Erneut weniger Sozialhilfebezieher

Entwicklung hält an: Trotz Pandemie 4,6 Prozent weniger im Jahr 2021

Die Zahl der Bezieher und Bezieherinnen von Mindestsicherung und Sozialhilfe ist 2021 um 4,6 Prozent zurückgegangen, wie auch schon 2020. Heuer setzt sich der Trend fort, trotz Pandemie und Teuerung.

Sozialminister Johannes Rauch (Grüne) sieht den Grund dafür in den Unterstützungsleistungen. Sie hätten die sozialen Folgen der Corona-Pandemie gemildert. Er sei „zuversichtlich, dass die Maßnahmen gegen die aktuellen Teuerungen ähnlich positiv wirken“, so Rauch.

Kosten in Wien gestiegen

Laut der Mindestsicherungs- und Sozialhilfestatistik der Statistik Austria haben 264.752 Personen im Jahr 2021 Sozialhilfe oder Mindestsicherung bezogen. Sie lebten in 151.922 sogenannten Bedarfsgemeinschaften — meist Haushalten oder Wohngemeinschaften. Das entspricht einem Rückgang gegenüber 2020 um rund 12.900 Personen oder 4,6 Prozent. Gegenüber 2017 sind es sogar über 40.000 weniger.

Die Ausgaben für die Mindestsicherung und Sozialhilfe betrugen im Vorjahr insgesamt 966 Millionen Euro. Auch das ist verglichen mit 2017 ein Rückgang — um rund 12 Mio Euro. Wobei die Ausgaben in der Stadt Wien gegen den bundesweiten Trend gestiegen sind, von 638 Millionen 2017 auf 686 Millionen im Vorjahr. Und auch bei den Beziehern ist die Bundeshauptstadt nach wie vor abgeschlagen, der Anteil der Sozialhilfebezieher ist sogar noch gestiegen: Waren 2017 62,8 Prozent der Bezieher aus Wien, waren es zuletzt mit 67,8 Prozent mehr als zwei Drittel.

Die größte Gruppe der Sozialhilfeempfänger kommt aus Drittstaaten (92.244), dahinter kommen Bezieher aus Österreich (89.065). Rund ein Drittel der Bezieher (67.543) sind Asylberechtigte.

Unter den Beziehern waren acht Prozent erwerbstätig und hatten so geringe Löhne, dass sie Mindestsicherung bzw. Sozialhilfe benötigten. 35 Prozent waren arbeitslos. Mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Bezieher konnten wegen ihres Alters (Kinder, Schüler, Senior) oder ihres schlechten Gesundheitszustandes nicht am Arbeitsmarkt teilnehmen, weitere fünf Prozent betreuten Kinder oder pflegende Angehörige. Kinder (36 Prozent der Bezieher) und Frauen (34 Prozent) sind besonders oft auf die Unterstützung angewiesen, der Anteil der Männer machte 29 Prozent aus.

Giftzähne gezogen

Heuer wurde die Sozialhilfe in einigen Punkten verbessert — indem, wie Rauch es nannte, dem Grundsatzgesetz die „größten Giftzähne“ gezogen wurden. Die Länder haben jetzt mehr Spielraum, damit wurden Verbesserungen für Bewohner von Frauenhäusern oder Betreuten Wohnformen möglich. Das 13. und 14. Monatsgehalt muss nicht mehr angerechnet werden und es gibt jetzt eine Härtefallklausel für Menschen, die bisher keinen Anspruch hatten.

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