P. Csendes, F. Opll: Wien im Mittelalter

„Wien im Mittelalter“: Da war der Alltag wohl kein Honigschlecken. Die Historiker Peter Csendes und Ferdinand Opll zeigen, dass die Wiener Lebenswirklichkeit im untersuchten Zeitraum vom 9. Jahrhundert bis zur Ersten Türkenbelagerung 1529 für viele oft eine Plage war. „Die mittelalterliche Stadt war schmutzig und stank.

Denn die Fäkalienabfuhr war ein größeres Problem.“ So waren „die Latrinen — Secret oder Privet genannt — in der Regel im Hof, in der Nähe von Stall und Brunnen, vielfach aus Holz gezimmert“, heißt es in einer Beschreibung der zum Himmel stinkenden Zustände. „Mitunter nutzten zwei Häuser eine Senkgrube.

Die Räumung (…) wurde von den ,Nachtkönigen’ oder ,Kotkönigen’ durchgeführt. Fuhrleute brachten den Unrat vor die Stadt.“ Die „Kotkönige“ zählten zu den „unehrlichen Berufen“. Csendes und Opll erzählen aber auch von Überschwemmungen, Feuersbrünsten und Seuchen, die die Stadtbevölkerung und die Bausubstanz immer wieder gehörig dezimieren. Bei den Rückblicken faszinieren insbesondere jene auf Zeitzeugnissen basierenden Quellen, die einen Einblick in den Alltag geben. Zum Beispiel über die medizinischen Praktiken jener Zeit.

Nehmen wir das Jahr 1295: Im November erkrankt Herzog Albrecht I. infolge einer Vergiftung schwer. Bei seiner Behandlung durch die Ärzte, die ihn kopfüber aufhängen, um das Gift aus dem Körper abfließen zu lassen, büßt er ein Auge ein.

P. Csendes, F. Opll: Wien im Mittelalter. Zeitzeugnisse und Analysen. Böhlau Verlag, 440 S., 47 €

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