OÖ Polizei machte größten Waffenfund seit Jahrzehnten

Ein 65-jähriger Oberösterreicher hat in seinem Keller eine Million Schuss Munition, mehr als 150 Waffen, 100 Schalldämpfer sowie Gerätschaften, um diese sowie Gewehrläufe herzustellen, gehortet – einer der größten Waffenfunde der letzten Jahrzehnte in Oberösterreich. Der Mann wurde am Freitag nach einer Anzeige seiner Ex-Freundin festgenommen und sitzt in U-Haft, berichtete die Polizei am Montag.

Die Ex-Freundin hatte der Ehefrau am Freitag die jahrelange Affäre gestanden. Daraufhin bekam sie Angst, weil der Pensionist erwähnt habe, dass er ausländische Killer kenne und immer eine Schusswaffe bei sich trage. Deswegen wurde auch die Cobra alarmiert. Da an der Wohnadresse des Verdächtigen im Bezirk Freistadt ein Covid-19-Fall – eine im Haushalt des Verdächtigen lebende Person – gemeldet war, sei ein Einsatzteam „in voller Montur“ ausgerückt, sagte Landespolizeidirektor Andreas Pilsl in einer Pressekonferenz via Livestream.

Der Mann hatte zwar einen Waffenpass, es sei aber schon auf den ersten Blick klar gewesen, dass er viel mehr – und auch verbotene – Waffen besaß als er haben dürfte. Insgesamt fanden die 30 Polizisten mindestens 20 (richtig, Anm.) vollautomatische Waffen, 30 Langwaffen, zum Teil Scharfschützengewehre, 100 Pistolen und Revolver sowie mehr als eine Million Schuss Munition, auch Kriegsmaterial sei in dem randvoll gestopften Kellerabteil dabei gewesen. Der Gesamtwert betrage rund 300.000 Euro. Der Pensionist habe seit 20 Jahren Waffen gesammelt, er interessiere sich für Waffentechnik, habe er in einer ersten Befragung gesagt.

Bei der Hausdurchsuchung habe der Mühlviertler keinen Widerstand geleistet. Der Leiter des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, Michael Tischlinger, sprach von einem der größten Waffenfunde der vergangenen Jahrzehnte und meinte, man werde wochenlang beschäftigt sein, Waffen und Munition aufzulisten und versuchen, sie zurückliegenden Straftaten zuzuordnen. Der 65-Jährige sei wohl ein geschickter Handwerker und habe seinen Keller mit allen notwendigen Gerätschaften – Schweiß-, Fräsmaschinen – ausgestattet, um Gewehrläufe, Verschlüsse und Schalldämpfer herzustellen. Auf die Frage, wo er die Geräte herhabe, meinte er, er habe den Schwarzmarkt bedient. 19 Waffen waren auf ihn registriert, mittlerweile ist er mit einem Verbot belegt. Unter dem Fund seien eine Vielzahl an verbotenen Langwaffen, Kriegsmaterial und Deko-Waffen, die er wieder funktionstüchtig gemacht habe, sagte Tischlinger.

Über den Mann sei Untersuchungshaft verhängt worden, diese sei zunächst für 14 Tage wirksam, erklärte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Linz, Ulrike Breiteneder. Diese Zeit soll genutzt werden, um aufzuklären, ob es Hintermänner gab, die dem 65-Jährigen die Waffen verschafft haben, oder Abnehmer, denen er sie verkauft habe. Ermittelt werde wegen versuchter Nötigung hinsichtlich der Ex-Freundin und wegen vieler Vergehen nach dem Waffengesetz.

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