Oö. Leitbetriebe spüren globale Turbulenzen

voestalpine, Lenzing und Polytec können Ergebnisse großteils nicht halten – Voest mit Gewinneinbruch von 60 Prozent

Neben den Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China machen auch die Umwälzungen im Automotive-Bereich den heimischen Leitbetrieben zu schaffen.
Neben den Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China machen auch die Umwälzungen im Automotive-Bereich den heimischen Leitbetrieben zu schaffen. © Gorodenkoff - stock.adobe.com

Wenig Positives brachten gestern die veröffentlichten Quartalszahlen bei den drei oö. Leitbetrieben voestalpine, Lenzing und Polytec. Sie allesamt spüren die schwächere Konjunktur sowie die internationalen Handelsstreitigkeiten.

Gewinneinbruch bei Voest

Massiv war der Gewinneinbruch bei der voestalpine im ersten Quartal. Gleich um minus 60 Prozent rauschte das Nettoergebnis im Jahresvergleich hinunter. 90,4 Mio. Euro blieben unterm Strich zwischen April und Juni, nach 226,3 Mio. Euro im gleichen Zeitraum 2018. Auf dem Ergebnis lasten vor allem die deutlich gebremste Automobilkonjunktur, massive Anlaufschwierigkeiten im neuen US-Autowerk in Cartersville sowie höhere Rohstoffkosten. „Wir sind sehr stark von der Automobilindustrie abhängig“, kommentierte Neo-Konzernchef Herbert Eibensteiner die Zahlen. Weitere Personaleinsparungen sollen aber trotz des Negativtrends ausbleiben. Erst im Juli hatte der Linzer Weltkonzern 125 Mitarbeiter in der Steiermark gekündigt. In Österreich sei nun aber kein weiterer Stellenabbau zu befürchten, wurde gestern betont.

Kostensenkungen geplant

Dennoch sind weitere Kostensenkungen geplant. Ein Sparplan soll künftig jährlich Einsparungen von 100 Mio. Euro bringen. „Wir haben bereits Kostensenkungen gestartet“, so Eibensteiner. Dazu sollen neben dem Personalabbau im steirischen Werk in Kindberg eine Reihe von Sparmaßnahmen wie etwa eine Optimierung der Abläufe im Konzern beitragen. Das Stammpersonal soll zudem weniger Überstunden machen und muss Urlaub abbauen. Frei werdende Stellen werden nach Möglichkeit nicht nachbesetzt.

Lenzing zuversichtlich

Wie vom Unternehmen erwartet ging der Gewinn zum Halbjahr auch beim heimischen Faserhersteller Lenzing zurück. Unterm Strich stand ein Periodenergebnis von 76,8 Mio. Euro, um 15,9 Prozent weniger als in der ersten Jahreshälfte 2018. Beim Umsatz gab es ein leichtes Plus von 1,2 Prozent auf 1,09 Mrd. Euro.

Trotz globaler Unsicherheiten wegen der Handelskonflikte und anderer Verwerfungen wie der Lage in Hongkong und des Brexit sieht sich sich Lenzing gut aufgestellt. Einerseits helfe die Qualitätsstrategie mit Spezialfasern, die weiterverfolgt wird; andererseits das Umlenken diverser Produktionen auf unterschiedliche Werke, wurde gestern betont.

Andere Standorte nutzen

So werde derzeit verstärkt in Europa produziert, was für den US-Markt gedacht ist, da sich USA und China gegenseitig mit neuen Zöllen belegen, verwies Vorstandsvorsitzender Stefan Doboczky auf eine gut abgestimmte Strategie. „Wir dirigieren die Produkte auf andere Standorte um.“ Gleichzeitig dienen Produkte aus China verstärkt zur Versorgung von Märkten außerhalb der USA, so Doboczky.

Polytec unter Druck

Vor allem die Verwerfungen in der Automobilbranche machen Polytec zu schaffen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag im Zeitraum April bis Juni mit 15,5 Mio. Euro zwar über dem Vorjahresvergleichswert (14,2 Mio. Euro), aber unter den Werten der beiden Vorquartale von jeweils mehr als 17 Mio. Euro. Beim operativen Ergebnis lagen die Hörschinger mit 7,0 Mio. Euro nicht nur unter den beiden Vorquartalen (jeweils über 9 Mio. Euro), sondern auch unter Vorjahr (8,5 Mio.). Die Umstellung der Autobranche auf den neuen WLTP-Standard habe für die Polytec Group seit mehreren Quartalen zu Abrufkürzungen und Umsatzeinbußen im Marktbereich Pkw geführt, „die auch im ersten Halbjahr 2019 zu verzeichnen waren“, erläuterte das Unternehmen die Ergebnisentwicklung. Der Ausblick für das Gesamtjahr blieb aber unverändert.

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