Bundespräsidenten-Wahlkampf geht ins Finale

Der Präsidentschaftswahlkampf neigt sich dem Ende zu. Die meisten Kandidaten brachten am Freitag ihre Abschlussveranstaltungen über die Bühne. Bierpartei-Chef Dominik Wlazny motivierte seine Anhänger Freitagnachmittag am Stephansplatz mit einer kurzen, launigen Rede und lauter Rock-Musik. Gerald Grosz war ebenfalls in der Innenstadt unterwegs, allerdings schon am Vormittag am Platz vor der Präsidentschaftskanzlei.

Wlazny wandte sich von der Laderampe eines Klein-Lkws an sein vorwiegend junges Publikum von mehreren Hundert Leuten. Seine 15-minütige Rede begann mit vielen Schmähs, für die er zahlreiche Lacher erntete, und wurde im weiteren Verlauf ernster. In den „gefühlt 500.000 Medienterminen“, die er absolvieren musste, sei die Frage seiner Motivation zu kurz gekommen, fand Wlazny. Er sei nach seiner zerrissenen Hose und seinem Nasenring gefragt worden. „Ich wurde auch gefragt, warum ich nicht mit einem Bier da sitze, was ich mir manchmal gewünscht hätte“, scherzte Wlazny alias Marco Pogo.

Seine Motivation sei die Notwendigkeit von Veränderung. Und er sei der geeignete Bundespräsident, weil er das Land kenne „und jedes Beisl in dem Land kenne und die Menschen, die dort sitzen“. Er habe eine Firma und habe trotz seiner jungen Jahre Erfahrung.

„Ich weiß, dass man sich nicht wie ein Depp aufführen sollte, wenn ein Staatsgast kommt. (…) Das würde von den anderen Kandidaten nicht jeder schaffen. Aber wurscht, lassen wir das.“ Darauf komme es aber nicht an, sondern darum, Werte zu haben und zu diesen zu stehen. Seine Werte seien Respekt, Offenheit, Toleranz, Solidarität und Unabhängigkeit. „Ich bin unabhängig und unverbraucht und ich bin schwer motiviert. (…) Und auch ich kann einen Anzug tragen und es schaut gut aus“, sagte Wlazny und appellierte an seine Anhänger, unbedingt zu Wahl zu gehen. Am Ende der Veranstaltung gab es Autogramme.

Gerald Grosz wiederum legte seinen Wahlkampfabschluss wie eine Pressekonferenz an. „Unser Land steht am Sonntag vor einem Scheideweg“, sagte der Ex-FPÖ/BZÖ-Politiker – der einmal mehr betonte, dass er dem „Establishment“ einen „Denkzettel“ verpassen wolle. Grosz bekrittelte bei seinem letzten Wahlkampftermin etwa „ungezählte Verfassungsbrüche“ der Bundesregierung und wetterte gegen Korruption und Politiker, die sich die eigenen Taschen gefüllt hätten, während sich viele die Stromrechnung nicht mehr leisten könnten.

Ein konkretes Wahlziel nannte er nicht. „Wir starten bei Null, in diesem Sinne ist jede Stimme ein Riesenerfolg für mich“, versicherte er. Es sei jedoch sein Bestreben, Amtsinhaber Alexander Van der Bellen in eine Stichwahl zu zwingen. Grosz schwärmte von der „romantischen Vorstellung“, dass er demnächst mit dem Präsidenten in eine Diskussionsrunde gehen könnte. Zugleich hob er hervor, dass er für seine Kampagne nur über 23.000 Euro an Spenden verfügt habe. Man sei ganz ohne Plakate und Wahlgeschenke ausgekommen.

Der Kandidat bedankte sich bei den anderen Mitbewerbern – wobei er Van der Bellen nicht erwähnte – für einen, wie er befand, großteils fairen Wahlkampf. Den Wahltag wird Grosz in der Steiermark beginnen, danach reist er nach Wien, um dort im Wahlzentrum (im Palais Niederösterreich, Anm.) ab etwa 18.00 Uhr erstmals Fragen zum Ergebnis zu beantworten.

Ein Nachspiel soll, geht es nach Grosz, unterdessen ein ORF-Interview mit ihm Donnerstagabend haben. Dort sei ihm vorgehalten worden, er sei wegen übler Nachrede verurteilt worden – Grosz bestreitet dies allerdings. Richtig sei, dass er 2007 vom Landesgericht für Zivilrechtssachen ein Urteil wegen Ehrenbeleidigung und Kreditschädigung einer ORF-Journalistin bekommen habe, sagte Grosz am Freitag zur APA. „Ich bin aber nie strafrechtlich wegen übler Nachrede verurteilt worden.“ Er klage nun den ORF und die Interviewerin Susanne Schnabl, zudem auch ihren Kollegen Armin Wolf, der den Vorhalt auf Twitter wiederholt habe – und zwar wegen übler Nachrede, Kreditschädigung und Ehrenbeleidigung, kündigte Grosz an.

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