Pharmakologe: „Glücksfall, dass Omikron auf viele Geboosterte trifft“

Weltweit hohe Infektionszahlen sind Nährboden für weitere Varianten

Der Wiener Klinische Pharmakologe Markus Zeitlinger will keine Lanze für oder gegen die Impfpflicht brechen – das sei eine politische Entscheidung – und sie nicht mit der Omikron-Variante verknüpfen. Omikron sei vermutlich nur wenig harmloser als Delta.

Die ersten internationalen Daten weisen zwar auf einen niedrigeren Anteil an mit Omikron infizierten Personen, die eine Spitals- oder gar Intensivbehandlung brauchen, im Unterschied zu vorherigen Corona-Wellen hin.

Daten aus Südafrika oder europäischen Ländern weisen hier 50 bis 65 Prozent geringere Wahrscheinlichkeiten aus.

Das könnte aber auch damit zusammenhängen, dass in früheren Wellen asymptomatische Infizierte weniger oft entdeckt wurden, was die Hospitalisierungsraten jetzt nochmals niedriger und die Variante „scheinbar harmloser“ aussehen lassen könnte.

Dramatischere Situation bei weniger Durchimpfung

„Auf der anderen Seite haben wir aber mehrere Länder, wie die USA, Frankreich, Spanien oder Italien, die alle das Phänomen haben, fast auf ihrer Allzeit-Höchstzahl bei den Hospitalisierungszahlen zu sein, obwohl auch dort prozentuell weniger Infizierte im Spital landen. Einfach, weil sich in so kurzer Zeit so viele mit Omikron infiziert haben“, erklärte Zeitlinger.

Wären weniger Menschen in Österreich geimpft, wäre die Situation jetzt schon deutlich dramatischer, ist der Forscher überzeugt. Die Schutzraten gegenüber Hospitalisierungen liegen bei kürzlich dreifach Geimpften mit mRNA-Impfstoffen auch bei Omikron laut Daten aus Großbritannien noch bei 80 Prozent. Dass in Österreich die Omikron-Welle gerade relativ viele Leute trifft, die sich gegen Jahresende boosten ließen, sei ein glücklicher Zufall und helfe in der aktuellen Situation. „Wahrscheinlich hätte uns Omikron vor ein paar Monaten schlimmer erwischt“, so Zeitlinger.

Wie lange Omikron-Genesene „aus dem Schneider sind“, könne man nicht sagen, zudem gelte, dass eine durchgemachte Erkrankung weit höhere Risiken in sich birgt als die Impfung. Die weltweit hohen Zahlen bereiten den Nährboden für weitere Varianten, deren Gefährlichkeit offen ist. Es brauche endlich eine längerfristige Strategie, die ohne hohe Durchimpfungsraten undenkbar sei. „Die Impfung bringt eine Grundimmunisierung, mit der ich prinzipiell alle Bevölkerungsanteile erreichen kann“, so Zeitlinger. Für etwaige neue Varianten würden angepasste Auffrischungsimpfstoffe ausreichen.

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