Pocken, Pest und Cholera: Seuchen waren immer da

Pandemien sind keine Erfindung unserer Zeit. Seit Anbeginn der Menschheit brachten und bringen immer wieder Krankheiten, Epidemien und Seuchen millionenfachen Tod und Verderben über die Welt, löschten sogar Zivilisationen aus. Im Vergleich zu manchen dieser Katastrophen verliert die aktuelle Coronakrise an Schrecken.

Menschen werden geboren, sie werden krank und sterben. Das ist der Lauf der Welt, buchstäblich seit Menschengedenken.

Wenig verwunderlich also, dass der Begriff Seuche ein sehr alter ist.
Das Wort leitet sich vom mittelhochdeutschen Begriff „Siuche“ ab, welcher wiederum auf siech („schwach, krank“) zurück geht.

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Ein Blick auf die Menschheitsgeschichte zeigt, dass Infektionskrankheiten schon immer und überall ihr tödliches Potenzial offenbarten.

Die wohl älteste bekannte Epidemie ist die „Attische Seuche“, welche im fünften Jahrhundert vor Christus ein Drittel der Bewohner Athens dahin raffte, also rund 100.000 Menschen.

Ein gutes Vierteljahrtausend später, etwa um 180 vor Christus, war das Römische Reich Schauplatz einer noch viel ärgeren Tragödie. Die „Antoninische Pest“, vermutlich eine Pocken-Epidemie (der Erreger konnte nie geklärt werden, Anm.) brachte da geschätzten zehn Millionen Menschen den Tod.

Der Schwarze Tod

Seit der Frühzeit erbarmungslos blieb der „Schwarze Tod“, die Pest.
Diese trat ab dem 14. Jahrhundert immer wieder auf, alleine zwischen 1346 und 1353 forderte die Pestilenz einen dramatischen Blutzoll und brachte ein ganzes Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung ins Grab. Etwa 25 Millionen Menschen sollen diese kurze Zeitspanne nicht überlebt haben. Alleine die „Große Pest“ in Norwegen der Jahre 1348 und 1349 forderte mehr als 200.000 Tote.

Die Pestsäule am Wiener Graben. ©APA/Schlager

Doch das sollte – bezogen auf den Schwarzen Tod – erst der Anfang gewesen sein.
Eine auf tragische Weise ebenso bedeutsame Rolle kommt den Pocken zu. Die „Blattern“ dezimierten zu Beginn des 16. Jahrhunderts etwa in den Regionen der Neuen Welt zahlreiche indigene Völker, so starben an den Pocken weit mehr Azteken und Inkas, als durch die Waffen der europäischen Eroberer.

Diese waren durch ihre moderne Lebensweise besser geschützt, als die Indios, denen ein enges Zusammenleben von sehr vielen Menschen und Tieren in Ballungszentren, wie den damaligen „Großstädten“ Europas, völlig fremd war. Die Ureinwohner Amerikas besaßen daher keine Abwehrkräfte gegen die Seuche und waren den eingeschleppten Viren schutzlos ausgeliefert.

Bis zu acht Millionen Tote waren damals in Mittelamerika zu beklagen.
Mexiko war nur wenige Jahre später, um 1545, auch Ausgangspunkt einer Fieberfamilie, die als Hämorrhagisches Fieber bis heute wütet. Mehr als drei Millionen Todesopfer alleine in Mexiko forderten die Fiebererkrankungen in zumindest zwei pandemischen Schüben.
Die Ableger sind immer noch als Ebolafieber, Gelbfieber oder Denguefieber auf allen Kontinenten außer der Antarktis heimisch, in unseren Breiten treten die Virenstämme gottlob sehr selten auf.

Zwischendurch sorgte in Europa die Pest wieder für traurige Jahrzehnte. Ab 1665 von Südengland ausgehend, zog der Schwarze Tod eine fatale Spur durch die Alte Welt, bis etwa 1714 fielen mehr als 1,1 Millionen Menschen der Pest zum Opfer.

Keine genauen Zahlen

Nie genau geklärt werden konnte übrigens die Zahl der Wiener Pestopfer, Berichte aus jener Zeit nennen bis zu 120.000 Tote. Aus heutiger Sicht nachweisbar sind rund 8000 Opfer, diese Zahl markiert also die Untergrenze. Unbestritten ist der Effekt der Seuche im täglichen Leben, die Bedrohung muss als enorm empfunden worden sein. Noch heute zeugen hierzulande sowie in den Kronländern der Monarchie zahlreiche Pestsäulen oder Dreifaltigkeitssäulen von der Furcht und Dankbarkeit der Menschen, sollten sie die Seuche unbeschadet überstanden haben.

Fake News

Fake News gab es auch damals schon. So machte der katholische Prediger Abraham a Sancta Clara die Juden für Ausbruch und Verbreitung der Pest verantwortlich. Dass es zu dieser Zeit gar keine Juden (sic!) in Wien gab, störte den berühmten Prediger nicht.
Die Liste der fatalen Epidemien reicht bis herauf in die Neuzeit, ein „Vorläufer“ von Corona, die Russische Grippe, brachte um 1890 eine Millionen Menschen ins Grab.

Ein naher Verwandter, die „Spanische Grippe“, gilt bis heute als tödlichste Pandemie der Geschichte. Eingeschleppt von US-Soldaten, wütete die Virusinfektion ab 1918 auch in Europa, rund 50 Millionen Todesopfer waren zu beklagen. Zum Vergleich: Im Ersten Weltkrieg waren knapp 20 Millionen Tote zu beklagen, die HIV-Pandemie kostete bislang rund 36 Millionen Menschen das Leben.

In jüngster Zeit sorgten immer wieder Grippeviren für tödliche Bedrohungen, die Asiatische Grippe um 1957 (1,2 Mio. Tote), die Hongkong-Grippe um 1970 (eine Million Todesopfer), erneut die Russische Grippe um 1978 (700.000 Tote), sowie die weltweite Virusgrippe forderten jeweils zahlreiche Menschenleben. Dazwischen, ab 1961, gab die Cholera ein weiteres, tragisches Gastspiel mit mehreren Millionen Opfern weltweit.

Noch Ende 2010 führte eine Cholera-Epidemie auf Haiti zur Ausrufung des Notstandes, mehr als 300.000 Menschen waren erkrankt, mehr als 8600 Tote waren auf der Karibikinsel zu beklagen. Die Epidemie war eine Folge der katastrophalen hygienischen Zustände nach dem verheerenden Erdbeben Anfang 2010 gewesen.

Erste Pandemie das 21. Jahrhunderts war der Vorläufer des aktuellen Problemvirenstammes, SARS-CoV war mit knapp 800 Toten vergleichsweise harmlos. Allerdings sorgten die nachfolgenden Grippeviren zusehends für weltweite Probleme, die Begriffe „Vogelgrippe“ oder „Schweinegrippe“ sind nun erneut in aller Munde.

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