Peter Weck: „Ich möchte jetzt einfach frei sein“

Jubilar Peter Weck über sein Alter, die Arbeit und das Alleinsein

Ein Mann mit vielen Talenten, der sich nicht wie 90 fühlt: Peter Weck.
Ein Mann mit vielen Talenten, der sich nicht wie 90 fühlt: Peter Weck. © APA/Photography & Design/Ulrik Hölzel

Kurz vor seinem Geburtstag hat Peter Weck vom Theater Abschied genommen und genießt seine neue Freiheit. Wie 90 fühlt er sich dennoch nicht.

SONJA HARTER: Zu Ihrem Geburtstag erscheint die Neuauflage Ihrer Autobiografie „War’s das?“. Wie ist es Ihnen beim Rückblick ergangen?

PETER WECK: Ich muss ehrlich gesagt gestehen, dass ich überrascht war, was und wie viel ich in diesen zehn Jahren gemacht habe. Während ich gearbeitet habe, habe ich das gar nicht so empfunden. Aber dadurch, dass ich in meinem Leben immer sehr neugierig war, war ich immer ein bisschen voraus. Wenn mir Dinge, die ich gerade gemacht habe, nicht so gepasst haben, war ich gedanklich schon im nächsten Projekt. Dann ist das immer so nahtlos ineinander übergangen. Wenn ich jetzt die Liste sehe, denke ich mir: Oh mein Gott.

Haben Sie nun mehr gemacht, was Ihnen gefallen hat?

Das mit dem Vorausdenken war eher früher. In den letzten zehn Jahren war die Arbeit mehr Ablenkung. Solange ich geistig und körperlich noch da bin, kann ich das eine oder andere machen.

Sie haben im Winter Ihre Theaterkarriere beendet. Ist das letzte Wort gesprochen?

Das letzte Wort wird wahrscheinlich am Zentralfriedhof gesprochen werden. Aber im Ernst: Ich bin müder geworden. Jetzt ist die Zahl 90 da, aber eigentlich interessiert mich das nicht. Es geht um das innere Alter. Ich fühle mich viel jünger. Aber ich spüre, wenn ich jeden Abend Theater spiele, strengt mich das sehr an. Ich will nichts mehr verpassen, weil ich an dem Abend spiele. Ich möchte jetzt einfach frei sein, nicht vom Beruf, sondern von der Anstrengung.

Kurz nach Ende Ihres Engagements kam Corona. Der Kulturbetrieb steht still. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Die Vorschriften haben mich nicht eingeschränkt. Ich habe die Zeit genützt, zu Hause alles Mögliche zu erledigen, wurde von meinen Kindern versorgt.

Wie bewerten Sie die Richtung, die Wien im Musicalbereich in den vergangenen 20 Jahren eingeschlagen hat?

Da habe ich mich rausgehalten. Damals hatte Musical einen anderen Stellenwert als heute. Irgendwann war es so, dass alles, wo Musik dabei war, gleich als Musical verkauft wurde, wo es in Wirklichkeit eigentlich Revuen waren. Damit hätte ich mich nicht abgegeben. Das Niveau hat nachgelassen. Das Niveau hängt eben davon ab, was man zulässt. Viele Dinge sind heute billiger, aber das Musical lebt von einer ungeheuren Präsenz und Präzision.

Wie empfinden Sie die Veränderungen im Fernsehen?

Es wird einem immer eingeredet, das Publikum will es. Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle nur Krimis sehen wollen. Alle nach Schema F, das kann ich schon nicht mehr sehen. Früher war in den Produktionen auch Literatur dahinter. Heute ist alles so nivelliert. Ich schaue mir jetzt lieber Naturfilme an, über Länder, wo ich noch nicht war. Die Information ist gut, aber die Unterhaltung nicht.

Wie kann man Sie sich im Ruhestand vorstellen?

(lacht) In der Früh aufstehen, nicht telefonieren zu müssen und keine Termine zu haben, das ist ein göttliches Gefühl, nachdem man so viel gemacht hat. Ich habe so viele Dinge weggestrichen, weil ich die Tage, die ich noch habe, anders füllen möchte.

Der ORF widmet Ihnen einen Schwerpunkt. Schauen Sie alte Filme noch einmal an?

Jene Dinge, auf die ich größeren Wert gelegt habe, waren am Theater. Deshalb bin ich auch Schauspieler geworden. Beim Sender holen sie ein paar banale Dinge aus dem Archiv. Dazu soll man noch was sagen. Das nennt sich Porträt. Ich habe keine Freude damit.

Was würden Sie gerne sehen?

Zum Beispiel „Lumpazivagabundus“ mit Attila Hörbiger im Burgtheater. „Aimee & Jaguar” würde ich gerne sehen oder „Der Kardinal“, wo ich mit der Romy (Schneider, Anm.) gespielt habe. Aber das ist zu teuer. Stattdessen kommt irgendein Wörthersee-Film, wo ich ins Wasser falle.

Wo verbringen Sie Ihren 90er?

Ich weiß es noch nicht. Für mich ist jeder Tag ein Geburtstag, wenn ich wieder aufwache. Meine Frau hat die runden und halbrunden gemacht. Beim 85er haben liebe Freunde etwas für mich gemacht, das war rührend. Selbst was inszenieren will ich nicht.

Gibt es noch etwas, das Sie sagen wollen?

Ja, etwas, das immer falsch ausgelegt wird, will ich richtigstellen: Ich habe mein Junggesellenleben wieder angetreten, denn Alleinsein bedrückt auf Dauer. aber es ist nicht mehr so lebendig, wie ich vor meiner Ehe gelebt habe. Ich habe vor zwei Jahren eine Frau kennengelernt, und nach einem Jahr wieder getroffen: Das ist ein ganz wertvoller Mensch. Das hab ich unlängst in einem Interview gesagt. Dass mir die Nähe dieser Person sehr wohl tut. Sie ist intelligent, lustig und ohne Absicht. Sofort wird einem alles Mögliche angedichtet! Die sehen mich vorm Traualtar! Das ist ja lächerlich! Es ist eine rein menschliche, wunderbare Geschichte. Aus und Ende.

Mit PETER WECK sprach Sonja Harter

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