Lage im umkämpften Sjewjerodonezk wird schwieriger

Die ganze Region wird massiv beschossen © APA/AFP/ARIS MESSINIS

In der Ukraine tobt die Schlacht rund um Sjewjerodonezk unvermindert weiter. Die von Moskau geplante Evakuierung von Zivilisten aus dem Chemiewerk Asot ist unterdessen gescheitert. Russland warf der Ukraine vor, die Evakuierung der Zivilisten verhindert zu haben. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte am Mittwoch, die „Kiewer Behörden“ hätten die „humanitäre Operation“ aber „auf zynische Weise zum Scheitern gebracht“.

Russland hatte am Dienstag einen für zwölf Stunden offenen humanitären Korridor angekündigt. Über ihn sollten im Asot-Werk verschanzte Zivilisten nach russischen Angaben die Möglichkeit erhalten, Sjewjerodonezk in Richtung der von pro-russischen Separatisten kontrollierten Region Luhansk zu verlassen.

Die ukrainischen Kräfte hätten die Feuerpause aber „mehrfach“ gebrochen und die humanitäre Operation missbraucht, um eigene Soldaten in günstigere Stellungen zu verlegen, erklärte das russische Verteidigungsministerium. Die Behauptungen konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Weil die ukrainische Seite vom Werksgelände mit Granatwerfern und Panzern schieße, könnten sich dort keine Menschen in Sicherheit bringen, teilte auch der pro-russische Separatistenvertreter Rodion Miroschnik mit.

Vermutet werden dort mehr als 500 Zivilisten, die Separatisten gehen davon aus, dass es bis zu 1.200 Menschen sein könnten. Sie hätten über den Korridor in jenes Gebiet fliehen sollen, das von prorussischen Kräften kontrolliert wird. Miroschnik teilte auch mit, dass sich in der Asot-Anlage rund 2.000 ukrainische Kämpfer und ausländische Söldner verschanzt haben könnten. Bestätigt ist das von ukrainischer Seite nicht.

Nach Einschätzung britischer Geheimdienste haben die Russen nach mehr als einem Monat erbitterter Gefechte den Großteil von Sjewjerodonezk unter ihre Kontrolle gebracht. Dabei seien durch heftigen Beschuss enorme Kollateralschäden verursacht worden, hieß es am Mittwoch in der täglichen Lageeinschätzung des britischen Verteidigungsministeriums. Die Geheimdienste gehen davon aus, dass eine Vielzahl russischer Kräfte weiterhin rund um das Chemiewerk Asot gebunden sein wird, „solange die ukrainischen Kämpfer im Untergrund überleben können“.

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