Operndiva Netrebko legt ihr erstes Kochbuch vor

In „Der Geschmack meines Lebens“ (Molden) offenbart Anna Netrebko ihre kulinarischen Vorlieben und kocht auch selbst. Wie aus ihr der globale Opernstar „Donna Anna“ wurde, erzählt Anna Netrebko im Buch in bekömmlichen Geschichtchen.

Das Leben will schließlich gefeiert werden. Anna Netrebko bei ihrer Lieblingsbeschäftigung in Italien: Pasta essen. © privat

Das Verkleiden sei schon als Kind ihre Leidenschaft gewesen. „Ich war immer die Hexe“, erzählt Anna Netrebko über die alljährliche Aufführung zum traditionellen russischen Neujahrsfest. Macht nichts, dass ein schwarz-weißes Foto die noch sehr junge Anna als Schneemädchen beim Neujahrsfest zeigt. Die nüchterne Wahrheit? Sie ist Sache der Langeweiler. Anna Netrebko zeichnet im kulinarisch aufbereiteten „Der Geschmack meines Lebens“ ein Bild von sich, das auch ihren Träumen und Wünschen entspricht.

Die Imagepflege hat Netrebko im kleinen Finger. Ein kumpelhafter Typ, mit dem man gern auf ein Bier gehen möchte. Egal, dass Netrebko kein Bier mag. Für die Fantasie genügt der Wunsch. Widersprüche nimmt Netrebko locker hin. Krasnodar, Stadt der Kindheit und anscheinend auch familiärer Geborgenheit, nennt sie „nicht schön“. Weiß der Teufel, und Netrebko will es auch gar nicht wissen, warum Krasnodar „Perle Russlands“ genannt wird. Das Leben kurz, es will genossen werden, Details – vergeudete Zeit.

Dort, in Krasnodar, hatte die Jungpionierin (die sozialistische Kinderorganisation, Anm.) Netrebko mit zehn Jahren ihre ersten Bühnenauftritte. „Es war ein Riesenspaß“, und mehr noch, die Auftritte gaben eine Lebenslinie vor. Die Bühne. Wo sie die Netrebko ist, wo die gesangliche und darstellerische Naturgewalt seit Jahren abertausende Opernfans weltweit beglückt hat.

Versagt die Sprache im Sog der Superlative, die bei Anna Netrebko unvermeidlich scheinen? Schlau das Konzept dieses Buches: Die Diva, der Opernstar Netrebko wird anhand seiner kulinarischen Vorlieben greifbar.

2002, „Donna Anna“

Gäste zu bekochen hat bei „Donna Anna“ auch Familientradition. ©Vanessa Maas

Netrebko nährt erfolgreich den Verdacht, dass sie Städte nur bereist, um sich dort den Bauch mit den köstlichsten Köstlichkeiten vollzuschlagen. München? Im Lieblingsrestaurant Ente mit Knödel und Rotkraut, „und dann drei Tage nichts!“ Italien? Dort muss es für den bekennenden „Tomatenfreak“ Netrebko jeden Tag Pasta sein. Natürlich mit Tomaten, die auch nach Tomaten schmecken! Im Rahmen ihrer kulinarischen Tour verschlägt es sie naturgemäß immer wieder nach Salzburg. So nebenbei erfährt der Leser, wie exotisch das nette Österreich einer „Kosmopolitin“ (Netrebko) vorkommen kann. Wild essen mit der Zugabe Preiselbeeren. Komisches Völkchen, diese Älpler!

Salzburg, Salz-ach! Der Stern der Netrebko ging dort nicht einfach auf, sondern – nur so denkbar bei diesem Energiebündel – explodierte förmlich. 2002 bei den Salzburger Festspielen als Donna Anna, die höheren Mächte haben ihr diese Rolle, die auch als Kosename bleiben sollte, wohl zugewiesen. Mozarts „Don Giovanni“ war genau genommen nicht das Debüt der Netrebko, denn dieses hatte sie in Salzburg bereits 1997 bei einem Gastauftritt des Mariinskij-Theaters. (Ja, unnützes Wissen macht auch froh!) In einer konzertanten Aufführung von Wagners „Parsifal“ gab Netrebko ein Blumenmädchen in Kling-sors Zaubergarten.

Noch im Schwanken groß

Das Blumenmädchen, was für ein hübsches Bild. Als solches fand Netrebko Salzburg „von Anfang an umwerfend; so viel Kultur, so viel Musik. Aufregend, verrückt!“ Kritik etwa am alljährlichen Festspielgetöse ist aus Netrebkos Mund nicht zu erwarten. Das „Blumenmädchen“ zeichnet von sich das Bild der Dauergenießerin. Und diese Haltung ist klug. Vermutlich nur ein Leben, nur wenige besitzen die Gabe, es auch auszukosten. Sich daran überwiegend zu erfreuen.

