Ukrainischer Präsident wirbt am Balkan um Unterstützung

Selenskyj wirbt um Unterstützung der Balkanländer © APA/AFP/ADNAN BECI

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Staats- und Regierungschefs der Balkanländer um Unterstützung im Verteidigungskampf gegen Russland gebeten. Selenskyj dankte den Staatenlenkern der Balkanländer am Mittwoch in Albanien für ihre militärische Unterstützung in den vergangenen zwei Jahren, betonte jedoch: „Wir sehen die Probleme bei der Versorgung mit Munition, die sich auf die Situation auf dem Schlachtfeld auswirken.“

Seine Regierung sei daran interessiert, ein künftiges „ukrainisch-balkanisches Verteidigungsindustrie-Forum“ auszurichten. Nach einem Treffen mit Albaniens Ministerpräsident Edi Rama sagte Selenskyj, beide Länder würden eine weitere Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich prüfen. Seit den ersten Tagen der russischen Invasion habe Albanien die Ukraine „in unserem Kampf für Freiheit und territoriale Integrität unterstützt“, erklärte Selenskyj im Onlinedienst X. Bei dem Gespräch am Mittwoch sei es auch um den Verteidigungsbedarf der Ukraine und eine mögliche gemeinsame Waffenproduktion gegangen.

Selenskyj war am Dienstagabend zu einer Sicherheitskonferenz nach Albanien gereist – sein erster Besuch in dem Balkanstaat seit dem russischen Angriff im Februar 2022. An dem Treffen in der albanischen Hauptstadt Tirana nahmen verschiedene Staatenlenker aus dem Balkanraum teil, darunter Serbiens Präsident Aleksandar Vučić, Kroatiens Ministerpräsident Andrej Plenković und Kosovos Präsidentin Vjosa Osmani.

Albaniens Außenminister Igli Hasani hatte die Ankunft des ukrainischen Staatschefs am Dienstagabend in Tirana „einen entscheidenden Moment für die Förderung der bilateralen Beziehungen und die Solidarität mit der Ukraine in ihrem heldenhaften Kampf gegen die russische Aggression“ genannt.

Selenskyj hat in den vergangenen Wochen in zahlreichen Ländern für weitere Unterstützung und Waffenlieferungen für sein Land geworben, zuletzt in Saudi-Arabien. Die Reisen erfolgten vor dem Hintergrund von Befürchtungen, dass die Unterstützung für die Ukraine aus dem Westen fast zwei Jahre nach dem russischen Einmarsch nachlassen könnte.

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Die Ukraine geht angesichts der stockenden Militärhilfe ihrer Verbündeten geschwächt in das dritte Kriegsjahr. Die Gegenoffensive im Sommer 2023 war unter schmerzhaften Verlusten gescheitert. In Washington wird ein neues Ukraine-Hilfspaket in Höhe von 60 Milliarden Dollar (rund 55,7 Milliarden Euro) seit Monaten von den oppositionellen Republikanern im Kongress blockiert.

Nach eigenen Angaben benötigt Kiew in diesem Jahr monatlich etwa drei Milliarden Dollar an ausländischer Finanzhilfe. Dank eines stetigen Zustroms von Hilfe der Verbündeten habe die makroökonomische Stabilität im Krieg bisher gewahrt werden können, erklärte Finanzminister Serhij Martschenko. Auch in diesem Jahr werde die fortgesetzte finanzielle Unterstützung entscheidend sein, meinte er weiter.

Das NATO-Mitglied Albanien hat die Ukraine seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs nachdrücklich unterstützt, sich aber hinsichtlich Waffenlieferungen für Kiew bisher weitgehend bedeckt gehalten. Bei einem Besuch in Albanien Anfang des Monats hatte US-Außenminister Antony Blinken Tiranas Unterstützung für die Ukraine gelobt. Albanien sei eines der ersten Länder gewesen, das nach dem russischen Angriff Militärhilfen an die Ukraine geschickt habe, darunter Gewehre, Munition und minengeschützte Fahrzeuge. Derzeit gehöre Albanien „zu den zehn Ländern mit der höchsten Pro-Kopf-Unterstützung für die Ukraine und Unterstützung bei der Sicherheit“, sagte Blinken.

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