Polit-Show von gestern

Burgtheater: „Mephisto“-Roman dramatisiert

Nicholas Ofczarek als Hendrik Höfgen
Nicholas Ofczarek als Hendrik Höfgen © APA/H. P. Oczeret

Von Renate Wagner

Als Klaus Mann zu Beginn der dreißiger Jahre den Roman „Mephisto“ schrieb, hatte er vor allem ein Hühnchen zu rupfen: mit seinem ehemaligen Schwager Gustaf Gründgens, der damals begann, unter den Nazis große Karriere zu machen. Und das, obwohl er früher mit „links“ kokettiert hatte und als Homosexueller nicht gerade den Richtlinien des Dritten Reichs entsprach. Die Geschichte von diesem Hendrik Höfgen, die Gründgens nach dem Krieg verbieten lassen wollte, ist durch die Verfilmung mit Klaus Maria Brandauer erst so richtig berühmt geworden. Wenn sie nun auf die Bretter des Burgtheaters kommt, hätte man eine glitzernde Hommage auf eine faszinierende Persönlichkeit erwartet.

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Regisseur Bastian Kraft hat sich seine eigene, dreieinhalbstündige Bühnenfassung erstellt, die in symbolistischer Abstraktion die Geschichte eines Schauspielers erzählt, der in hemmungslosem Ehrgeiz von der Provinz nach Berlin drängt und nur seinen Erfolg im Kopf hat. So schleimt er sich bei Nazis hoch (hier besonders bei Göring und dessen Frau), bis er Staatstheater-Intendant wird.

Kraft hat den Autor Mann zum Erzähler der Geschichte gemacht, die er wieder einmal — Zeigefinger! — als warnendes politisches Gleichnis ausgerichtet hat. Überdeutlich wird Moral gepredigt, die Polit-Show stapft aufdringlich, aber zäh über die Bühne.

Sie kann nur dermaßen Überhand gewinnen, weil die Hauptfigur nicht greift. Seltsam, dass ein so kraftvoller Schauspieler wie Nicholas Ofczarek hier so wenig überzeugt. Es fehlt die Faszination, die von Gründgens ausgegangen ist, aber auch die Diskussion, wie weit man sich als Karrierist mit der blutigen Macht und Gewalt einlassen kann, wo das Gewissen des Einzelnen bleibt, gewinnt nicht wirklich Gestalt.

Der Abend hat vor allem in Fabian Krüger als Klaus Mann noch einen faszinierenden Darsteller, daneben die Damen Petra Morzé (besonders gut und vom nächsten Direktor, Martin Kusej, ebenso wie Krüger schon gekündigt), Dörte Lyssewski, Sabine Haupt, Sylvie Rohrer, aber so interessant, spannend und packend, wie „Mephisto“ es verdiente, ist er an diesem langen Burgtheater-Abend nicht ausgefallen.