Gedenken in Israel an Terrorangriff vor sechs Monaten

Israels Premier Netanyahu gedenkt des Massakers vor sechs Monaten © APA/AFP/POOL/LEO CORREA

Israel hat am Sonntag des Terrorangriffs der Hamas mit fast 1.200 Toten vor sechs Monaten gedacht. Die USA drängen unterdessen Israel bei den indirekten Verhandlungen über eine Feuerpause im Gaza-Krieg und die Freilassung von Geiseln in den Händen der militanten Palästinensergruppe Hamas laut Medien zu Zugeständnissen in einem Kernpunkt.

Laut Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu ist Israel „nur noch einen Schritt vom Sieg entfernt“. „Aber der Preis, den wir gezahlt haben, ist schmerzhaft und herzzerreißend“, sagte er in einer Kabinettsansprache zum Gedenktag an das Massaker. Ohne die Rückkehr der von der Hamas verschleppten Geiseln werde es „keinen Waffenstillstand“ geben.

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Zuvor hatte bereits Israels Präsident Yitzhak (Isaac) Herzog an „den grausamen Terrorangriff und das grauenerregende Massaker“ vom 7. Oktober erinnert. Mit Blick auf den Hamas-Überfall und den dadurch ausgelösten Krieg sagte Herzog, es sei ein halbes Jahr her „seit diesem Verbrechen gegen unsere Schwestern und Brüder, gegen unseren Staat, diesem Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Diesem seien „sechs Monate eines blutigen und schwierigen Krieges“ gefolgt.

Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) forderte am Sonntag auf X (früher Twitter) unter dem Hashtag #BringThemHomeNow erneut die Freilassung der Geiseln und erinnerte an das Massaker: „Frauen wurden vergewaltigt und getötet, ebenso Kinder und Babies“, so Nehammer. „Noch immer sind bis zu 130 Menschen in der Gewalt der Hamas. Sie müssen freigelassen werden, um ein Ende der Kämpfe und des Leids zu ermöglichen!“

Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) ließ seinerseits Sonntag früh auf der Online-Plattform X (früher Twitter) wissen (im Original auf Englisch): „Sechs schreckliche Monate seit dem Angriff der #Hamas-Terroristen auf #Israel, der unerträgliches menschliches Leid für israelische und palästinensische Zivilisten verursacht hat. Es ist höchste Zeit für eine humanitäre Pause! Hamas muss alle Geiseln freilassen. Mehr Hilfe muss #Gaza erreichen. Humanitäres Recht ist nicht verhandelbar.“

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Die US-Regierung will unterdessen erreichen, dass eine begrenzte Rückkehr von Zivilisten in den Norden des seit sechs Monaten umkämpften Palästinensergebiets ermöglicht wird. Wie das „Wall Street Journal“ am Samstag unter Berufung auf amerikanische, israelische und ägyptische Beamte berichtete, wollen die USA als Israels wichtigster Verbündeter mit ihrem Vorstoß einen Durchbruch bei den seit Wochen stockenden Verhandlungen ermöglichen.

Israels Ministerpräsident Netanyahu sagte unterdessen, er werde „extremen“ Forderungen nicht nachgeben. Israels Kriegskabinett wollte laut israelischen Medienberichten am Sonntag zusammentreten, um zunächst darüber zu beraten, ob es eine Delegation zu den Waffenruhe-Verhandlungen nach Kairo schickt oder nicht.

CIA-Direktor William Burns und eine Delegation der Hamas sind für indirekte Gespräche über eine Waffenruhe im Gaza-Krieg und die mögliche Freilassung weiterer Geiseln in Kairo eingetroffen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Sonntag aus Kreisen des Flughafens in der ägyptischen Hauptstadt. Burns landete demnach am Samstagabend, am Sonntag traf die Hamas-Delegation ein, angeführt vom ranghohen Funktionär Khalil al-Hayeh. Die Hamas-Vertreter reisten demnach auf Einladung Ägyptens an. Auch der Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, David Barnea, sollte israelischen Berichten zufolge nach einer Entscheidung des Kriegskabinetts noch anreisen.

Im Laufe einer einwöchigen Feuerpause Ende November vergangenen Jahres hatte die Hamas 105 Geiseln freigelassen. Im Gegenzug entließ Israel 240 palästinensische Häftlinge aus Gefängnissen. Knapp 100 der Geiseln, die nach dem Terrorüberfall der Hamas vom 7. Oktober nach Gaza verschleppt wurden, dürften nach israelischen Schätzungen noch leben.

Die von der Hamas geforderte Rückkehr der palästinensischen Zivilisten in den Norden des abgeriegelten Gazastreifens ist offenbar ein entscheidender Streitpunkt bei den Gesprächen über eine Waffenruhe und Freilassung von Geiseln in der Gewalt der Hamas, berichtete das „Wall Street Journal“. Israel sei bereit, die Rückkehr von täglich 2.000 Menschen, hauptsächlich Frauen und Kinder, in den Norden zuzulassen. Maximal 60.000 Palästinenser könnten nach einem von Israel als akzeptabel erachteten Vorschlag zurückkehren. Männer zwischen 18 und 50 Jahren wären davon aber ausgeschlossen.

Die vor den Kämpfen in den Süden des Küstengebiets geflohenen Menschen müssten demnach israelische Militärkontrollpunkte passieren, um zu verhindern, dass bewaffnete Hamas-Kämpfer erneut in den Norden Gazas eindringen, hieß es unter Berufung auf israelische und ägyptische Beamte weiter. Diese Bedingungen würden jedoch von der Hamas nicht akzeptiert. Man werde in den Verhandlungen nicht von den eigenen Forderungen abweichen, teilte die Hamas am Samstag mit. Dazu zählen unter anderem ein dauerhafter Waffenstillstand, der Abzug von Israels Armee aus Gaza und die Rückkehr von Vertriebenen.

Auslöser des aktuellen Gaza-Kriegs war das beispiellose Massaker mit mehr als 1.200 Toten, das Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober vergangenen Jahres in Israel verübt hatten. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive. Laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde kamen dabei schon mehr als 33.000 Menschen in Gaza ums Leben. Bei der unabhängig kaum zu überprüfenden Zahl wird nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten unterschieden.

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