Poetische Schlammpfützen, knallbunte Utopien

Pawel Althamers „Cosmic Order“ und Jakob Lena Knebls „Frau 49 Jahre alt“: Kunstmuseum Lentos ab heute mit zwei neuen Ausstellungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten

„Cosmic Order“ von Pawel Althamer begeistert mit einer Naturkulisse.
„Cosmic Order“ von Pawel Althamer begeistert mit einer Naturkulisse. © maschekS.

Das Kunstmuseum Lentos beherbergt ab heute zwei Ausstellungen, die kontrastreicher nicht sein könnten.

Einen Schritt in den 800 Quadratmeter großen Saal im ersten Stock gesetzt, vermag einen schon die atemberaubend detailreiche Naturkulisse des renommierten polnischen Gegenwartskünstlers Pawel Althamer kurzzeitig ins Staunen zu versetzen. Bekannt für seine partizipativen Kunstprojekte zeigt er auch hier in Linz eine in Kollaboration mit internationalen Holzschnitzkünstlern entstandene Installation – angelehnt an eine von der afrikanischen Dogon-Kultur inspirierte Landschaft.

Kleine poetische Geschichten sind in das dystopische Setting eingeflechtet. Vertrocknete Sonnenblumen, Tempelruinen, Holzskulpturen, Schlammpfützen, 30 Tonnen Erde, Sträucher oder ein Tierschädelknochen, der (fast unbemerkt) aus dem Lehm herauslugt. Alles Ingredienzien, die zusammen eine große Hauptinsel und zwei kleine Nebeninseln ergeben. Diese drei „Bühnen“ sind eine Anlehnung an die Länder der beteiligten Künstler – Österreich, Polen und Mali. Wandmalereien umranden die Werke.

Die Installation versteht sich als Work-in-Progress, wie Lentos-Direktorin Hemma Schmutz hervorhebt: „Unser Museum dient dabei auch als Produktionsort. Auch österreichische Bildhauer werden während der Öffnungszeiten gemeinsam an dem Setting weiterarbeiten, es verfeinern sowie etwas hinzufügen.“ Es kommen unterschiedliche Bearbeitungstechniken zum Einsatz, so auch die Tradition der Holzschnitzkunst der Dogon, wie sie Youssouf Dara – einer der Projekt-Kollaborateure – praktiziert.

Design trifft Kunsthistorie trifft Gesellschaftskritik

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Eine ganz andere Schau präsentiert sich zwei Stockwerke tiefer: Im Untergeschoß ist Jakob Lena Knebl Kuratorin und Künstlerin zugleich, wenn sie mit „Frau 49 Jahre alt“ in knallbunte Utopien abtaucht. Kultur-Stadträtin Doris Lang-Mayerhofer beim Presserundgang: „Knebl zählt zu den derzeit einflussreichsten Künstlerinnen und Kuratorinnen in Österreich. Hier beweist man erneut ein besonderes Gespür für einzigartige zeitgenössische Positionen.“ Knebl verbindet in zwei Räumen Design und Kunstgeschichte geschickt mit gesellschaftlicher Relevanz. Während der eine Raum im opulent überladenen 70er-Stil daherkommt, wirkt der andere minimalistisch, dunkel und – aufgrund der behandelten Themen – greifbarer. Ein Beispiel: Im ersten Raum lächelt einem Sean Connery als Pappfigur mit knapper Badehose entgegen, im zweiten ist es Gottfried Helnweins Marilyn Manson, der die Zähne bleckt. Die Künstlerin, die bestehende Kunstwerke neu inszeniert und teilweise skurril mit eigenen verschränkt, bietet so die Möglichkeit, ein zweites Mal neu in oft gesehene Kunstwerke einzutauchen. Spannend in jeder Hinsicht, aber sicherlich nicht Jedermanns Sache. Aber das muss es auch nicht.

Die beiden Ausstellungen sind noch bis 17. Mai zu erkunden.

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