Polit-Talent Haider wäre jetzt 70

Am Sonntag wäre Jörg Haider 70 Jahre alt geworden. Der gebürtige Oberösterreicher aus Bad Goisern war einer der schillerndsten, aber zugleich auch umstrittensten Politiker der Zweiten Republik. Am 11. Oktober 2008 verunglückte der damalige Landeshauptmann von Kärnten wenige Tage nach seinem Erfolg bei der Nationalratswahl auf der Heimfahrt von einer Feier mit seinem VW Phaeton in der Nähe von Klagenfurt tödlich.

Das Wrack jenes VW Phaeton, in dem in der Nacht auf 11. Oktober 2008 Kärntens LH Jörg Haider auf der Loiblpass-Bundesstraße in Lambichl tödlich verunglückte. © APA/Eggenberger

„In Kärnten ist die Sonne vom Himmel gefallen!“ Mit diesen Worten trauerte Kärntens Gerhard Dörfler (BZÖ) 2008 um seinen Parteikollegen und Freund Jörg Haider, der in der Nacht auf den 11. Oktober mit seinem Dienstauto, einem VW Phaeton, südlich von Klagenfurt tödlich verunglückt war.

Haider war auf dem Heimweg von einer Feiertour, nachdem das BZÖ mit Spitzenkandidat Haider bei der kurz davor geschlagenen Nationalratswahl mit mehr als zehn Prozent einen Erfolg verbuchen konnte. „Für uns ist das wie ein Weltuntergang“, ergänzte Haiders damaliger Pressesprecher und Stellvertreter als BZÖ-Obmann, Stefan Petzner. Haider sei noch bei einer Veranstaltung gewesen und habe nach Hause ins Bärental in der Gemeinde Feistritz im Rosental fahren wollen. Am Wochenende war dort eine große Familienfeier anlässlich des 90. Geburtstages seiner Mutter geplant gewesen, die bereits aus Oberösterreich angereist war.

BZÖ-Kandidat Jörg Haider mit Gattin Claudia bei der Stimmabgabe zur NRW 2008 in Klagenfurt. ©APA/Eggenberger

Nach und nach sickerten damals Details vom Unfall an die Öffentlichkeit: Laut Staatsanwaltschaft Klagenfurt soll Haider zum Unfallzeitpunkt mit Tempo 142 statt der erlaubten 70 km/h unterwegs gewesen sein, später bestätigte Petzner, dass der Verunfallte zum Unglückszeitpunkt 1,8 Promille hatte. Rund 25.000 Menschen nahmen an der Trauerfeier für den verunglückten Landeshauptmann teil.

Mit dem verhängnisvollen Unfall nahm eine politische Vorzeigekarriere ein jähes Ende, die Höhen und Tiefen vereinte – und am 13. September 1986 mit einem Wendepunkt in der Geschichte der FPÖ begann: Jörg Haider übernahm in einer Kampfabstimmung vom damaligen Vizekanzler Norbert Steger die Führung der Partei. Für die Freiheitlichen bedeutete dies zunächst den Abschied aus der seit 1983 bestehenden Koalition mit der SPÖ. Deren Kanzler Franz Vranitzky wollte nicht mit Haider. Gleichzeitig begann aber ein in der Zweiten Republik beispielloser Aufstieg: Bei der Nationalratswahl 1983 hatte die FPÖ gerade einmal fünf Prozent der Stimmen, 1986 – bei der ersten Wahl unter Haider – waren es bereits 9,7 Prozent. Am 3. Oktober 1999 erreichten die Freiheitlichen schließlich 26,9 Prozent und vor der ÖVP den zweiten Platz und galten als möglicher Regierungspartner.

Jörg Haider gilt als Erfinder des „Taferls“ — im Bild bei einer TV-Konfrontation vor der Nationalratswahl 1995. ©APA/ORF/Kurz

Aber der Reihe nach: Auf die Kärntner Landtagswahlen 1989 folgte der erste große Erfolg Haiders. Die FPÖ löste die ÖVP auf Platz zwei ab, mit Unterstützung der Volkspartei wurde Haider als erster Freiheitlicher der Zweiten Republik Landeshauptmann. Bereits im Juni 1991 wurde Haider – nach seiner Aussage über die „ordentliche Beschäftigungspolitik im Dritten Reich“ – aber schon wieder abgewählt. 1993 folgte der nächste Rückschlag: Mit Heide Schmidt an der Spitze verließen fünf Abgeordnete den FPÖ-Parlamentsklub und gründeten das Liberale Forum. Sie reagierten damit auf das Ausländervolksbegehren der Freiheitlichen. Dieses Volksbegehren hatte der FPÖ zwar heftige Kritik eingetragen, mit dem Lichtermeer folgte als Reaktion die größte politische Demonstration der Zweiten Republik.

