Erdogan in Athen: „Neue Ära“ in Beziehungen mit Griechenland

Erdogan sieht griechischen Premier Mitsotakis (links) als „Freund“ © APA/AFP/ARIS MESSINIS

Bei einem Besuch in Athen hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ein neues Kapitel in den Beziehungen zum Erzrivalen Griechenland angekündigt. Er sei davon überzeugt, dass nun eine „neue Ära“ beginne, sagte Erdogan am Donnerstag zu Beginn seines ersten offiziellen Besuchs in Athen seit 2017. Die Visite gilt als Zeichen für eine Entspannungsphase, die bereits nach dem schweren Erdbeben in der Türkei im vergangenen Februar begann.

Er wolle die Ägäis zu einem „Meer der Freundschaft“ machen, sagte Erdogan. Mit Blick auf die zahlreichen bilateralen Streitigkeiten – von der Grenzziehung in der Ägäis bis zum Zypern-Konflikt – betonte der türkische Präsident, dass „keine Fragen unlösbar sind“. „Wir müssen optimistisch sein, und dieser Optimismus wird in Zukunft Früchte tragen“, sagte Erdogan bei einem Treffen mit seiner griechischen Amtskollegin Katerina Sakellaropoulou. Als eines seiner Ziele nannte er eine nahezu Verdopplung des bilateralen Handelsvolumen von derzeit 5,5 Milliarden auf 10 Milliarden Dollar (9,3 Milliarden Euro). Den griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis nannte Erdogan in einem griechischen Zeitungsinterview „meinen Freund“.

Erdogan wird von etlichen Ministern begleitet, die sich mit ihren griechischen Amtskollegen über Themen wie Migration, Energie, Tourismus und Klimakrise austauschen sollen. Das Arbeitstreffen wird auch als „Höchster Kooperationsrat“ der beiden Länder bezeichnet. Dabei sollten die Minister nach Angaben des griechischen Senders NTV 16 bilaterale Abkommen unterzeichnet werden. Das Gremium tagte zuletzt im Jahr 2016.

Griechenland und die Türkei liegen seit langem bei einer Reihe von Themen über Kreuz, darunter vor allem in der Frage der Meeresgrenzen in der Ägäis sowie der Migrationspolitik. Noch im vergangenen Jahr schlug Erdogan scharfe Töne gegenüber Athen an, warf Athen die Besetzung von Inseln in der Ägäis vor und drohte: „Wir könnten eines Nachts plötzlich kommen.“ Seit der Hilfe Griechenlands nach dem schweren Erdbeben in der Türkei im vergangenen Februar haben sich die Beziehungen jedoch leicht entspannt.

Ein diplomatischer Vertreter sprach am Donnerstag von „positiven Schritten“ für eine Annäherung der beiden Länder. Auch der griechische Migrationsminister Dimitris Kairidis hatte sich vor kurzem lobend über die Zusammenarbeit der Küstenwachen beider Länder bei der Migration geäußert. Griechenland und die EU streben eine Verlängerung des Flüchtlingsabkommens mit der Türkei aus dem Jahr 2016 an.

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