Adieu, in aller Herzlichkeit

Er war Träger des Ehrenringes und Ehrenbürger der Stadtgemeinde Eferding und auch sonst vielfach ausgezeichnet. Aber das nur am Rande. Erschüttert musste die VOLKSBLATT-Kulturredaktion gestern erfahren, dass der Eferdinger Komponist Fridolin Dallinger in der Nacht auf Mittwoch im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Die Nachricht erreichte mich als jahrzehntelange Musikfreundin völlig überraschend, auch durch die Biografie, die ich über ihn zu seinem 75er schreiben durfte, war ich mit dem weit über Oberösterreich hinaus bekannten Komponisten und seiner Gattin Margarete besonders verbunden. Zur Anerkennung hat er mir ein Eferdinger Aquarell geschenkt mit der Widmung „für Deine hervorragende Biografie zugeeignet“. Eines seiner Ölbilder, an dem ich auch sehr hänge, erinnert mich im Wintergarten an ihn. Seine selbst gemalten Weihnachtskarten waren mir die liebsten Festtagswünsche, sie sind auf einem Ehrenplatz in meiner Postsammlung. Die Malerei war ja eine seiner Lieblingsbeschäftigungen. Allein anlässlich der Konzertbesuche, die Fridolin als Kritiker für das VOLKSBLATT wahrnahm und wir regen Austausch über unsere Eindrücke pflegen konnten, habe ich ihn nicht aus den Augen (und Sinn) verloren.

Oö. Musikszene verliert vielseitigen Künstler

Die klassische Musikszene Oberösterreichs verliert mit Fridolin Dallinger einen Künstler von vorbildlicher Vielseitigkeit. Als Komponist hat er die zeitgenössische Musik mit seinem umfangreichen Schaffen in allen Genres durch unvorstellbaren Fleiß bereichert und nach dem Zurücktreten vom Lehrberuf war er für Fachkollegen und geistig verwandte Menschen in kontemplativen Gesprächen ein Maßstab für Bildung und Menschlichkeit. Etliche seiner Schüler werden es ihm danken.
Sein von Musik erfülltes Leben lag ihm von seinen Vorfahren und aus dem Elternhaus im Blut und die Musikstadt Eferding durfte sich glücklich schätzen, ihn als einen der großen Söhne zu haben. Beruflich als Pädagoge im Einsatz, konnte ihn die Pflicht nicht vom umfangreichen Wirken als Freischaffender abhalten.

Mit Sinfonien lang gehegten Wunsch erfüllt

Die Werkliste kann an dieser Stelle nicht genannt werden, er arbeitete nicht nach Opuszahlen. Aber seine Werke werden weiterleben, ob es die reichhaltige Vokalmusik ist oder das instrumentale Schaffen verschiedenster Besetzungen oder seine Sinfonien, mit denen er sich einen lang gehegten Wunsch erfüllte.

Einmal stellte ich ihm die Frage nach seinem Lieblingskind, da antwortete er ganz lapidar, „es ist alle Musik“. Er lebte tatsächlich für sie und in ihr und schielte niemals nach Erfolg, den er anderen Komponisten genauso gönnte.

Lieber Fridolin, es ist noch nicht lange her, dass wir einander trafen. Deine Gesundheit und Fröhlichkeit, die ich aus Deinem Lachen noch immer höre, waren völlig ohne Anzeichen für jedwede Besorgnis. „So tun wir halt weiter, wir Zeit- und Musikgenossen und fast Jahrgangsleidende“, wie er sagte, „bis zum Wiedersehen“. Dass es kein physischer Abschied mehr werden konnte, kann ich mir noch gar nicht vorstellen. Das werden sich jetzt viele denken, alle, denen Du sehr fehlen wirst. In Deinen Werken und durch Deine Aura wirst Du weiterleben. Adieu, in aller Herzlichkeit, Deine Dich schätzende Musikfreundin Georgina.

 

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