Paul Simon: In The Blue Light (Sony)

Auch Paul Simon hat das Modethema Selbstoptimierung entdeckt: Auf seinem aktuellen Album „In The Blue Light“ unterzieht er die eigene Musik einer Verbesserung. Keine neuen Simon-Songs also, „nur“ teils sehr alte Lieder in teils radikal anderen Arrangements. Trotzdem toll. Die 14. Soloplatte des enorm einflussreichen Pop- und Folkmusikers (sowohl mit Simon & Garfunkel in den „Golden Sixties“ als auch solo seit den 70er Jahren) fällt aus dem Gesamtkatalog heraus. Weil sie eigentlich nichts ganz Neues bietet: Zehn Lieder des heute 76-jährigen New Yorkers, die er erstmals zwischen 1973 und 2011 herausbrachte — und jetzt einer Neuinterpretation unterzog. Simon hat diese in seinem Werk eher unterbewerteten Song-Preziosen mit Hilfe fabelhafter Jazz-Musiker (Bill Frisell, Wynton Marsalis, Joe Lovano, Jack DeJohnette) und einem kleinen Orchester so eingespielt, wie sie seinen heutigen Vorstellungen entsprechen: das 45 Jahre alte „One Man’s Ceiling Is Another Man’s Floor“ im New-Orleans-Stil, mehrere Lieder vom seinerzeit untergegangenen Album „You’re The One“ (2000) oder das relativ aktuelle „Questions For The Angels“. Und Simon singt diese Stücke zu jazzigen, bluesigen, auch mal dezent orchestralen Arrangements mit seiner immer noch festen, sanften Stimme zum Niederknien schön. „In The Blue Light“ wird so zum späten Höhepunkt des Künstlers.

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