Oscar-Preisträgerin & Sixties-Ikone

Julie Christie feiert heute (wahrscheinlich) ihren 80. Geburtstag

Die öffentlichkeitsscheue Schauspielerin im Jahr 2009
Die öffentlichkeitsscheue Schauspielerin im Jahr 2009 © AFP/Getty/Rodriguez

Seit Jahrzehnten lebt die Oscar-gekrönte Blondine zurückgezogen in Wales. Abseits vom Hollywoodrummel ist Julie Christie auf ihrem Bauernhof glücklich. Ihr letzter Film liegt bereits acht Jahre zurück. Heute feiert sie ihren 80. Geburtstag.

Es könnte sich aber auch um ihren 79. Geburtstag handeln, darüber sind sich die Quellen nicht ganz einig. Die meisten ernst zu nehmenden sind aber für 80.

Von „Doktor Schiwago“ bis Warren Beatty

Mit blonder Mähne und tiefblauen Augen verkörperte Christie das neue Frauenbild der Swinging Sixties: sexy, selbstbewusst, aber gleichzeitig gefühlvoll. Modezeitschriften feierten ihre Filmkostüme wie den langen Wintermantel der Lara in „Doktor Schiwago“. Das einflussreiche „Time Magazine“ urteilte 1967: „Was Julie Christie trägt, hat einen größeren Einfluss auf die Mode als alle Kleidungsstücke der zehn bestgekleideten Frauen zusammen.“

Doch selbst auf der Höhe ihres Erfolges litt Christie unter starken Selbstzweifeln: „Ich war immer sehr ängstlich“, verriet sie dem „Guardian“. „Ich hatte nie das Gefühl, cool genug oder richtig gekleidet zu sein.“ Das führte dazu, dass sie kaum Interviews gibt.

Christie verbrachte ihre Kindheit auf einer Teeplantage, die ihr Vater im indischen Assam in den letzten Jahren der britischen Kolonialherrschaft managte. Als ihre Eltern sich trennten, wurde sie mit sechs Jahren nach England in die Klosterschule geschickt. Ihre Mutter sah sie erst als Teenager wieder — ein Trauma, das sie ihr Leben lang begleiten sollte. Zudem schämte sich ihre Mutter dafür, dass ihre Tochter Schauspielerin wurde, nachdem sie in London und Paris studiert hatte.

Ihren Durchbruch hatte Julie Christie mit John Schlesingers „Geliebter Spinner“ (1963). Mit Mitte 20 gewann sie den Oscar für ihre Hauptrolle in Schlesingers „Darling“ (1965), in dem sie als ehrgeiziges Fotomodell für die Zügellosigkeit der Swinging Sixties stand. Auch in Schlesingers Thomas-Hardy-Adaption „Die Herrin von Thornhill“ (1967) spielte sie eine Femme fatale. Ein Flop an der Kinokasse und verrissen von den Kritikern, doch als Klassiker wiederentdeckt und neu verfilmt.

In den Siebzigern lieferte Christie ihre besten Darstellungen: 1971 erhielt sie eine weitere Oscar-Nominierung für Robert Altmans „McCabe & Mrs. Miller“ an der Seite ihres damaligen Liebhabers Warren Beatty. Er spielte einen Spieler, sie eine Puffmutter: „Der Film ist so ungemein privat“, verriet sie einem Kritiker. „Es ist, als ob das Publikum durch ein Fenster hineinschaut…“

In ihren Filmen gab sie alles, erschien verwundbar und offen. Das beste Beispiel dafür ist Nicolas Roegs legendärer Psychothriller „Wenn die Gondeln Trauer tragen” (1973) mit Donald Sutherland. 1996 spielte sie die Gertrude in Kenneth Branaghs mehrfach ausgezeichnetem „Hamlet“, bevor sie 1997 für ihre Hauptrolle in der Tragikomödie „Liebesflüstern“ wieder für den Oscar nominiert wurde — genauso wie für ihre Darstellung einer an Alzheimer erkrankten Frau in „An ihrer Seite“ (2006).

Hin und wieder nahm Christie auch Rollen in Hollywood-Blockbustern an, um zum Beispiel das Geld für Dachreparaturen zu verdienen, wie sie freimütig zugab. Dazu gehörten Auftritte in „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ und Wolfgang Petersens „Troja“. Zuletzt war sie in dem 2012er Politthriller „The Company You Keep — Die Akte Grant“ zu sehen. Sie spielt neben Robert Redford, Shia LaBeouf und Susan Sarandon ein ehemaliges Mitglied der US-Untergrundorganisation „The Weathermen“. Vielleicht hatte es ihr diese Rolle aus politischen Gründen angetan: Seit Jahrzehnten engagiert sie sich gegen Atomwaffen, Tierversuche und Folter.

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