Weiter systemkritische Proteste im Iran

Im Iran haben die systemkritischen Proteste am Samstag in mehreren Landesteilen angedauert. Augenzeugen zufolge blockierten in der Hauptstadt Teheran Tausende Demonstranten mehrere Hauptstraßen und skandierten Slogans gegen die politische Führung der islamischen Republik. Frauen nahmen erneut ihre Kopftücher ab und riefen „Freiheit, Freiheit“. In einigen Teilen der Stadt kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Dabei sollen Polizeikräfte Tränengas eingesetzt haben.

Die Proteste führten in mehreren Teilen der Hauptstadt zu erheblichen Staus. Dabei schienen sich viele Autofahrer mit den Demonstranten zu solidarisieren und ließen Hupkonzerte ertönen.

Zu heftigen Ausschreitungen war es am Freitag in der Stadt Sahedan im Südosten des Landes gekommen. Dabei kamen 19 Menschen ums Leben, unter ihnen auch mindestens drei Mitglieder der lokalen Revolutionsgarden. 20 weitere wurden schwer verletzt. Wegen der zunehmenden Gewaltbereitschaft auf beiden Seiten gibt es innerhalb der Bevölkerung Befürchtungen, dass sich der Vorfall in Sahedan auch in anderen Teilen des Landes wiederholen könnte.

Auslöser der Demonstrationen ist der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini vor zwei Wochen. Die Sittenpolizei hatte sie wegen ihres angeblich „unislamischen Outfits“ festgenommen. Was mit Amini danach geschah, ist unklar. Die Frau fiel ins Koma und stab am 16. September in einem Krankenhaus. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben – die Polizei weist das zurück. Seit dem Tod der jungen Frau demonstrieren landesweit Tausende Menschen gegen den repressiven Kurs der Regierung und der Sicherheitskräfte sowie das islamische System.

Unterdessen griffen die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) erneut Stützpunkte kurdischer Separatistengruppen im benachbarten Nordirak an. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim haben die Revolutionsgarden bei den Angriffen am Samstag – den vierten innerhalb einer Woche – über 70 Raketen und Dutzende von Drohnen eingesetzt. Die Garden rechtfertigten die Angriffe als „legitime Reaktion“ auf Angriffe kurdischer Terrorgruppen auf iranische Militärbasen im Grenzgebiet. Teheran hatte zuvor einigen kurdischen Gruppen auch vorgeworfen, an den Protesten beteiligt gewesen zu sein, auch mit Waffenlieferungen an Demonstranten.

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