OÖ Stiftskonzerte bewältigten “künstlerischen Tsunami”

Mit dem berühmten “Concierto de Aranjuez” von Joaquin Rodrigo für Gitarre und Orchester ist Samstagabend im Barockstift St. Florian die 46. Oberösterreichischen Stiftskonzerte eröffnet worden. Im Vorfeld hatte Intendant Rico Gulda einen “künstlerischen Tsunami” zu bewältigen. Dirigentin Alondra de la Parra sagte aus gesundheitlichen Gründen ab, ebenso der Solist Milos wegen einer Verletzung.

Fürs Pult des Bruckner Orchesters konnte kurzfristig der gebürtige Venezolaner Domingo Hindoyan gewonnen werden und für das Solo im “Concierto de Aranjuez” sprang der spanische Gitarrenvirtuose Rafael Aguirre ein, der sich gerade zu einem Meisterkurs in Linz aufhielt. Er spielte mit virtuosem Einsatz und Innigkeit. Bereits als 16-Jähriger hatte er damit in seinem ersten Konzert debütiert. Das Bruckner Orchester begleitete sensibel und auch in den solistischen Aufgaben perfekt. Großer Jubel des Publikums, für den sich Aguirre mit zwei Zugaben bedankte.

Als sinfonisches Hauptwerk des Abends hatte sich Einspringer Hindoyan für Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 7 entschieden. Die ursprünglich geplante sechste – “Pastorale” – hätte klanglich besser in den riesigen Marmorsaal gepasst. Die noch populärere “Siebente” sprengte in den stürmischen und mitreißenden Aufbauten der Sinfonie nahezu die halligen Gegebenheiten. Etwas weniger Lautstärke hätte den Gesamteindruck des verlässlich aufspielenden Bruckner Orchesters nicht gemindert. Auch in der Sinfonie Nr. 1, “Symphonie classique”, von Sergej Prokofjew, hätte manche klangliche Zurückhaltung der Wiedergabe gut getan. Der Marmorsaal von St. Florian hat eben seine akustischen Tücken. Dessen ungeachtet viel Applaus für das populäre Eröffnungsprogramm.

Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) hatte vor Konzertbeginn die besondere Stellung der Stiftskonzerte im Rahmen des Oberösterreichischen Kultursommers mit seinen 60 Festivals gewürdigt.

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