„Pension Schöller“ in Bad Ischl: Zwischen Irrsinn und Wirklichkeit

Gelungenes Experiment: Wilde Pointenjagd beim „LehárTHEATERostern“

Das Stück wird vor allem von den herausragenden Darstellern getragen.
Das Stück wird vor allem von den herausragenden Darstellern getragen. © Hörmandinger

Von Ingo Rickl

Im Vorjahr gründete der Wiener Musik- und Theaternarr Wolfgang Gerold nach fünf Jahren künstlerischer Tätigkeit bei Michael Lakners Lehár-Festival Bad Ischl sein neues Schauspielfest „LehárTHEATERostern“. Heuer lockt Gerold mit einem wild zusammengewürfelten Ensemble von 14 einsatzfreudigen Komödianten das Publikum: Er gab seinem bewährten Regisseur Maximilian J. Modl, vor allem aber der erfahrenen ehemaligen Opern- und Operetten-Diva Charlotte Leitner den Auftrag, das Lustspiel „Pension Schöller“ von Wilhelm Jacoby und Carl Laufs zu bearbeiten.

Handlung wurde ins heutige Bad Ischl verlegt

Leitner zögerte nicht lange, verlegte die Handlung aus dem 19. Jahrhundert ins Heute, aus Deutschland nach Bad Ischl und nicht zufällig den ersten Akt in die Konditorei Zauner, woher auch das Mobiliar des Abends stammt. Das Experiment gelang zur Gänze, die Schauspieler fühlten sich wohl, die Zuseher fast wie zu Hause und das Ziel Leitners, die heilende Wirkung des Lachens zu erzeugen, stellte sich am Premierenabend mühelos ein. Drei nahezu identische Räume auf der Bühne des Lehár Theaters bieten Auftrittsmöglichkeiten aus drei Türen, eine aus dem Zuschauerraum und eine sogar aus einem Kasten. Tempo und Pointen stimmen, der Unterschied zwischen Irrsinn und Wahrheit ist fließend sowie auf äußerstes Tempo aus.

Felix Kurmayer führt das „Schöller“-Ensemble an

Die entscheidenden Aktionen und Sprechkaskaden jedoch setzen die Schauspieler. An ihrer Spitze steht Felix Kurmayer, der quasi unschuldig ins Zentrum des Irrsinns rückt, dem er nahezu selbst verfällt. Von seinen Partnern sind einige dank ihrer Rollen zu spektakulären Leistungen gewachsen, etwa die ausgebildete Sopranistin Beate Kortner, die als Schriftstellerin Josephine Krüger eine Karrieresucht anpeilt und sogar ihre schönen Koloraturen anbringen darf. Markus Mitterhuber gelingt als frühzeitig pensioniertem Major eine Charakterstudie. Der sowohl von Paulus Mankers „Alma“ wie auch vom Lehár-Festival bekannte Benjamin Plautz bringt als Extremsportler einen Hauch der großen weiten Welt nach Ischl.

Janos Mischuretz und Waltraud Barton – die auch die Ulrike Sprosser gibt – geraten als das Pension Schöller führende Ehepaar in den Strudel der Turbulenzen, die tatsächlich an das im Text zitierte „psychosoziale Rehazentrum“ als Ort der Handlung glauben lassen. Schließlich spielt Gerold die dankbarste und bekannteste Rolle des Abends: Als Kaufmann Leo Schöller ist er auf dem Sprung zu einer Schauspiel-Karriere. Doch leider kann er kein „L“ sprechen und das in der Pension „Schönner“. Sprachlich, mimisch und gestisch ist er, ein Hobby-Schauspieler par excellence, tatsächlich perfekt. Nach etwas mehr als zwei Stunden brach beim Schlussapplaus Jubel aus, der für die weiteren Aufführungen ein volles Haus erwarten lässt. Kleiner Ausblick: Ab April 2020 verwandelt sich das Theater in einen „Käfig voller Narren“, wenn das Stück von Jean Poiret gespielt wird.