Poker um tausende US- Soldaten in Deutschland

Präsident Trump plant laut Berichten eine Verkleinerung der Truppen um 9500 Soldaten

Ein heftiger Poker ist am Wochenende um die in Deutschland stationierten US-Truppen entbrannt. Das „Wall Street Journal“ hat unter Berufung auf US-Regierungsvertreter berichtet, dass US-Präsident Donald Trump die Zahl der US-Soldaten in Deutschland von derzeit 34.500 deutlich um 9500 reduzieren möchte.

Zudem solle eine Obergrenze von 25.000 Soldaten in Deutschland eingeführt werden. Laut dem deutschen Spiegel könnten sogar bis zu 15.000 US-Soldaten abgezogen werden. Dies gehe aus einer Information des Weißen Hauses an Teile des Kongresses hervor.

Verärgerung über Vorgehensweise

In Deutschland herrscht großteils Verärgerung über diese Vorgehensweise. Er sei sehr irritiert, zumal die Pläne nicht mit dem Bündnispartner Deutschland besprochen wurden, schrieb etwa der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Peter Beyer (CDU). Sein Parteikollege Andreas Nick sagte der „Deutschen Welle“, alles deute darauf hin, „dass es sich nicht um eine fachliche, sondern rein politisch motivierte Entscheidung handelt.“ So wurde in Medien spekuliert, dass der Teilabzug eine Retourkutsche dafür sein könnte, dass die deutsche Kanzlerin Angela Merkel wegen der Corona-Krise nicht zum geplanten G-7-Gipfel nach Washington reisen wollte, woraufhin der Gipfel verschoben werden musste. In der Union mutmaßt man, ein Grund könnte auch Verärgerung über den Bau der Pipeline Nord Stream 2 für russisches Gas sein. Auch aus der Opposition kam Kritik: „Wer so agiert, kann nicht in Brüssel mit der Attitüde auftreten, Verbündete an ihre Verpflichtungen zu erinnern“, sagte der verteidigungspolitische Obmann der Grünen, Tobias Lindner, der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Lediglich die Linkspartei begrüßte die US-Ankündigung.

Außenminister Maas: „Es ist schwierig“

Zurückhaltend äußerte sich der deutsche Außenminister Heiko Maas: „Sollte es zum Abzug eines Teils der US-Truppen kommen, nehmen wir dies zur Kenntnis“, sagte er zu „Bild am Sonntag“. Die derzeitigen Beziehungen zu den USA seien nicht einfach. „Wir sind enge Partner im transatlantischen Bündnis. Aber: Es ist kompliziert.“

Harsche Kritik auch in den USA

Auch in den USA gibt es harsche Kritik an den Plänen. Die Entscheidung von Trumps Kernteam sei ein „kolossaler Fehler“ und ein „rein politisches Manöver“, sage der frühere Befehlshaber der US-Truppen in Europa, Ben Hodges, dem „Spiegel“: „Die Entscheidung illustriert, dass der Präsident nicht verstanden hat, wie essenziell die in Deutschland stationierten US-Truppen für die Sicherheit Amerikas sind.“

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