Greenpeace warnt vor massiver Verbauung in Österreich

Laut Berechnungen der Umweltschutzorganisation Greenpeace werden täglich bis zu 13 Hektar natürliche Böden in Österreich verbaut und beansprucht, dabei sind Forststraßen eingerechnet.

Anlässlich des anstehenden Weltbodentags (5.12.) warnt Greenpeace vor der massiven Verbauung hierzulande. Die Vorgehensweise hätte negative Auswirkungen auf Artenvielfalt, Klima und Menschen, so die NGO am Montag.

2022 wurden 4.755 Hektar verbaut, das entspricht mehr als der Fläche des Attersees. Greenpeace fordert von Bund, Ländern, Städten und Gemeinden, dass es noch in diesem Jahr eine ambitionierte Bodenschutzstrategie beschlossen werde. Als klarer Zielwert gelten 2,5 Hektar pro Tag bis zum Jahr 2030.

„Ein Teelöffel Boden enthält mehr Organismen als Menschen auf der Erde leben. Unser Untergrund beherbergt fast 60 Prozent aller Arten – von kleinen Bodenmikroben über Regenwürmer, bis hin zu Kaninchen, die unterirdische Erdbaue und ganze Höhlensysteme anlegen. Doch dieser wundersame Lebensraum wird nicht nur in Österreich, sondern weltweit für den Profit erstickt“, sagte Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace in Österreich.

Gesunde Böden seien Basis unserer Ernährung, reinigen Wasser und Luft und schützen bei Überschwemmungen und Hitzewellen. Zudem fungieren sie als natürliche Kohlenstoffsenken. Die Humusschicht des Bodens speichere drei bis vier Mal so viel Kohlenstoff, wie die oberirdische Pflanzenwelt aus Bäumen, Sträuchern und Gräser. Damit leisten gesunde Böden einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen die Klimakrise.

Doch bei intensiver Bewirtschaftung oder Verdichtung kann diese Funktion von der Erde nicht mehr erfüllt werden. Das gelte insbesondere auch dann, wenn der Boden mit einer luftundurchlässigen Schicht aus Asphalt oder Beton überzogen wird. Das hat eine Reihe ökologischer Konsequenzen, unter anderem geht produktiver Boden dauerhaft verloren.

Auch WWF zeigte sich alarmiert: „Wie aus den neuen Berechnungen hervorgeht, sind in Österreich pro Kopf rund 330 Quadratmeter versiegelt – über 20 Prozent mehr, als bisher angenommen. Zugleich versucht die Politik, den verschwenderischen Umgang mit Österreichs Böden zu relativieren und die verantwortungslose Betonpolitik von Bund, Ländern und Gemeinden schönzufärben“, sagte WWF-Bodenschutzsprecher Simon Pories. Es sei fahrlässig, den Bodenschutz weiter auf die lange Bank zu schieben, während neue Straßen und Logistikzentren gegen alle Widerstände durchgeboxt werde, so Pories. WWF fordert deutlich strengere Regeln in der Raumordnung, um die Natur besser zu schützen.

Im türkis-grünen Regierungsprogramm ist von einem Zielpfad zur Reduktion des Flächenverbrauchs auf 2,5 Hektar am Tag die Rede, aber gesetzliche Vorgaben fehlen weiterhin. Allein Niederösterreich verbraucht 2,5 Hektar Boden pro Tag, Oberösterreich 2,2 Hektar täglich. Das wären eigentlich die Vorgaben für ganz Österreich.

„Eine Bodenschutzstrategie ohne klaren Zielwert ist ein Freibrief für noch mehr Beton. Doch ein versiegelter Boden braucht Jahrhunderte, um sich zu regenerieren, und wieder ein vollwertiger Lebensraum und Kohlenstoffspeicher zu werden. Es bleibt keine Zeit mehr für Blockieren und Verzögern: Angesichts der Klima- und Artenkrise müssen wir schleunigst eine Kehrtwende in der Bodenschutzpolitik schaffen. Bund, Länder, Städte und Gemeinden müssen noch 2023 eine ambitionierte Bodenschutzstrategie mit einem klaren Zielwert beschließen“, sagte Theissing-Matei.

Auch die NEOS kritisierten einmal mehr den „zügellosen Flächenfraß“. Anträge und konstruktive Vorschläge, um das Problem einzudämmen, würden seit Jahren auf dem Tisch liegen. „Doch die Regierung stemmt sich vehement gegen jede konstruktive Anregung und entlarvt damit nicht nur ihre zum Himmel schreiende Zukunftsvergessenheit, sondern auch ihre Kraft- und Mutlosigkeit. Es ist eine Schande, wie gleichgültig die Bundesregierung mit der größten Umweltsünde, die wir sofort selbst lösen könnten, umgeht – vor allem für die Grünen ist das ein Armutszeugnis“, sagte NEOS-Klima- und Umweltsprecher Michael Bernhard.

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