Pia Hierzegger im Kärnten-Landkrimi in Doppelfunktion

Pia Hierzegger © APA/MONA FILM/TIVOLI FILM

Für den ORF-Landkrimi aus Kärnten hat Pia Hierzegger nicht nur das Drehbuch geschrieben, sondern stand als Oberinspektorin auch vor der Kamera. Auf ORF 1 feiert „Waidmannsdank“in der Regie von Daniel Prochaska am Dienstag (15. Dezember, 20.15 Uhr) Premiere.

VOLKSBLATT: Wie kommt man als gebürtige Steirerin zum Kärntner Landkrimi?

PIA HIERZEGGER: Über Intrigen! (lacht) Nein, ich weiß es ehrlicherweise nicht so genau. Ich habe es mir so erklärt, dass mein Vater Kärntner ist und ich als Kind viel Zeit dort verbracht habe. Mir ist also das Landleben in Kärnten nicht ganz unbekannt. Dadurch dass ich fast jeden Sommer in Kärnten bin, habe ich die Zeit auch zum Recherchieren verwenden können.

Haben Sie sich als Drehbuchautorin Ihre Traumrolle auf den Leib geschrieben?

Die Figur gab es wie viele in der Romanvorlage gar nicht so. Das war ein älterer Herr. So wie auch die Figur der Martina Schober (Jutta Fastian, Anm.) ein junger Polizist war. Da hat sich im Laufe der Zeit sehr viel verändert in der Geschichte, um einfach die Beziehungen interessanter zu machen. Meine Figur ist einmal kurz aufgetaucht, dann meinte jemand: „Das könntest ja du spielen!“ Dann ist die Beziehung zwischen den zwei Polizistinnen interessanter und die Figur der Oberinspektorin immer größer geworden. Das ist irgendwie passiert, aber ich habe auch nichts dagegen gehabt.

Wie würde Sie denn ausschauen, die Rolle, die Sie sich auf den Leib schreiben würden?

Mir wird ja immer wieder vorgehalten, dass die Figuren, die ich spiele, immer so cool und sehr ausdrucksarm sind, oder nicht preisgeben, was sie fühlen. Das spiele ich auch sehr gerne – deswegen spiele ich es wahrscheinlich auch oft. Aber mich würde natürlich auch einmal eine Figur interessieren, die gebeutelt wird und durch viele Emotionen geht.

Ist es auch eine Traumvorstellung, einmal alle Fäden in der Hand zu haben: Drehbuch, Regie, Hauptrolle?

Daran arbeite ich seit Jahren. (lacht) Nein, eigentlich war Regie nie ein Thema. Am Theater habe ich ein paar Mal inszeniert, bzw. mache ich das noch immer. Aber ich finde, das ist wahnsinnig schwierig. In den letzten ein, zwei Jahren haben ich mir gedacht, vielleicht wäre das schon mal interessant — nämlich auch immer mit der Angst, da schreibt man was, und dann kommt einer und macht das alles kaputt. Aber das ist Gott sei Dank noch nie passiert. Weder bei der Marie Kreutzer, noch beim Daniel Prochaska hatte ich das Gefühl, die verstehen nicht, worauf ich hinauswill, oder was für eine Geschichte erzählt werden soll.

Der Landkrimi wagt sich an ein urösterreichisches Thema – die Jagd. Haben Sie damit etwas am Hut?

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Gar nicht. Früher habe ich das komplett abgelehnt, aber als junge Mensch ist man viel strenger. Jetzt verstehe ich schon, dass es gewisse Abschüsse braucht. Aber ich werde wahrscheinlich nie auf die Jagd gehen wollen. Das reizt mich überhaupt nicht. Mir ist auch immer kalt, ich stelle mir das um 5 Uhr früh auf dem Hochstand vor … Mir reicht es, um 5 Uhr beim Dreh zu sein. Das muss man nicht auch noch als Hobby haben.

Waren Sie coronabedingt von vielen Verschiebungen oder gar Absagen betroffen?

