UNO fordert Untersuchung zum Tod Dutzender Menschen in Gaza

Die Vereinten Nationen fordern eine Untersuchung zum Tod Dutzender Menschen bei der Ankunft von Hilfsgütern im Gazastreifen. Das sagte ein Sprecher von UNO-Generalsekretär António Guterres am Donnerstag in New York. Auch die USA verlangen von Israel „Antworten“ sowie eine Gewährleistung von sicheren Hilfslieferungen. Israels Armeesprecher erklärte, Soldaten hätten keine Menschen gezielt angegriffen.

„Es wird eine Zeit der Verantwortung geben“, fügte Guterres-Sprecher Stephane Dujarric hinzu. Mitarbeiter der Vereinten Nationen seien bei dem Vorfall nicht anwesend gewesen, man kenne nicht alle Fakten und sei sich bewusst, dass es unterschiedliche Darstellungen gebe.

„Wir benötigen dringend zusätzliche Informationen darüber, was genau geschehen ist“, sagte auch der Sprecher des US-Außenministeriums, Matthew Miller, am Donnerstag vor Journalisten in Washington. Die US-Regierung stehe seit Donnerstagmorgen mit der israelischen Regierung in Kontakt und sei über die laufenden Ermittlungen informiert. „Wir werden diese Untersuchung genau beobachten und auf Antworten dringen“, sagte Miller.

Der Hamas-kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen zufolge sollen mehr als hundert Menschen getötet und mehrere Hunderte verletzt worden sein. Die ägyptische Regierung warf Israel vor, das Feuer auf die wartende Menge eröffnet zu haben. Auch Saudi-Arabien und Jordanien kritisierten Israel für den Vorfall. Die israelische Armee hatte mitgeteilt, zahlreiche Bewohner hätten sich um einfahrende Lastwagen mit Hilfsgütern gedrängt, um diese zu plündern. Dutzende wurden demnach dabei etwa durch Rempeleien und Gedränge getötet und verletzt.

„Was uns betrifft, wissen wir nicht genau, was passiert ist und ob Menschen durch israelische Schüsse getroffen wurden und starben, ob sie von einer Menschenmenge niedergedrückt wurden oder ob sie von Lastwagen überfahren wurden“, so UNO-Sprecher Dujarric weiter. UNO-Generalsekretär António Guterres verurteilte den Vorfall. „Die verzweifelten Zivilisten in Gaza brauchen dringend Hilfe, auch die im belagerten Norden, wo die Vereinten Nationen seit mehr als einer Woche keine Hilfe leisten konnten“, hieß es. Außerdem zeigte sich der UNO-Chef „entsetzt“ darüber, dass im Gaza-Krieg laut der Gesundheitsbehörde bereits 30.000 Menschen getötet und weitere 70.000 verletzt worden seien. Der UNO-Sprecher bekräftigte erneut, dass die Vereinten Nationen davon ausgehen, dass die Zahlen richtig sind. Der Weltsicherheitsrat sollte noch am Donnerstag (22.15 Uhr MEZ) hinter geschlossenen Türen zusammenkommen.

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Bei der Ankunft der Lastwagen sei es zu einem chaotischen Gedränge gekommen, das die Soldaten vor Ort mit Warnschüssen auflösen wollten, sagte Israels Armeesprecher Daniel Hagari am Donnerstagabend bei einer Pressekonferenz. «Unser Krieg richtet sich gegen die Hamas, nicht gegen die Menschen in Gaza.»

Die israelische Armee hatte Hagari zufolge am Morgen einen Lastwagenkonvoi mit humanitären Hilfsgütern koordiniert, der Bewohner im Norden des abgeriegelten Küstenstreifens erreichen sollte. Bei der Ankunft der humanitären Hilfsgüter seien zahlreiche Menschen auf die Lastwagen gestürmt und es sei zu einem chaotischen Gedränge gekommen. «Einige fingen an, andere gewaltsam zu schubsen und zu Tode zu trampeln und plünderten die humanitären Hilfsgüter», sagte Hagari weiter. Um die große Menschenmenge auseinanderzubringen, hätten die israelischen Soldaten Warnschüsse abgegeben. «Es gab keinen Angriff des israelischen Militärs auf den Hilfskonvoi», sagte Hagari. Die Truppen vor Ort hätten sich daraufhin zurückgezogen.

Die Koordination von Hilfskonvois sowie die Sicherung eines humanitären Korridors durch die Armee sei bereits in den vergangenen Tagen geschehen, aber zuvor sei es nicht zu Zwischenfällen gekommen. «Wir erkennen das Leiden der unschuldigen Menschen in Gaza an. Deshalb suchen wir nach Möglichkeiten, unsere humanitären Bemühungen auszuweiten», so Hagari.

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