Papst segnete bedeutsamen Ureinwohner-See in Kanada

Franziskus am See der Heiligen Anna © APA/GETTY IMAGES NORTH AMERICA/COLE BURSTON

Papst Franziskus hat in Kanada einen für Ureinwohner und Katholiken bedeutenden See gesegnet und für eine Versöhnung mit den Indigenen gebetet. Das Oberhaupt der katholischen Kirche betete am Dienstagnachmittag (Ortszeit) in seinem Rollstuhl am Ufer des Lac Ste. Anne (See der Heiligen Anna) westlich der Großstadt Edmonton. Häuptlinge der Ureinwohner begleiteten ihn unter dem Jubel zahlreicher Menschen. Ungefähr 10.000 Menschen waren laut Vatikan gekommen.

Seit dem 19. Jahrhundert baden Gläubige in dem See, weil sie ihm heilende Wirkung zuschreiben. In seiner Predigt bezeichnete Franziskus den See als „Ort, an dem Einklang und Frieden herrschen“. Er betete dafür, dass der Heilungsprozess zwischen Kirche und Ureinwohnern vorankomme. „Ich bin als Pilger gekommen, um euch auch zu sagen, wie wertvoll ihr für mich und für die Kirche seid“, erklärte er.

Der See ist nach der Heiligen Anna benannt, der Großmutter Jesu. Ureinwohner nennen ihn Wakamne, was übersetzt etwa See Gottes heißt. Die katholische Kirche feierte zudem am Dienstag den Gedenktag der Heiligen Anna. Für den Pontifex war die Begegnung am Lac Ste. Anne der letzte offizielle Termin während seines Aufenthalts in Edmonton.

Zuvor hatte Franziskus im Stadion von Edmonton im Westen Kanadas vor Zehntausenden Menschen eine große Messe gefeiert. Der 85-Jährige fuhr – von Klängen indigener Musik begleitet – lächelnd und winkend in seinem Papamobil durch die Menge und hielt mehrfach an, um Babys zu küssen, die ihm entgegengestreckt wurden. Die Veranstaltung, an der offiziellen Angaben zufolge rund 50.000 Menschen teilnahmen, erfolgte unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.

Bei seiner Predigt, die er auf Spanisch hielt, betete der Heilige Vater für eine Zukunft, in der sich „die Gewalt und die Ausgrenzung, die unsere indigenen Brüder und Schwestern erlitten haben, nie wiederholt“. Der Papst trug dabei ein von indigener Kunst inspiriertes Gewand. Die Mitglieder der indigenen Gemeinschaften waren an ihren orangefarbenen T-Shirts zu erkennen – ein Symbol für die gescheiterte Politik der Zwangsassimilation in Kanada, bei der Kindern jahrzehntelang in katholischen Internaten des Landes großes Leid angetan wurde. Einige Teilnehmer hielten Transparente mit der Aufschrift „Jedes Kind ist wichtig“ hoch, andere trugen traditionelle Kopfbedeckungen aus Federn.

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Bei einer ersten Rede am Montag hatte der Papst um Vergebung für das Leid gebeten, das indigenen Kindern jahrzehntelang in katholischen Internaten des Landes angetan wurde. Er bitte um Vergebung für „das Böse, das so viele Christen indigenen Menschen angetan haben“, sagte der 85-Jährige am Montag bei einem Besuch in dem Ort Maskwacis vor tausenden Ureinwohnern. Seinen Besuch in Kanada hatte der Papst als „Pilgerfahrt der Buße“ bezeichnet.

Die Entschuldigungen des Papstes waren seit langer Zeit erwartet worden. Er sprach von „kultureller Zerstörung“, „physischem, verbalem, psychologischem und geistigem Missbrauch“. In den Schulen waren offiziell mehr als 4.000 Kinder ums Leben gekommen, aber es dürften nach Schätzungen mindestens mehr als 6.000 gewesen sein.

Am Mittwoch will der Pontifex nach Québec in den französischsprachigen Teil Kanadas aufbrechen, wo ein Treffen mit Premierminister Justin Trudeau ansteht. Québec ist katholisch geprägt. Hier siedelte sich die Kirche im 17. Jahrhundert an und missionierte. Seine Reise will Franziskus in Iqaluit beenden, wo die größte Inuit-Bevölkerung Kanadas beheimatet ist. Auch dort wird er sich mit ehemaligen Heimschülern treffen, bevor er nach Rom zurückkehrt.

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