„Rain Man“ als Theaterstück auch in Oberösterreich

Marcus Strahl holt Stück nach Wien — Duregger als Hoffman-Nachfolger

Martin Oberhauser und Michael Duregger als ungleiches Brüderpaar in „Rain Man“.
Martin Oberhauser und Michael Duregger als ungleiches Brüderpaar in „Rain Man“. © Rolf Bock

Marcus Strahl, Intendant der Neuen Bühne Wien, gelang als Manager ein sensationelles Kunststück: Er sicherte sich die Rechte für die österreichische Erstaufführung des Theaterstücks „Rain Man“ von Ban Gordon, beruhend auf dem MGM-Film gleichen Namens aus dem Jahr 1988 mit der Story von Barry Morrow.

Für die Titelpartie des Raymond Babbitt fand Strahl einen idealen Nachfolger des Oscar-Preisträgers Dustin Hoffmann: Michael Duregger. Bearbeitung und Regie von Marcus Strahl bewirken derzeit im Wiener Forum-Theater in der Porzellangasse eine Faszination beim geforderten Publikum, das nicht nur mit Rain Man selbst, sondern auch mit dessen Bruder Charlie mitdenkt und -fiebert.

Rain Man Raymond ist Autist der Spezies Savant Syndrom, eine Mischung aus sturer Naivität und genialer mathematischer Erkenntnisse, gepaart mit einem unschlagbaren Gedächtnis. Martin Oberhauser als sein Bruder Charlie ist wie Tom Cruise im Film ein zunächst gewissenloser, zynischer und als Autohändler zugrunde gegangener Typ, ein Hasser seines Vaters, der seine Millionen einer Stiftung vermacht hat, die Raymond zu betreuen hat.

Großartige Autistenstudie

Um an das verlorene Erbe heranzukommen, entführt Charlie seinen Bruder. Dieser verschafft durch sein Zahlengenie sich und Charlie im Casino eine Menge Geld. Als jedoch die Weiterfahrt mit einem Auto am Regen scheitert, wendet sich das Blatt. Die ungleichen Brüder kommen einander näher. Charlie erlebt eine Art Läuterungsprozess …

Michael Duregger ist zu bewundern, muss er doch täglich in die Rolle des Raymond hineinwachsen, um sich nach zweieinhalb Stunden grandioser Autisten-Studie wieder in einen Menschen unter uns zurückzuverwandeln. Unübertrefflich, großartig! Martin Oberhauser hat wohl die leichtere der beiden Charakterstudien zu bewältigen, macht jedoch die durch Raymond hervorgerufenen Wandlungen zu einem Erlebnis für das Publikum. Leila Strahl ist die blitzgescheite, beide Brüder durchschauende Susan, Gerhard Dorfer der souveräne Stiftungs-Primar. Daneben machen Judith Rumpf und Martin Gesslbauer in mehreren Rollen gute Figur. Letzterer entwarf auch das praktikable Bühnenbild, Petra Teufelsbauer sorgte für vielfältig brillante Kostüme und Andreas Ivancsics für das perfekt ergänzende Videodesign.

In Wien erlebten wir in einer Repertoire-Aufführung enthusiastische Publikumsreaktionen. Am 2. April gastiert die Produktion im Theater Vogelweide in Wels, am 17. April ist „Rain Man“ in der Bruckmühle in Pregarten zu sehen.

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