Für Hilfswerk ist Personal Schlüsselfrage bei Pflege

Hilfswerk-Präsident: „Die Pflege ist ein schwerer Pflegefall“ — Karas fordert „nationalen Kraftakt“

Hilfswerk-Präsident Othmar Karas (l.), Markus Golla, Leiter des Instituts für Pflegewissenschaft an der IMC Fachhochschule Krems und Hilfswerk-Geschäftsführerin Elisabeth Anselm schlagen Alarm.
Hilfswerk-Präsident Othmar Karas (l.), Markus Golla, Leiter des Instituts für Pflegewissenschaft an der IMC Fachhochschule Krems und Hilfswerk-Geschäftsführerin Elisabeth Anselm schlagen Alarm. © Hilfswerk

Das Hilfswerk fordert die Politik eindringlich dazu auf, die Pflege in den Fokus ihrer Arbeit zu rücken. „Die Pflege ist ein schwerer Pflegefall“, sagte Hilfswerk-Präsident Othmar Karas am Montag — „und ich unterscheide nicht zwischen stationärer und mobiler Pflege“. Dabei gehe es v. a. um die Personalknappheit: Die Personalfrage müsse zur „Schlüsselfrage der Pflegereform“ werden — und die Pflegereform wieder zur „Schlüsselfrage“ der Politik.

Es brauche in der Pflege „wie in der Pandemie einen gemeinsamen nationalen Kraftakt“, betonte Karas. „Die Pflege darf selbst kein Dauerpflegefall werden. Sie braucht dringend ein Reha-Programm.“ Einmal mehr verwies er auf Berechnungen, wonach es bis ins Jahr 2030 rund 100.000 neuer Arbeitskräfte bedürfe, „damit es zu keiner dramatischen Versorgungslücke kommt“.

Hilfswerk-Geschäftsführerin Elisabeth Anselm fordert, Lücken im Ausbildungssystem zu schließen bzw. Hürden zu beheben. So würde etwa nach der Pflichtschule ein direkter Anschluss in der Ausbildung fehlen, denn ein Start an einer Gesundheits- und Krankenpflegeschule könne erst mit 17 Jahren erfolgen. Zwar sei die duale Ausbildung (Lehre als Einstieg in das Berufsfeld) im Regierungsprogramm vorgesehen, eine Umsetzung lasse aber auf sich warten.

Auch betonte sie die Notwendigkeit der Beseitigung von finanziellen Hürden bei der Ausbildung. Anselm verwies darauf, dass 15 bis 20 Prozent aller Erwerbstätigen geneigt seien, den Beruf zu wechseln. Dies sei ein Potenzial, das man möglicherweise für den Pflegesektor heben könnte.

24h-Kräfte fühlen sich durch Politik nicht wertgeschätzt

Der Großteil der in Österreich selbstständig tätigen 24-Stunden-Betreuungskräfte ist der Ansicht, dass die geleistete Arbeit von der Politik wenig bzw. gar nicht wertgeschätzt wird. Laut einer im Auftrag der Gewerkschaft erstellten Studie sind 77 Prozent der Befragten dieser Meinung. Als belastend empfinden viele Befragte u. a. den Schlafmangel während der Arbeit, seelische Belastungen oder auch schlechte Arbeitsbedingungen.

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