbst produzierten Gasmengen. „Mittelfristig sind wir auch dabei, über unser LNG-Terminal in Rotterdam LNG-Mengen zu erhöhen und nach Europa zu bringen. Das ist natürlich alles abhängig davon, dass man dann auch Pipeline-Kapazitäten hat.“ Mit einer eigens eingesetzten Task Force sei man dabei, das Risiko zu minimieren und die Gasflüsse aufrecht zu erhalten. „Die Möglichkeiten, über Nacht unabhängig von russischem Gas zu werden, sind äußerst begrenzt.“

Eine zentrale Rolle in der OMV-Strategie spielt laut Stern das Projekt „Neptun Deep“ im rumänischen Schwarzen Meer. Die OMV Petrom habe viele Jahre an dem Projekt gearbeitet, und zuletzt habe es bei der lange erwarteten Änderung des Offshore-Gesetzes Bewegung gegeben. „Es geht hier hauptsächlich um das Steuerregime für Offshore-Öl- und Gasproduktion im Schwarzen Meer. Das ist deswegen notwendig, um dieses Projekt auch wirtschaftlich darstellen zu können.“ Es gebe jetzt einen Gesetzesentwurf, der dem rumänischen Parlament zur Begutachtung vorgelegt worden sei. Nach dem Inkrafttreten des Gesetzes werde man etwa neun bis zwölf Monate für die endgültige Investitionsentscheidung brauchen. Man rechne mit einem Investitionsvolumen „unter zwei Milliarden Euro“.

Etwa vier Jahre später werde man mit der Produktion beginnen können. Bisher war Exxon der 50-Prozent-Partner der OMV bei dem Projekt. Der Exxon-Anteil soll von der rumänischen Romgaz übernommen werden – die Verhandlungen darüber würden gute Fortschritte machen, sagte Stern. Österreich wird mit der künftigen Produktion im Schwarzen Meer das russische Gas nicht ersetzen können, erklärte Stern, denn dieses Gas werde vor allem in Rumänien und in Südosteuropa gebraucht werden. Das von der OMV in Norwegen produzierte Gas werde derzeit nach Deutschland verkauft, weil man keine Pipeline-Kapazitäten nach Österreich gebucht habe – die russischen Gaslieferungen würden ja bisher vertragsgemäß in Österreich ankommen.

Vor allem dank des aktuell sehr hohen Gaspreises hat die OMV im ersten Quartal 2022 sowohl ihren Umsatz als auch den operativen Gewinn kräftig gesteigert. Die Erlöse stiegen um 146 Prozent auf 15,8 Mrd. Euro. Das um Lagerhaltungseffekte bereinigte CCS Operative Ergebnis vor Sondereffekten wurde von 870 Mio. auf 2,62 Mrd. Euro verdreifacht. Der den Aktionären zuzurechnende CCS Periodenüberschuss vor Sondereffekten konnte von 424 Mio. auf 1,07 Mrd. Euro mehr als verdoppelt werden.

Allerdings wurde der tatsächlich erzielte Gewinn (nach Sondereffekten) durch kräftige Abschreibungen gedrückt – neben der Wertberichtigung für das Gasfeld Juschno-Russkoje wurde auch das Darlehen, mit dem sich die OMV an der Finanzierung der Nord-Stream-2-Gaspipeline beteiligt hat, am 5. März mit gut 1 Mrd. Euro (inkl. Zinsabgrenzung) „vollständig wertberichtigt“. Der den Aktionären zuzurechnende Periodenüberschuss lag deshalb mit 546 Mio. Euro unter dem Ergebnis des ersten Quartals 2021 (654 Mio. Euro).

Berichte über einen möglichen Umbau des OMV-Vorstands wollte der Vorstandschef nicht bestätigen. Es war medial darüber spekuliert worden, dass der für Exploration & Produktion zuständige Vizevorstandschef Johann Pleininger und die Chefin der Rumänien-Tochter Petrom, Christina Verchere, ihre Jobs tauschen, könnten. „Ich habe davon keine Kenntnis, mir liegt dazu auch kein Beschluss vor“, sagte Stern zur APA.

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