Philipp Hochmair würde auch wieder den Jedermann geben

Nicht „Jedermann“, sondern Kafka: Philipp Hochmair bei Festwochen

Philipp Hochmair ist am 26. Juni in Laakirchen zu Gast. Karten gibt es auf www.festwochen-gmunden.at
Philipp Hochmair ist am 26. Juni in Laakirchen zu Gast. Karten gibt es auf www.festwochen-gmunden.at © Christian Schoppe

2018 sprang Philipp Hochmair spontan für den erkrankten Tobias Moretti als Jedermann bei den Salzburger Festspielen ein, bei den „Vorstadtweibern“ war er im ORF als Joachim Schnitzler lange im Häfen, bei den Salzkammergut Festwochen Gmunden präsentiert der Schauspieler mit den oberösterreichischen Wurzeln diesen Samstag (16 und 19.30 Uhr) im „Alfa“ in Laakirchen Franz Kafkas Romanfragment „Amerika“.

VOLKSBLATT: Wie ist es, nach so langer Zeit wieder auf der Bühne stehen zu dürfen?

PHILIPP HOCHMAIR: Ich freue mich wahnsinnig, dass es wieder losgeht. Es ist wie ein Neubeginn, ein Start in ein neues Leben. Es sind viele Open-Air-Aufführungen geplant und überall ist eine große Vorfreude spürbar. Und das ist wirklich schön.

Konnten Sie während der vergangenen 15 Monate arbeiten?

Im vergangenen Jahr hatte ich das Glück, trotz der schwierigen Umstände drehen zu können. Seit Dezember ist aber auch bei mir Ruhe eingekehrt. Und ich glaube, das hat mir, trotz allem, gut getan. Denn ich konnte die Zeit nutzen, um runterzukommen, innezuhalten und neue Projekte vorzubereiten. Und wir planen für Herbst zwei neue Folgen „Blind ermittelt“.

Der Auftritt bei den Salzkammergut Festwochen ist ja ein bisschen ein Heimspiel …

Ja, ich als halber Oberösterreicher freue mich immer wieder, bei den Festwochen dabei zu sein und wenn ich zurückdenke, waren alle Aufführungen etwas Besonderes.

Warum Kafkas „Amerika“?

Das ist eines der tollsten Bücher der deutschen Literaturgeschichte. Es ist wie eine Definition eines hochsensiblen Menschen, der im Funktionieren der Welt sich selbst verloren geht und eben auch ein Flüchtlingsschicksal. Es ist brandaktuell. Die Festwochen haben mich gebeten, das zu machen, und ich finde, es passt sehr gut. Leider ist während der Coronapandemie die Flüchtlingskrise völlig in den Hintergrund gerutscht. Mit so einem Buch kann man wieder darauf aufmerksam machen, wie es Einem geht, der heimatlos ist und versucht, in einer fremden Kultur Fuß zu fassen. Das hat Kafka in wirklich sehr feiner und psychologischer Weise erzählt.

Am 17. Juli feiert Lars Eidinger seine Premiere als Jedermann am Salzburger Domplatz. Viele hätten wahrscheinlich auf Sie getippt, Sie auch?

Ich hätte das sicher gerne gemacht, klar, aber werbetechnisch war das natürlich so interessanter.

Würden Sie in so einer Situation wie 2018 wieder für den erkrankten Jedermann einspringen?

Natürlich. Es war eine Herausforderung, die viel verändert hat und bis heute nachwirkt. Und wenn ich Zeit hab’, spring’ ich auch heuer gerne wieder ein (lacht).

Würden Sie in, sagen wir zwei, drei Jahren „Ja“ zum „Jedermann“ sagen?

Ich konzentriere mich jetzt auf meine aktuellen Projekte und wünsche dem neuen Jedermann wirklich eine tolle Zeit in Salzburg. Und ich hoffe, dass es trotz Corona-Maßnahmen wieder ein rauschhafter Festival-Sommer wird.

Mit PHILIPP HOCHMAIR sprach Mariella Moshammer

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