Brückenbauer

Gastkommentar VON JOSEF PÜHRINGER Landeshauptmann a. D.

Er war sicher jener Landeshauptmann, der in den schwierigsten und auch politisch heikelsten Zeiten Oberösterreich regierte. Der 8. Landeshauptmann (seit 1861) durchlebte in seiner politischen Laufbahn Höhen und Tiefen wie kein anderer und wurde letztlich jener Landeshauptmann, der als großer Brückenbauer und als Begründer des sprichwörtlich „oberösterreichischen Klimas“ in die Geschichte unseres Landes einging.

Gleißners Vater Heinrich stammte aus der Oberpfalz, die Mutter, eine geborene Maria Ziegler, war eine „waschechte Oberösterreicherin“, eine Kleinbauerntochter aus dem Innviertel. Heinrich wuchs in einer großen Familie auf, er hatte sieben Schwestern (zwei starben als Kleinkinder), er war der einzige Bub. Sein Vater war Schlosser in einer Lokomotiv-Fabrik, dass bei Sohn Heinrich den Berufswunsch reifen ließ, Lokführer zu werden, weil ihn die Eisenbahn begeisterte. Dass der Zug von Heinrich Gleißner einmal ein ganzes Bundesland werden sollte, war dem jungen Heinrich nicht in die Wiege gelegt, da er doch aufgrund der Großfamilie in sehr bescheidenen Verhältnissen aufwuchs. Der Historiker Harry Slapnicka erzählte zu Gleißners Herkunft: Die Mischung Oberpfälzer Eigenart mit der innviertler Beharrlichkeit, Gerechtigkeitssinn, gewiss auch Stolz, Traditionsbewusstsein, aber auch Lebenslust bewährte sich!

Nach der Volksschule und dem humanistischen Gymnasium (Linz/Spittelwiese) führte ihn sein Weg an die Karlsuniversität nach Prag, wo er sein Jus-Studium begann, das er nach dem Krieg in Innsbruck abschloss. Als Soldat im ersten Weltkrieg lernte er Engelbert Dollfuß kennen und es entstand daraus eine enge Freundschaft. Nach dem Krieg und der Beendigung des Studiums ist Heinrich Gleißner kurz Jurist beim Land OÖ, wechselt aber schon nach einem Jahr zur Landwirtschaftskammer, deren Direktor er bald darauf wurde. Über die Bauernorganisationen kommt Heinrich Gleißner zum katholischen Volksverein und damit zur christlich-sozialen Partei, in der er rasch in hohe Funktionen aufstieg, wofür die Achse zu Engelbert Dollfuß, der da schon Bundeskanzler war, nicht unwesentlich war!

Er wird für einige Monate Staatssekretär bei Engelbert Dollfuß im Landwirtschaftsministerium, ehe er 1934 Landeshauptmann im Ständestaat wurde (1934 bis 1938). Bereits am 1. August 1933 wird er von Dollfuß auch zum Landesleiter der vaterländischen Front ernannt. „Der Staatsumbau von 1934“, das Abgehen von der Parteiendemokratie (Slapnicka) hängt Gleißner bis heute nach. Der erst kürzlich veröffentlichte Bericht einer wissenschaftlichen Kommission zu den Linzer Straßennamen weckte die Aufmerksamkeit erneut, weil man ihn als belastete Person einstufte, noch dazu der Dringlichkeitsklasse II. Zurecht hat der Linzer Historiker Roman Sandgruber in einem Artikel am 7. Jänner diese Einreihung in eine „schulmeisterliche Notenskala“ abgelehnt, die willkürlich und wenig treffsicher ist!

Es darf nicht vergessen werden: Gleißner wurde von den Nazis in der Nacht vom 12. zum 13. März 1938 brutal abgesetzt und zweimal in die KZ (Dachau und Buchenwald) eingeliefert.

Heinrich Gleißner war Spitzenrepräsentant einer Politikergeneration, die aus den leidvollen Erfahrungen, dem Scheitern der ersten Republik und der Katastrophe des zweiten Weltkriegs ganz sicher die richtigen Lehren und Schlüsse gezogen hat.

Die Politikergeneration 1945 einte das Bewusstsein, dass das gewaltige Aufbauwerk, dass die Trümmer des zweiten Weltkriegs notwendig machten, nur dann bewältigt werden kann, wenn die politischen Kräfte das Gemeinsame vor das Trennende stellen.

Heinrich Gleißner, der nach 1945 26 Jahre Landeshauptmann von Oberösterreich war (1945 bis 1971) hat Oberösterreich durch 10 Jahre Besatzungszeit geführt und wurde zum Baumeister eines festen Fundaments unseres Bundeslandes. Er hat die Weichen gestellt, dass Oberösterreich heute zu einer der führenden Regionen in Europa gehört. Er hat mit Fleiß, Ehrgeiz, Geduld, Visionen und vor allem mit Liebe zum Land Bleibendes geleistet und wurde zu einem großen Demokraten. Es sollte nicht vergessen werden, dass Heinrich Gleißner, der nach dem zweiten Weltkrieg von den amerikanischen Besatzern ersucht wurde, im Oktober 1945 als Landeshauptmann einer provisorischen Regierung vorzustehen, zwei Bedingungen gestellt hat: Einerseits verlangte er, dass auch die Sozialdemokraten seiner Bestellung zustimmen und zweitens, dass rasch demokratische Wahlen durchgeführt werden!

Diese Wahlen am 25. November 1945 brachten dann für Heinrich Gleißner und die Volkspartei mit einem Ergebnis von 59,1 Prozent einen eindeutigen Erfolg, damit war auch klar, dass die Oberösterreicher Heinrich Gleißner wollten, dessen politische Vergangenheit sie natürlich kannten! Gleißner ist zum großen Versöhner, zum Brückenbauer, zum Landesvater über alle Parteigrenzen hinweg geworden! Am 26. Jänner wäre er 130 Jahre alt.

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