Anna Netrebko: Der Geschmack meines Lebens. Verlag Molden, 160 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, 30 Euro

Die auch von den Medien ihr zugedachte Rolle, naturgemäß die Hauptrolle, nimmt die Netrebko gerne an. Prächtiges Foto, eine schwermütige Floria Tosca bei der Premiere an der Mailänder Scala 2019 (in der Opernsprache schreibt man „an“, obwohl´s „in der Mailänder Scala“ auch täte). Netrebko bemerkt dazu im Bildtext in erfrischender Unbescheidenheit: eine „faszinierende Frauengestalt und eine Rolle wie geschaffen für mich“. Unbescheidenheit?

Realismus. Die kritische Journaille liegt ihr wehrlos zu Füßen, Netrebko zitiert mehrfach genüsslich. Doppelseitig das Prachtfoto einer wieder einmal hinreißenden Netrebko, in Verdis „La Traviata“ recken sich ihr ein Dutzend Hände entgegen. In großen Lettern prangt auf der Doppelseite ein Zitat aus einer Kritik der FAZ: „So schön stirbt Anna Netrebko, dass es die reine Freude ist, ihr beim graziösen Wanken, Schwanken, Stolpern und Zusammenbrechen zuzuschauen.“

Sogar im Schwanken und Stolpern unerreicht. Diese Frau muss grandios sein. Ruhe und Frieden findet sie in Wien, mittlerweile einer ihrer Lebensmittelpunkte. Betrachtungen der Alpenrepublik, wenn auch nostalgisch verbrämt und fastfoodfreies Wunschgebilde: „In Österreich kann man überall gut essen, an jeder Ecke gibt es ein gutes Gulasch oder ein Wiener Schnitzel.“

©Vanessa Maas

Borschtsch: Anna Netrebko kocht den russischen Klassiker

In „Der Genuss meines Lebens“ verrät Anna Netrebko ihre Lieblingsrezepte. Das VOLKSBLATT entschied sich für den Borschtsch. Die Suppe ist ein russischer Klassiker, zudem in deutscher Sprache auch das einsilbige Wort mit den meisten Buchstaben (10). „Strauch“ (7) etc. weit abgeschlagen.

Suppenfleisch (500 g) und Wasser (3 l) zum Kochen bringen. Ca. 5 Minuten kochen lassen, Schaum abschöpfen. 1 Zwiebel mit Schale, 3-4 Lorbeerblätter und 5 Pfefferkörner hinzufügen, bei niedriger Hitze 60-90 Minuten kochen. nach ca. 45 Minuten 1 TL Salz dazugeben (ev. Schaum abschöpfen!).

Währenddessen: 400 g festkochende Kartoffel schälen, in mundgerechte Stücke schneiden. Die Zwiebel schälen und in kleine Würfel schneiden. 250 g Rote Beeten und 150 g Karotten schälen, dann grob raspeln. 100 g Paprikaschote entkernen. 100 g Knollensellerie und 1 Petersilienwurzel schälenDiese fein würfeln, ebenso 200 g frische Tomaten. 2 Stangen Staudensellerie in feine Scheiben schneiden.

2 EL Schmalz (oder Butterschmalz) in der Pfanne erwärmen, Zwiebelwürfel glasig dünsten. Die anderen Gemüse hinzufügen und ca. 5 Minuten mitbraten. Tomaten und 1-2 TL Tomatenmark dazugeben.

Mit Zucker, Essig und Salz kräftig aüß-sauer abschmecken. Etwa 1 Schöpfkelle Fleischsuppe dazugeben, Gemüse zugedeckt ca. 5-7 Minuten dünsten. Währenddessen Fleisch, ausgekochte Zwiebel und Lorbeerblätter aus dem Topf nehmen. Zwiebel und Lorbeerblätter entsorgen. Fleisch in mundgerechte Stücke schneiden. Gedünstetes Gemüse und Fleisch in die Suppe geben, ca. 10 Minuten sanft köcheln.

Am Ende Kartoffeln und Weißkohl dazugeben, nochmals 10 Minuten weich kochen. Suppe final mit Salz und Pfeffer, eventuell auch ein paar Spritzern Essig abschmecken. Borschtsch auf Teller verteilen und mit Rahm und ev. gehacktem Dill servieren. Dazu schmeckt kräftiges Schwarzbrot.

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