„Politischer Islam hat mit Religion nichts zu tun“

Die designierte JVP-Bundesobfrau Claudia Plakolm über Terror, Gegenmaßnahmen sowie Zukunftsprojekte

Die Terrornacht in Wien mit vier Toten und 22 teils schwer Verletzten Anfang November hat bei NR-Abg. Claudia Plakolm Spuren hinterlassen.

Die 25-jährige designierte Bundesobfrau der Jungen ÖVP aus Walding in Oberösterreich fordert jetzt einen europäischen Schulterschluss im Kampf gegen Terror und Extremismus.

VOLKSBLATT: Der Terroranschlag in Wien ist mittlerweile zweieinhalb Wochen her. Wie und wo genau haben Sie diesen Abend in Wien verbracht?

PLAKOLM: Bis etwa 19.30 Uhr hatte ich Termine in der Wiener Innenstadt und habe mich anschließend auf den Nachhauseweg gemacht. Zuhause, im Fernsehen, habe ich dann vom schrecklichen Anschlag am Schwedenplatz erfahren. Es ist unseren Polizistinnen und Polizisten zu verdanken, dass der Täter binnen neun Minuten außer Gefecht gesetzt wurde und so noch Schlimmeres verhindert werden konnte.

Hätte man rückblickend nicht schon vor einigen Jahren den Kampf gegen den Terror auf europäischer Ebene aufnehmen müssen?

Die Terroranschläge von Paris, Brüssel, Nizza oder jetzt in Wien richten sich gegen unsere Grundwerte und zeigen ganz klar, dass nicht jeder in unserer europäischen Gemeinschaft diese auch teilt. Auch nach Jahren des Terrors findet die EU noch immer keine gemeinsame Linie im Kampf gegen jene, die unsere Grundregeln des Zusammenlebens ablehnen.

Sie haben es gesagt: Bereits seit Jahren befindet sich ganz Europa im Kampf gegen den Terror. Beinahe jährlich gibt es Anschläge. Welche Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Bedrohung braucht es?

Für uns als junge Generation in Europa ist klar: Ein deutliches Bekenntnis zu unserer offenen, freiheitlichen Gesellschaft muss im Umkehrschluss ein klares Nein zu jeglichem Extremismus und radikalem Gedankengut bedeuten. Hier müssen wir in Europa an einem Strang ziehen und zusammenhalten. Der Kampf gegen den Terror und Extremismus ist wichtiger denn je, denn nach wir vor radikalisieren sich Menschen bei uns und ziehen als Dschihadisten in den Krieg.

Spielt Ihrer Meinung nach auch der Glaube eine Rolle?

Wir dürfen nicht davor zurückschrecken, den politischen Islam und extremistische Tendenzen als Feind zu benennen und beidem entschlossen entgegenzutreten. Aber auf keinen Fall dürfen wir Gefahr laufen, Muslime unter Generalverdacht zu stellen und einen Keil zwischen uns treiben lassen. Der Terror will Hass verbreiten und unsere Gesellschaft spalten — und das darf niemals gelingen.

Aber führt Terror nicht ohnehin zu Auseinandersetzungen und Vorurteilen?

Hier geht es nicht um eine Auseinandersetzung zwischen Christen und Muslimen, zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund: Der politische Islam als Nährboden für radikales Gedankengut ist unser gemeinsamer Feind, und dieser hat mit Religion absolut nicht zu tun.

Welche Schritte sollten dahingehend schnellstmöglich umgesetzt werden?

Terror macht nicht an unseren Grenzen Halt, deshalb müssen wir Extremismus auch gemeinsam auf europäischer Ebene bekämpfen. Dazu braucht es einen besseren Datenaustausch, ein starkes Netz an Sicherheitskooperationen und den konsequenten Schutz der EU-Außengrenze.

Kommen wir zu einem anderen aktuellen Thema: Corona. Wie nutzt die Junge ÖVP diese außergewöhnliche Zeit?

Viele Jugendliche gehen mit positivem Beispiel voran und zeigen, was Zusammenhalt aller Generationen in Zeiten einer Pandemie bedeutet. Schon während des ersten Lockdowns haben unzählige JVP-Ortsgruppen Einkaufsservices für Risikogruppen auf die Beine gestellt und für ältere Menschen Lebensmittel und Medikamente eingekauft. Dieses tolle Projekt gibt es natürlich auch in dieser Zeit! Zusätzlich haben wir viele Veranstaltungen ins Netz verlegt und von zuhause aus unsere Ideen und Forderungen für die Zeit nach Corona gemeinsam erarbeitet.

Was nimmt sich die Junge ÖVP Oberösterreich konkret für die anstehenden Wahlen im Herbst 2021 vor?

Unser Ziel ist ganz klar: Ein JVPler in jedem Gemeinderat und auch wieder frischer, jugendlicher Schwung im Landtag. Als größte politische Jugendorganisation sitzen wir nicht auf der Ersatzbank, sondern geben den Ton in der Jugendpolitik an.

Sie sind seit Juni designierte JVP-Bundesobfrau. Welche Vorhaben werden auf Bundesebene gerade vorbereitet?

Auf Bundesebene haben wir im Sommer unter dem Motto „Update Österreich“ den größten Zukunftsprozess in der Geschichte der Jungen ÖVP gestartet. Damit möchten wir Ideen und Vorschläge für ein Update einholen, um für die Herausforderungen der Zukunft gut gerüstet zu sein. Darüber hinaus bereiten wir aktuell die erste digitale Bundeskonferenz vor, bei der wir auf 75 Jahre JVP zurückblicken und gleichzeitig Helfer in der Krise vor den Vorhang holen.

Was hat sich mit dieser neuen Funktion für Sie verändert?

Im Sommer war ich im Zuge meiner Bundesländertour in ganz Österreich unterwegs, da mir der Austausch mit JVPlern enorm wichtig ist. Aktuell setze ich aber auf den digitalen Austausch. Bereits jetzt freue ich mich schon auf den Bundestag, den wir hoffentlich im ersten Halbjahr 2021 abhalten können.

Die Fragen an JVP-Obfrau NR-Abg. CLAUDIA PLAKOLM stellte Harald Engelsberger

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