Orban fängt sich ein paar Ohrfeigen

Opposition erobert Budapest und andere große Städte Ungarns

Premier Orban (l.) mit abgewähltem Budapester Bürgermeister Tarlos. Rechts: Sieger Karacsony.
Premier Orban (links) mit abgewähltem Budapester Bürgermeister Tarlos. © AFP/Isza

Überraschenden Niederlagen bei den Kommunalwahlen in Ungarn haben den Mythos der Unbesiegbarkeit von Ministerpräsident Viktor Orban gebrochen. „Der Tote ist auferstanden, es gibt eine Opposition“, schrieb das Online-Portal 24.hu am Montag.

Orbans Fidesz-Partei hat am Sonntag die Hauptstadt Budapest an die Opposition verloren. Deren gemeinsamer Kandidat Gergely Karacsony besiegte den amtierenden Fidesz-Bürgermeister Istvan Tarlos mit 50,6 Prozent der Stimmen.

Karacsony kommt aus der kleinen grün-liberalen Partei Dialog für Ungarn (PM). In der Wahlnacht versprach der 44-Jährige, Budapest in die Mitte Europas zu führen, „wo es immer schon hingehörte“. Er werde auf eine „transparente, solidarische und grüne Stadt“ hinarbeiten. Allerdings könnten die Budapester ihr Wahlverhalten bald büßen müssen: Orban hatte nämlich im Wahlkampf gedroht, oppositionell geführten Kommunen den Geldhahn zuzudrehen.

Das droht freilich nicht nur den Hauptstädtern: Denn Oppositionsbündnisse waren in mehreren weiteren Großstädten erfolgreich. Ihre Kandidaten besiegten unter anderen in Pecs, Miskolc, Szombathely und Eger die jeweiligen amtierenden Fidesz-Bürgermeister. In den ländlichen Gemeinden waren wiederum die Kandidaten des Regierungslagers oder Unabhängige erfolgreich.

Für Orban ist der Wahlausgang eine kalte Dusche, deren Tragweite er gestern herunterzuspielen versuchte. „Fidesz ist weiterhin die stärkste politische Kraft in Ungarn“, so Orban. Das stimmt. Allerdings hat Orbans Partei deutlich Feder lassen müssen. Ihr hat auch ein Sexskandal des Fidesz-Bürgermeisters im westungarischen Györ geschadet. Entscheidend war aber wohl, dass die bislang zersplitterte Opposition geschlossen gegen Fidesz aufgetreten ist.

Wie ist Ihre Meinung?