Grünes Licht für die Steuerreform

Profitieren soll Umwelt, Steuerzahler sollen um 18 Mrd. € entlastet werden

Nach der ersten gemeinsamen Ministerratssitzung der umgebildeten Bundesregierung präsentierte Kanzler Karl Nehammer (M.) mit Vizekanzler Werner Kogler (l.) und Finanzminister Magnus Brunner die ökosoziale Steuerreform.
Nach der ersten gemeinsamen Ministerratssitzung der umgebildeten Bundesregierung präsentierte Kanzler Karl Nehammer (M.) mit Vizekanzler Werner Kogler (l.) und Finanzminister Magnus Brunner die ökosoziale Steuerreform. © BKA/Tatic

Die türkis-grüne Regierung hat am Mittwoch im Ministerrat die „ökosoziale Steuerreform“ beschlossen. Im Vergleich zum Begutachtungsentwurf gibt es nach der Begutachtung der Pläne noch einige Änderungen. Die Regierungsspitze lobte nach ihrem ersten Ministerrat in neuer Konstellation die Maßnahme, die trotz der Corona-Pandemie zustande gekommen ist.

Der ursprüngliche Plan, mit einer Senkung der Krankenversicherungsbeiträge die niedrigen Einkommen zu entlasten, war etwa von den Sozialversicherungen kritisiert worden. Nun soll dieses Ziel über den bereits bestehenden Sozialversicherungs-Bonus erreicht werden, der von bisher 400 auf maximal 650 Euro pro Jahr erhöht wird. Für Pensionisten wird der Pensionisten-Absetzbetrag angehoben (alle Maßnahmen im Detail siehe Kasten Seite 3).

Versprechen eingelöst

Zentraler Punkt der ökosozialen Steuerreform bleibt wie geplant die Einführung einer CO2-Steuer, wobei im Gegenzug ein regional gestaffelter Klimabonus ausgezahlt wird. Bei der Senkung der Lohnsteuer ist nun ein Mischsteuersatz ab Jahresbeginn anstelle mehrerer Stufen vorgesehen. Die Gesamtentlastung durch die Reform bis 2025 soll rund 18 Mrd. Euro betragen, 3,8 Millionen Lohnsteuerzahler profitierten davon, wie Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) nach der Regierungssitzung sagte.

Die Regierung habe mit der Steuerreform ein Versprechen eingelöst, obwohl man sich ständig mit der Pandemie auseinandersetzen müsse, meinte Nehammer. „Von dieser großen Reform wird die Umwelt profitieren“, betonte Nehammer. Gleichzeitig werde dennoch eine Entlastung erreicht. Es gehe darum, dass jene, die arbeiten und einen großen Beitrag leisten, auch tatsächlich „mehr davon haben“.

Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) sprach von der „größten Transformation des Steuersystems in der Zweiten Republik“, die sich sowohl ökologisch, als auch ökonomisch positiv auswirke. Auf das Modell des österreichischen CO2-Preises mit sozialem Ausgleich über den Klimabonus habe etwa auch die neue deutsche Bundesregierung ein Auge, frohlockte Kogler. Klimafreundliches Verhalten und Produzieren werde günstiger, „schädliches wird teurer“, fasste Kogler die Zielsetzung zusammen. Diese Bundesregierung habe innerhalb von eineinhalb Jahren bisher schon mehr für den Klimaschutz zusammengebracht, als viele vergangene Regierungen zusammen, ist der Grüne überzeugt.

Lenkungswirkung gegeben

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Der Kritik, wonach die Ökologisierung in der Steuerreform zu gering ausfalle, widersprach Finanzminister Magnus Brunner — vormals Staatssekretär im Umweltministerium. Der CO2-Preis pro Tonne sei „vielleicht nicht überhoch“, gestand er zu, aber der Einstiegspreis von 30 Euro sei durchaus ein Wert, „der sehr vernünftig ist“. Man müsse die Lebensrealität der Menschen berücksichtigen und auch auf die Nachbarstaaten schauen. Der Stufenplan gebe Unternehmen Sicherheit. „Die Lenkungswirkung ist durchaus gegeben“, versicherte er. Es gebe ja auch Begleitmaßnahmen wie das Klimaticket, das die Menschen zum Umsteigen auf den Öffentlichen Verkehr bewegen soll.

Die Entlastung mache bis 2025 18 Milliarden Euro aus, 3,8 Millionen Lohnsteuerzahler sollen profitieren, bekräftigte Brunner. Die Reform sei „wirklich gewaltig“ — das müsse er so sagen, obwohl er sonst ein „trockener Vorarlberger, ein Alemanne“ sei, so der Finanzminister.

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