„Pflege ist dringendstes Thema der Gesellschaft“

LH a. D. Josef Pühringer, Landesobmann des OÖ. Seniorenbundes, fordert Kampf gegen Personalmangel und verstärkte Prävention

Der OÖ. Seniorenbund stellte ein umfassendes Pflegepaket zusammen (v. l.): LGF Franz Ebner, Landesobmann Josef Pühringer, Doris Mittendorfer und Ernst Fürst, ehem. Leiter der Abteilung Statistik Land OÖ.
Der OÖ. Seniorenbund stellte ein umfassendes Pflegepaket zusammen (v. l.): LGF Franz Ebner, Landesobmann Josef Pühringer, Doris Mittendorfer und Ernst Fürst, ehem. Leiter der Abteilung Statistik Land OÖ. © OÖ. Seniorenbund

Von Harald Engelsberger

„Wir müssen uns mit dem dringendsten Thema unserer Gesellschaft — das ist die Pflege — rasch auseinandersetzen“, legte am Freitag der Landesobmann des OÖ. Seniorenbundes, LH a. D. Josef Pühringer, einen 25 Seiten dicken Forderungskatalog auf den Tisch, den er nun der Politik im Land und beim Bund als Grundlage zur Absicherung der Pflege ans Herz legen möchte. Denn die „Pflege wird das Mammutthema für die Politik in den nächsten 20 Jahren“, prophezeit Pühringer.

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In diesem Pflegepaket des Seniorenbundes ist zu lesen, dass die demografische Entwicklung die Zahl der über 60-Jährigen alleine in Oberösterreich von 275.000 im Jahr 2000 auf fast 500.000 bis 2040 steigen lässt. Im selben Zeitraum erhöht sich auch die Zahl der über 85-Jährigen von 21.000 auf 50.000. Schon jetzt gibt es in OÖ 80.000 Pflegebedürftige, deren Zahl bis 2014 ebenfalls auf bis zu 126.000 ansteigen wird.

Prävention macht mobil

Derzeit wird noch fast jeder zweite Pflegebedürftige (43 Prozent) zu Hause durch das familiäre Netzwerk und ohne institutionelle Hilfe betreut. Weitere 35 Prozent werden daheim durch mobile Pflegedienste betreut und 22 Prozent der Pflegebedürftigen in stationären Einrichtungen.

„Wer agil ist, sich bewegt und vernünftig ernährt, bleibt bis ins hohe Alter fit“, nennt Pühringer die Prävention als wichtigen Faktor. Ein gesunder Lebensstil kann die Pflegebedürftigkeit verzögern. Dafür müsse es entsprechende Angebote geben. Selbst Bonus-Malus-Systeme in der Krankenversicherung sollte man hier andenken.

Fehlendes Personal

In OÖ werden bis zum Jahr 2025 mehr als 700 zusätzliche Pflegekräfte alleine im stationären Altenpflegebereich benötigt, den mobilen Bereich eingerechnet sind es rund 1600. „Vor allem im stationären Bereich fehlt Personal, daher muss der Beruf attraktiver werden“, erklärt Doris Mittendorfer, Leiterin des Bezirksalten- und Pflegeheims SENIORium Perg, und sie verweist darauf, dass manche Einrichtungen nur zur Hälfte ausgelastet sind, weil gut ausgebildete Pflegekräfte fehlen. „Die Heime dürfen nicht zu Sterbehäusern werden, sondern müssen lebenswerte Orte bleiben“, plädiert Pühringer für ein Leben in Würde für jene, die auf Hilfe angewiesen sind.

„Die Seniorenorganisationen sind wichtige Partner, deren Ideen ich in meinen Verantwortungsbereich für die Pflege gerne einfließen lasse“, stimmt Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer den Forderungen zu.

Kosten explodieren

Ein wesentlicher Punkt ist die Finanzierung: In OÖ wurden im Jahr 2017 rund 400 Mio. Euro an Pflegegeld ausbezahlt. Dies entspricht etwa 5700 Euro je Pflegegeldbezieher pro Jahr. Der Großteil der Mittel (392,8 Mio. Euro oder 83 Prozent) wird für die stationäre Betreuung eingesetzt. Pro stationär betreuter Person fallen jährlich Kosten von 31.600 Euro an. 16 Prozent der Mittel werden für die mobile Betreuung ausgegeben (74,4 Mio. Euro), das sind 3600 Euro pro Betreutem.