Personelle Turbulenzen

Jörg Haider auf den Schultern seiner Fans nach seiner Wahl zum FPÖ-Chef am Innsbrucker Parteitag am 13. September 1986. ©APA/Hopi Media/Holzner

Immer wieder zu kämpfen hatten die Freiheitlichen auch mit personellen Turbulenzen. Neben den LIF-Gründern haben auch weitere prominente Freiheitliche die Partei verlassen, an ihrer Spitze die früheren Parteichefs Friedrich Peter und Norbert Steger. Selbst Mitstreiter Haiders wie der frühere Klubchef Norbert Gugerbauer haben der FPÖ den Rücken gekehrt. Den Siegeszug der Freiheitlichen konnten alle Turbulenzen aber nicht stoppen. Der Höhepunkt war 1999 erreicht: Im März errang die FPÖ mit Spitzenkandidat Haider bei der Kärntner Landtagswahl klar die Nummer eins, im April wurde er wieder zum Landeshauptmann gewählt. Und im Oktober überholten die Freiheitlichen erstmals in der Zweiten Republik die ÖVP und wurden bei der bundesweiten Wahl – mit 415 Stimmen Vorsprung – die Nummer zwei.

Am 1. Februar 2000 hatten FPÖ und ÖVP ihre Verhandlungen über ein inhaltliches Regierungsprogramm abgeschlossen. FPÖ-Chef Haider hievte damit den damaligen ÖVP-Obmann Wolfgang Schüssel vorbei an der SPÖ auf den Kanzlerposten und überließ die FPÖ-Regierungsarbeit seinen Getreuen. Haider selbst blieb als Landeshauptmann in Kärnten.

Spitzenkandidat LH Joerg Haider vor der TV-Konfrontation zur Nationalratswahl 2008 ©APA/Gindl

2002 folgte dann das geschishtsträchtige Treffen in Knittelfeld mit dem Sturz Haiders.
Im April 2005 gründete Haider nach ständigen Querelen mit der Wiener FPÖ rund um Heinz-Christian Strache schließlich das BZÖ. Bei der Nationalratswahl 2008 trat Haider schließlich selbst an – mit Erfolg: Die Wähler bescherten dem BZÖ 10,70 Prozent und den vierten Rang, noch vor den Grünen.

In Kärnten zog Haiders Wirken posthum vor allem tiefrote Spuren durch die Landesfinanzen. Am Hypo-Skandal ging das Land beinahe pleite, seine Nachfolger in der Landesregierung wurden von der Wählerschaft 2013 davongejagt, wovon sich die Partei bis heute nicht erholt hat. Die Verantwortlichen der Hypo standen x-mal vor dem Kadi, ebenso wie der Großteil der freiheitlichen Regierungsmitglieder. Die Verschwörungstheorien, die rund um Haiders Unfalltod wucherten, sind weitgehend verschwunden.

Stationen im Leben Jörg Haiders

… geboren am 26. Jänner 1950 in Bad Goisern (OÖ), verheiratet mit Claudia, zwei Töchter.

  • 1973 beendet Haider sein Jus-Studium mit dem Doktorat, 1976 wird er Landesparteisekretär der Kärntner FPÖ, 1979 Abgeordneter im Nationalrat.
  • 1983 übernimmt der Oberösterreicher die Kärntner Landespartei und wird Landesrat im Gewerbe- und Fremdenverkehrsreferat.
  • 1986 wird Haider in einer Kampfabstimmung gegen Norbert Steger zum Bundesparteiobmann der FPÖ gewählt. Mit ihm setzt ein steiler Höhenflug der Freiheitlichen in der Wählergunst ein.
  • 1989 wird Haider mit Hilfe der ÖVP zum Landeshauptmann von Kärnten gewählt, 1991 wird er von SPÖ und ÖVP aus dieser Funktion abgewählt, nachdem er mit seinem Sager von der „ordentlichen Beschäftigungspolitik“ im Dritten Reich für Empörung gesorgt hatte.
  • 1999 schafft es Haider zum zweiten Mal, LH in Kärnten zu werden. Bei der Nationalratswahl schafft die FPÖ einen historischen Wahlerfolg und wird Zweite.
  • 2000 legt Jörg Haider sein Amt als FPÖ-Chef zurück, nachdem er die Freiheitlichen an der Seite der ÖVP erstmals seit 14 Jahren wieder in eine Regierung geführt hatte.
  • Das Delegiertentreffen von Knittelfeld rund um Fans und Vertraute Haiders leitet im September 2002 den Rücktritt von Haiders Nachfolgerin als FPÖ-Obfrau, Susanne Riess-Passer, ein. Neuwahlen mit einem Absturz der FPÖ sind die Folge.
  • 2004 feiert Haider einen nicht mehr erwarteten Triumph bei der Kärntner Landtagswahl und wird mit Hilfe der SPÖ wieder Landeshauptmann.
  • 2005 trennt sich Haider von der FPÖ und gründet mit seinen Getreuen das BZÖ, Bündnis Zukunft Österreich, dessen Chef er zunächst wird.
  • 2008 verkündet Haider, es nochmals als BZÖ-Spitzenkandidat zu versuchen, die Wahl am 28. September bringt dem BZÖ-Chef mit 10,7 Prozent und mehr als sechs Prozentpunkten Zugewinn seinen letzten großen politischen Erfolg.
  • Am 11. Oktober stirbt Haider an den Folgen eines Autounfalls in Klagenfurt.

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