Opern-Intendant Pereira über seine Pläne für Florenz

Nachdem er sich mit der Scala auf eine vorzeitige Auflösung seines Vertrags am 15. Dezember geeinigt hat, bereitet Intendant Alexander Pereira den Umzug nach Florenz vor. In den nächsten Jahren will er das Opernhaus “Maggio Musicale Fiorentino” mit “erstklassigen Produktionen” zu einem Magnet für Starkünstler machen. Über seine Zukunftspläne spricht der Österreicher im Interview mit der APA.

APA: Herr Pereira, was hat Sie überzeugt, das Angebot aus Florenz anzunehmen?

Alexander Pereira: Der Wechsel nach Florenz ist für mich eine fantastische Herausforderung. Nachdem die Scala beschlossen hat, meinen Vertrag nur bis Mitte 2021 zu verlängern, hatte ich das Gefühl, dass ich meine Programme nicht so erfüllen konnte, wie wenn man einen fünfjährigen Zeitraum vor sich hat. Es ist attraktiver, sich mit einer neuen Aufgabe zu befassen, als etwas zu Ende zu führen. Ich habe mehrere Angebote erhalten. Florenz hat mich überzeugt, weil es eine ganz neue Aufgabe für mich ist. In Florenz geht es nicht nur darum, das Opernhaus zu leiten, sondern auch das Festival des “Maggio Musicale Fiorentino” zu organisieren.

APA: Das Florentiner Opernhaus hatte zuletzt mit Schulden zu kämpfen, Intendant Cristiano Chiarot hat im Juli überraschend den Hut genommen. Sind Sie über diese Lage nicht besorgt?

Pereira: Mit dem Thema der Schulden beschäftigt sich der Bürgermeister von Florenz, Dario Nardella. Meine Aufgabe in Florenz ist es, die bedeutendsten Künstler der Welt mit erstklassigen Produktionen zu gewinnen und sie nach Florenz zu bringen. Ich habe schon viele Ideen. Der Start in Florenz ist eine neue Herausforderung, die mir Spaß macht.

APA: Wann ziehen Sie nach Florenz um?

Pereira: Sehr bald, man kann ein Theater nicht von der Ferne aus leiten. Florenz ist eine Stadt, die ich gut kenne. Meine Schwester lebt seit 25 Jahren dort. Florenz ist eng mit Persönlichkeiten wie Zubin Mehta und Riccardo Muti verbunden, beide haben eine enge Beziehung zur Stadt.

APA: Vor dem Wechsel nach Florenz steht Ihnen noch die Saisoneröffnung der Scala mit Puccinis “Tosca” am 7. Dezember bevor. Wie laufen die Vorbereitungen?

Pereira: Gut, ich würde mich freuen, wenn ich mich mit einem großen Erfolg der “Tosca” von Mailand verabschieden könnte. Riccardo Chailly, der die Oper dirigiert, ist der größte Puccini-Interpret der Welt. Anna Netrebko und Luca Salsi übernehmen die Hauptrollen, die Regie ist von Davide Livermore. Ich bin sicher, dass die Saisoneröffnung erfolgreich sein wird.

APA: Sie haben am Donnerstag in Mailand im Beisein des Mailänder Bürgermeisters Giuseppe Sala iIhren Nachfolger Dominique Meyer getroffen. Haben Sie ihm Ratschläge für seine Zeit an der Scala gegeben?

Pereira: Natürlich nicht. Beim Treffen in Mailand ist es lediglich um technische Fragen gegangen. Wir haben besprochen, wie man auf die bestmögliche, reibungslose und freundschaftliche Weise den Intendantenwechsel meistern können. Dominique Meyer und ich kennen uns schon seit ewig. Ich habe kein Interesse, ihm Schwierigkeiten zu machen. Ich hoffe, dass er an der Scala bestens starten kann.

APA: Die Scala-Gewerkschaften trauern Ihnen bereits nach. Sie haben offenkundig gute Beziehungen aufgebaut.

Pereira: Es ist eine Ehre, wenn Mitarbeiter den Intendanten schätzen und wenn man weiß, dass man eine gute Erinnerung von sich hinterlässt. Wir haben in diesen Jahren gut zusammengearbeitet.

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