Schwere Luftangriffe auf Rafah

Weiter israelische Angriffe im Gazastreifen © APA/AFP/SAID KHATIB

Das israelische Militär hat bei Luftangriffen auf die Grenzstadt Rafah im südlichen Gazastreifen eine Moschee dem Erdboden gleichgemacht. Auch mehrere Häuser wurden zerstört. Bewohner sprachen am Donnerstag von einer der bisher schlimmsten Bombennächte seit Beginn des Krieges vor über vier Monaten in der Stadt an der abgeriegelten Grenze zu Ägypten. Bei Luftangriffen im Zentrum des Gazastreifens wurden mindestens 20 Menschen getötet.

Bei der Ausweitung des Einsatzes im Viertel Al-Saitun in Gaza-Stadt hätten israelische Truppen „Terror-Infrastruktur zerstört und binnen eines Tages rund 20 Terroristen getötet“, teilte das israelische Militär mit. In einem Fall sei etwa ein Angreifer getötet worden, der eine Panzerabwehrrakete gegen die Soldaten einsetzen wollte. Im Südabschnitt seien mehrere Schiffe angegriffen und zerstört worden, die von den Terrororganisationen Hamas und Islamischer Jihad verwendet worden seien. Im Westen der Stadt Khan Younis seien 15 bewaffnete Kämpfer getötet worden. Soldaten hätten in der Stadt auch zahlreiche Waffen gefunden.

Die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde teilte indes mit, binnen 24 Stunden seien im Gazastreifen 97 Palästinenser getötet und 132 weitere verletzt worden. Damit sei die Zahl der seit dem 7. Oktober getöteten Palästinenser in dem Küstenstreifen auf 29.410 gestiegen. Knapp 69.500 weitere seien verletzt worden. Die Zahlen ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Nach UN-Angaben handelt es sich bei einem Großteil der Toten um Frauen und Minderjährige. Israels Armee spricht von mehr als 10.000 getöteten Terroristen.

Die Leiter der wichtigsten UN-Hilfsorganisationen wie des Flüchtlingshochkommissariats UNHCR, des Kinderhilfswerks UNICEF, des Welternährungsprogramms (WFP) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderten in einem gemeinsamen Appell eine sofortige humanitäre Waffenruhe. „Krankheiten sind weit verbreitet. Es droht eine Hungersnot. Die Wasserversorgung ist miserabel. Die Basisinfrastruktur wurde dezimiert. Die Nahrungsmittelproduktion ist zum Stillstand gekommen. Krankenhäuser haben sich in Schlachtfelder verwandelt. Eine Million Kinder erleiden täglich Traumata“, mahnten sie. Jede weitere Eskalation im überfüllten Rafah „würde zu einem Massensterben führen. Sie könnte auch den Todesstoß für die humanitäre Hilfe bedeuten, die bereits auf den Knien liegt“, fügten sie auch mit Blick auf eine von Israel angedrohte Bodenoffensive auf die Stadt hinzu.

Von israelischer Seite gab es zuletzt hoffnungsvolle Signale über Fortschritte bei den Verhandlungen über eine neue Waffenruhe und eine Freilassung der Geiseln der Hamas. Benny Gantz, Mitglied des israelischen Kriegskabinetts, sagte am Mittwoch, es gebe „vielversprechende erste Anzeichen“ für eine Einigung zur Befreiung der Geiseln. Aber ohne eine Einigung werde Israel weiterkämpfen, bekräftigte er die Haltung der Regierung. Zudem ist Hamas-Chef Ismail Haniyeh diese Woche zu Gesprächen mit ägyptischen Vermittlern nach Kairo gereist – ebenfalls ein Signal, dass die Verhandlungen fortgesetzt werden.

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Auslöser des Krieges war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Palästinenser-Organisationen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze zum Gazastreifen verübt hatten. Sie ermordeten dabei mehr als 1.200 Menschen und verschleppten 250 weitere in den Küstenstreifen. Rund 105 Geiseln waren im Zuge eines Gefangenenaustausches im November freigekommen.

Ziel der israelischen Offensive sind die Zerstörung der Hamas und die Befreiung der verbliebenen Geiseln, von denen nach israelischen Informationen höchstens noch rund 100 am Leben sind. Angesichts der hohen Zahl ziviler Opfer und der katastrophalen Lage im Gazastreifen wird die Kritik an Israel jedoch international immer heftiger.

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