Ukraine-Krieg – Fast jeder Zweite für Friedensverhandlungen

Zerbombtes Haus in Kiew © APA/AFP/SERGEI SUPINSKY

Knapp die Hälfte der Menschen in Österreich (49 Prozent) findet, dass die EU die Ukraine zu Friedensverhandlungen mit Russland drängen sollte. Zu dem Schluss kommt zumindest eine Umfrage der Denkfabrik European Council on Foreign Relations (ECFR), die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Die Studie wurde in zwölf EU-Mitgliedstaaten durchgeführt. Im Schnitt aller Teilnehmer waren 41 Prozent für Verhandlungen.

Dagegen waren 31 Prozent der Meinung, die Ukraine müsse unterstützt werden, um die verloren Gebiete zurück zu erobern. Dieser. Dieser Aussage schlossen sich unter den österreichischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer 23 Prozent an. Die übrigen gaben an, dass sie keine der beiden Aussagen unterstützen, dass es ihnen egal sei oder dass sie es nicht wissen.

Die größte Unterstützung für eine Rückeroberung der Gebiete gab es unter den Befragten in Schweden (50 Prozent), bei gleichzeitig 31 Prozent, die für Verhandlungen waren. Am anderen Ende der Skala stand Ungarn, wo 16 Prozent die Ukraine unterstützt sehen wollen, während 64 Prozent sich Friedensverhandlungen wünschen.

Mit 31 Prozent waren die Ungarn auch am öftesten überzeugt, dass Russland den Krieg gewinnen werde, während nur eine kleine Gruppe an einen militärischen Sieg der Ukraine glaubt. In Österreich sieht jeder Fünfte (20 Prozent) einen russischen Sieg als den wahrscheinlichsten Ausgang des Krieges. Sieben Prozent sehen die Ukraine als Gewinner, während 36 Prozent von einer Verhandlungslösung ausgehen. In Polen, Schweden und Portugal gehen jeweils 17 Prozent der Befragten von einem ukrainischen Sieg aus – jeweils 14, 19 und 11 Prozent rechnen mit einem russischen Sieg.

Der Krieg führte auch dazu, dass viele Ukrainerinnen und Ukrainer in EU-Länder flohen. Die Studienautoren fragten danach, ob diese Flüchtlinge „eher als Bedrohung“ oder „eher als Chance“ gesehen werden. In Österreich fiel die Antwort mit 33 zu 26 Prozent leicht zu Gunsten der ukrainischen Flüchtlinge aus. Negativ blicken dagegen die Polen (40 Prozent) und die Ungarn (37 Prozent) auf die geflüchteten Ukrainer. Am anderen Ende der Skala standen wiederum die Schweden, wo nur 10 Prozent eine Bedrohung sahen und 52 Prozent eine Chance für ihr Land.

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Wie es mit der Unterstützung für die Ukraine weitergeht, wird auch die US-Wahl mitentscheiden. Sollte eine erneute Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten dazu führen, dass die Vereinigten Staaten ihre Unterstützung stark zurückfahren, wollen nur 14 Prozent der befragten Österreicherinnen und Österreicher, dass die EU versucht, den Mangel so gut es geht auszugleichen. 42 Prozent findet gar, dass die EU dem potenziellen US-Beispiel folgen sollte. Weitere 17 Prozent wären für ein Beibehalten des aktuellen Unterstützungsniveaus.

Auch hier stechen Schweden und Ungarn unter den zwölf untersuchten Ländern hervor: In Schweden wollen demnach 43 Prozent, dass die EU einen möglichen Rückzieher der USA ausgleichen sollte, während nur 15 Prozent sich wünschen, dass auch die EU ihre Hilfe in dem Fall zurückfahre. Umgekehrt ist das Verhältnis in Ungarn, wo sich letzteres 54 Prozent wünschen, während nur 9 Prozent einen europäischen Alleingang wollen.

Vergleichbare Länderunterschiede zeichnen sich auch allgemein mit Blick auf eine mögliche zweite Trump-Präsidentschaft ab. 70 Prozent der Schweden wären in einem solchen Szenario „etwas“ bis „sehr enttäuscht“, bei 12 Prozent die „etwas“ bis „sehr erfreut“ darüber wären. In Ungarn wären laut Umfrage dagegen 28 Prozent unter den Erfreuten, bei nur 32 Prozent unter den Enttäuschten. Die Werte für Österreich liegen in diesem Fall deutlich näher an Schweden, mit 12 Prozent Erfreuten und 66 Prozent Enttäuschten.

Für die Studie wurden in Österreich anfang Jänner 1.111 Erwachsene befragt. Insgesamt waren es rund 17.000 Teilnehmer die neben Österreich aus Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Italien, den Niederlanden, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien und Schweden kamen. Studienautoren waren der ECFR-Direktor Mark Leonard und der in Wien und Sofia aktive Politikwissenschaftler Ivan Krastev.

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