PAP-Befunde abklären

Nur wenige Krebsarten lassen sich derart einfach diagnostizieren und damit eindämmen wie Gebärmutterhalskrebs. In der Dysplasie-Ambulanz des Klinikum Steyr setzt man auf ehestmögliche Abklärung eines problematischen PAP-Befundes mit maximaler Berücksichtigung der persön- lichen Lebenssituation der Patientinnen.

Univ.-Prof. Prim. Enzelsberger stimmt die Behandlung in der Dysplasie-Ambulanz am Klinikum Steyr immer mit den Kinderwünschen der Patientinnen ab. ©

Für Sophia S. (30) war der routinemäßige Besuch beim Gynäkologen und der damit verbundene Krebsabstrich reine Routine. Bis eine Woche später das Telefon klingelte und der Arzt darüber informierte, dass der PAP-Befund auffällig sei. An der Dysplasie-Ambulanz im Klinikum Steyr erfolgte nach einem ausführlichen Beratungsgespräch die spezialisierte Untersuchung mit einem Kolposkop – eine Spiegelung des Gebärmuttermundes oder des äußeren Genitalbereiches mit dem Mikroskop. Dabei wird der Muttermund mit verdünnter Essigsäure und mit einer Jod- lösung betupft, um auffällige Areale sichtbar zu machen. Von diesen wird eine Gewebeprobe entnommen, um zu beurteilen, ob bereits eine therapiepflichtige Krebsvorstufe vorhanden ist. Bei Bedarf können weitere Abstriche, wie z. B. ein HPV-Abstrich durchgeführt werden.
Etwa zwei Wochen nach Entnahme der Gewebeprobe wurden die Befunde und das weitere Vorgehen mit der Patientin besprochen. „Da Abweichungen der Gewebestruktur vom normalen Bild typischerweise bei jungen Frauen mit nicht abgeschlossener Familienplanung auftreten, gehen wir auf den weiteren Kinderwunsch besonders ein – sowohl bei der Abklärung als auch bei der Therapie“, erläutert Gynäkologie-Primar Hermann Enzelsberger: „Dadurch soll ein unnötiges Frühgeburtsrisiko nach einer zu schnell oder zu radikal durchgeführten Konisation – Entfernung des betroffenen Areals am Muttermund – verhindert werden.“
Sollte ein operativer Eingriff bzw. eine andere Behandlung notwendig sein, kann diese zeitnah am Klinikum Steyr durchgeführt werden. Bei dieser Patientin waren keine bösartigen Veränderungen entdeckt worden, ihr wurde aber eine engmaschigere Kontrolle beim Frauenarzt empfohlen.
Seit dem Start der Dysplasie-Ambulanz im Jänner 2017 gab es rund 800 Patientinnenkontakte, 160 Konisationen wurden durchgeführt.

Vorsorge ist entscheidend

Gebärmutterhalskrebs verursacht im Frühstadium keine Beschwerden. Daher sind Vorsorgeuntersuchungen umso wichtiger. „Unsere Empfehlung lautet für Frauen ab dem 18. Lebensjahr einmal jährlich bis ins höhere Alter, einen Krebsabstrich und eine gynäkologische Untersuchung beim Frauenarzt durchführen zu lassen. Durch diese schmerzfreie Unter- suchung können sich Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs frühzeitig erkennen lassen“, rät Oberärztin Judith Schauer.
Dabei werden mit einer kleinen Bürste Zellproben von Muttermund und Gebärmutterhals entnommen, die nach entsprechender Fixierung und Anfärbung vom Pathologen untersucht werden. Je nach Auffälligkeit des Abstriches wird dieser in fünf Gruppen eingeteilt. Rund drei bis fünf Prozent aller Abstriche sind auffällig. Während PAP I und II als unauffällig gelten, ist bei PAP III bis V eine weitere Abklärung notwendig.
„Wir beobachten, dass Veränderungen am Muttermund immer häufiger diagnostiziert werden“, sagt Enzelsberger.
Die Steyrer Ärzte erwarten sich aber durch eine häufigere Verbreitung der HPV-Impfung eine Senkung der Erkrankungsrate. Die österreichische Krebshilfe empfiehlt Eltern, ihre Mädchen und Buben zwischen neun und 15 Jahren bzw. vor Aufnahme der sexuellen Aktivität impfen zu lassen.

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