Orte, an denen ein Klingeln das Erinnern an NS-Opfer einläutet

Stadt Linz setzt Entwurf von Andreas Strauss für Erinnerungsprojekt um

Die Stelen von Andreas Strauss sind mit den Daten von Holocaust-Opfern und Klingeln versehen.
Die Stelen von Andreas Strauss sind mit den Daten von Holocaust-Opfern und Klingeln versehen. © Andreas Strauss

Als sichtbares Zeichen des Erinnerns an Holocaust-Opfer werden künftig besondere Kunstobjekte über die Stadt Linz verteilt dauerhaft zu sehen sein. Dafür hat die Stadt einen Wettbewerb gestartet, zu dem fünf Künstler eingeladen worden sind. Der Entwurf „Erinnern…“ von Andreas Strauss ist nun als Sieger daraus hervorgegangen.

Strauss, ein gebürtiger Welser und Gsöllpointner-Schüler, der mit Arbeiten wie dem parkhotel in Ottensheim oder dem Goldenen Container am Linzer OK-Platz schon bleibende Zeichen im öffentlichen Raum gesetzt hat, hat für seinen Beitrag 1,5 Meter hohe Stelen aus Messing ersonnen. In diese werden die Namen und letzten freiwilligen Wohnadressen, die Geburts- und Todesdaten bzw. auch Deportations- und Fluchtdaten von NS-Opfern graviert und die Objekte dann direkt bei den einstigen Wohnorten aufgestellt. Eine Besonderheit ist eine integrierte mechanische Klingel, die geläutet werden kann und soll. „So werden die Betroffenen wieder auffindbar, erhalten einen realen Platz im öffentlichen Raum“, erklärt der Künstler bei der Präsentation. Parallel dazu wird es auch eine Website mit einer Karte von Linz geben, auf der die Stelen eingezeichnet und mit einem digitalen Klingelknopf versehen sind. „Andreas Strauss ist es gelungen, mit der Idee der Klingel eine vielschichtige sowie mehrdeutige Metapher des Erinnerns zu schaffen, die sowohl Assoziationen des Daheim- und Zuhause-Seins hervorruft als auch den Moment des gewaltsamen Abholens beschreibt“, heißt es in der Jury-Begründung.

Als „eines der wesentlichen Projekte der Stadt im Rahmen der Aufarbeitung und Sichtbarmachung der nationalsozialistischen Geschichte von Linz“ bezeichnete der Linzer Bürgermeister Klaus Luger das Kunstprojekt, dessen Ziel es sei, die Opfer ins öffentliche Bewusstsein zu tragen. „Der Gemeinderat hat nach einer immer wiederkehrenden Diskussion im Jänner einstimmig beschlossen, dass Linz über einen jurierten Wettbewerb eigene Erinnerungszeichen für die NS-Opfer gestalten und umsetzen will. Das Siegerprojekt ist eine bemerkenswerte Erfüllung dieses Gemeinderatsbeschlusses“, freute sich auch Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer.

In einer ersten Phase sollen auf den Stelen die jüdischen Holocaust-Opfer verzeichnet werden. Man geht dabei von rund 200 Personen aus. Auch die Namen weiterer NS-Opfer sollen künftig Platz finden.

Gebaut werden die Kunstobjekte in der Lehrwerkstätte der voestalpine. Die ersten 20 Erinnerungsstelen sollen ab Mitte 2020 aufgestellt werden. Die Kosten dafür werden mit rund 90.000 Euro anberaumt. Es werden jene Straßen vorrangig bestückt, in denen die meisten jüdischen Holocaust-Opfer gelebt haben, an der Spitze die Rudolfstraße, aber auch die Land- oder die Goethestraße werden so zu Gedenkstätten. mel

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