Es gab viele Verschiebungen vom April in den frühen Herbst, aber das hat funktioniert. Ich habe eigentlich alles, bis auf einige Moderationen, machen können. Diese Ungewissheit jetzt ist schwierig. Fürs Theater im Bahnhof habe ich einige Sachen via Stream gemacht, aber jetzt ist irgendwie alles aus. Ich habe alles abgearbeitet, alle Steuererklärungen gemacht, alles abgegeben, ich kann jetzt echt gerade nichts mehr machen – außer Schreiben. Was ein Glück ist, dass ich das habe. Mir geht es aber auch sehr ab, Kunst zu konsumieren. Das habe ich nicht gedacht, dass das wirklich so was ist, das ich so stark brauche, damit ich auch selber wieder etwas machen kann.

Fürs Theater kann man ja jetzt nicht einmal richtig planen, oder?

Es ist gerade so, dass alle so tun, als würden Premieren stattfinden und proben. Aber man weiß nicht wirklich … Ich fange im Jänner an, für ein Arbeit am Theater im Bahnhof zu proben, die Mitte Februar Premiere haben soll. Aber ich habe keine Ahnung, ob es stattfinden wird. Aber man muss es ja machen, weil wenn es dann stattfindet, soll man sich vorbereitet haben.

Kunst im Netz – verkauft man sich zu billig oder hält man das Publikum bei Laune und sich selbst in Erinnerung?

Beim Theater finde ich, wenn man abfilmt, was auf einer Bühne vor Publikum stattfindet, und dann ins Netz stellt, das ist so was wie ein altes Fußballspiel anschauen. Das kann interessant sein, man kann vielleicht was analysieren, das ist ein bisschen wie Recherchearbeit. Was wir gemacht haben, war interaktiv im Netz. Ich habe jemanden interviewt. Das mache ich normalerweise auch auf der Bühne, aber so habe ich Leute einladen können, die etwa in Berlin oder in Madrid sitzen. Das ist ein Chance, die man jetzt übers Netz hat. Wir beschränken auch das Publikum und es ist eine einmalige Gelegenheit. Es wird nicht aufgenommen und ins Netz gestellt. Es ist ein bisschen live. Aber wenn ich es mir aussuchen darf, arbeite ich lieber mit Publikum, weil das ist die große Stärke des Theaters.

Für ihre Rolle als psychisch Kranke in Marie Kreutzers „Der Boden unter den Füßen“sind Sie heuer mit dem Österreichischen Filmpreis ausgezeichnet worden. Wie haben Sie sich denn auf diese extrem intensive Rolle vorbereitet?

Es gab zwei Probleme. Ich kann mich ja nicht in eine Klinik setzen und zu Menschen, die diese Krankheit haben, sagen: „Erzähl mir, wie das so ist!“ und ich kann mir auch nicht wirklich vorstellen, wie es ist. Ich kann nur versuchen, es nachzuempfinden. Marie Kreutzer wusste selber sehr viel über die Krankheit, weil es ein konkretes Vorbild für die Figur gegeben hat. Sonst war die Anweisung: „Nichts essen, nicht schlafen, früh aufstehen!“ Dann ist man eh schon sehr aufgeraut und feinfühlig. Wir haben auf der Baumgartner Höhe gedreht, das ist eine Umgebung, die einem hilft. Ein paar Szenen, wo mich Pfleger, die vom Klinik-Personal gespielt wurden, körperlich zurückhalten mussten .. das war wirklich so, dass mir das ein bisschen nachgehangen ist. Das streift man nicht einfach ab, wenn man merkt, was das heißt, wenn man überwältigt wird von anderen Menschen.

Sie haben ja schon häufiger erfolgreich mit Ihrem Freund, Josef Hader, gearbeitet. Gibt’s da weitere Pläne? Vielleicht eine Fortsetzung der „Wilden Maus“ mit der weiblichen Hauptrolle als Titelfigur?

Ich werde es vorschlagen! Wir arbeiten aber beide gerade an verschiedenen Projekten. Fortsetzungen sind eh immer ein bisschen schwierig. Ich schreibe aktuell an ein paar Dingen, aber es ist noch nichts spruchreif. Aber ich habe habe so das Gefühl, es warten alle auf eine gewisse Normalität herrscht, dann geht es wieder weiter.

Mit PIA HIERZEGGER sprach Mariella Moshammer

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