Orgelklänge und Musikheilige

Jubel für Martin Haselböck und sein Spitzenteam im Brucknerhaus

Sopranistin Sunhae Im (M.) und Meister Martin Haselböck (r.)
Sopranistin Sunhae Im (M.) und Meister Martin Haselböck (r.) © Reinhard Winkler

Von Georgina Szeless

Ein wahres Vorweihnachtsgeschenk aus Wien bescherte der Sonntag-Matinee ein Händel-Programm im Brucknerhaus, das spürbar auch Kenner in den Großen Saal lockte. Es handelte sich um Akte der Offenbarung aus dem Barock bzw. der Frühklassik, die der stil- und klangbesessene Experte für Alte Musik Martin Haselböck nach Linz brachte. Auf dieser Höhe einer Darstellung von Werken des Großmeisters Georg Friedrich Händel handelte es sich um eine nicht so schnell wieder erlebbare Begegnung. Haselböcks Konzerte haben nicht umsonst Weltgeltung und erlauben mit ihrer authentischen Besetzung die Pflege eines innovativen wie historischen Repertoires.

Genussvolles Aufgehen in den Harmonien

Diesmal stand zur großen Freude – wegen ihres langen gezwungenen Stillschweigens – die Brucknerhaus-Orgel ganz im Mittelpunkt, nicht anders möglich, war doch Händel selbst ein geachteter Beherrscher der Königin der Instrumente. Haselböck nahm sie sogar so weit unter seine Fittiche, dass er ihre Konzeption in der Tonart und -höhe veränderte, um so die Orgel dem Originalklang seines Orchesters Wiener Akademie anzupassen. Für gewöhnlich müssen ja Barockaufführungen mit einem tragbaren Orgelpositiv das Auslangen finden. Das war ein genussvolles Aufgehen in den elegant dahinschreitenden Harmonien, eine Hingabe von Haselböck, wie er in den Orgelkonzerten von Händel die Soli virtuos aufleuchten ließ, dabei sein unaufdringliches Dirigat seinen Musikern schenkte und nach der Pause zusätzlich das Cembalo zur Begleitung einsetzte. Die noch vorher erklingenden Stücke aus der Ode zum Geburtstag der Königin Anne und „Air“ aus dem Samson-Oratorium profitierten nicht weniger unter Haselböcks bewährten Händen. Freilich, auf sein ausgesuchtes Spitzenteam, vokal wie instrumental, konnte er sich verlassen: auf die koreanische Sopranistin Sunhae Im, auf den britischen Tenor Samuel Boden und auf die Solisten aus seinem Instrumentarium Charles Brink (Flöte), Siegfried J. Koch (Trompete), Hans Brüderl (Laute), Philipp Comploi (Violoncello) und Davide Mariano (Cembalo & Orgel).

Ode zum Cäcilientag als besonderer Höhepunkt

Als besonderer Höhepunkt des Vormittags kann noch die Mitwirkung des Singvereins der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (Chorleiter Johannes Prinz) bei der Aufführung der Ode zum Cäcilientag gewertet werden. Einem Werk, das Händel 1739 der Patronin der (Kirchen-) Musik zugedacht hatte, deren Name auch mit der Orgel in Beziehung gebracht wird, was eigentlich nur legendär gültig ist. Denn bei allem Einfluss, den die um 230 n. Chr. als Märtyrerin gestorbene Cäcilia auf Komponisten ausübte, spielte damals die Musik keine größere Rolle. Die Handlung erzählt von einer Welt in Tönen, die die engagierten Ausführenden zu ihrer Welt einer leidenschaftlichen Wiedergabe machten und damit zu einem Schlussjubel hinrissen.