Popstars der Romantik

Internationales Brucknerfest: Julia Hagen und Aaron Pilsan

Harmonisches Duo: Aaron Pilsan und Julia Hagen
Harmonisches Duo: Aaron Pilsan und Julia Hagen © Reinhard Winkler

Julia Hagen am Violoncello und Aaron Pilsan am Klavier, zwei 25-jährige Virtuosen traten mit einem außergewöhnlichen Programm am Dienstag im mittleren Saal des Brucknerhauses auf.

„Der Liebling einer großen Menge wird bald ein Sklave derer, die er zu beherrschen scheint“, Stars und Hypes aus der Zeit der Romantik anhand von drei Beispielen. Damals wie heute trifft der Ruhm auch jene, die bald schon vergessen sind. Großes Ansehen genoss zu seiner Zeit etwa der überaus produktive Joachim Raff (1822-1882). Der Autodidakt, von Mendelssohn ermutigt und von Liszt gefördert, wurde ab 1870 für 50 Jahre einer der meist gespielten deutschen Komponisten.

Felix Mendelsson Bartholdy (1809-1847) stand schon als 12-Jähriger in der Öffentlichkeit. Eine innige Beziehung zu ihrem Instrument zeigt Julia Hagen, (*1995 in Salzburg). Als Kleinkind versteckte sie sich noch im Cellokasten ihres Vaters Clemens Hagen, mit fünf Jahren begann sie selber zu spielen. Das Talent von Aaron Pilsan aus Dornbirn erkannten Sir Andras Schiff und Alfred Brendel schon früh.

Heute füllt er Konzerthallen von Wien bis New York. Im Dialog fordern sich die beiden Ausnahmekünstler heraus, Cello und Klavier verschmelzen. Ungebändigte Spielfreude und Virtuosität beherrschen das anspruchsvolle Programm. Sie eröffnen mit Mendelsson Bartholdys Sonate Nr. 1 in B-Dur. Das Klavier behauptet sich, zärtlich schmiegt sich das Cello an. Als ob es ein Teil ihres Körpers wäre, wirkt Hagen mit ihrem Instrument gelegentlich wie abwesend. Die folgende Sonate in D-Dur von Joachim Raff beginnt mit Volkslied und Marschthemen, plänkelt spielerisch romantisch, rafft sich zu großem Pomp auf.

Mit Leidenschaft geben sich die jungen Musiker dem hin. Johannes Brahms’ Popularität hielt sich zu Lebzeiten in Grenzen, technisch zu anspruchsvoll für den Mainstream. Mit umso mehr Hingabe schwelgen Hagen und Pilsan in den schmerzlich süßen Liedern. Zum Weinen schön auch ohne Worte „Liebestreu“, „Feldeinsamkeit“ oder „Minnelied“. So temperamentvoll wie zärtlich folgt die Sonate Nr. 1 in e-Moll von Brahms und als Draufgabe ein Traum, unendlich sanft das Brahms’sche Gute-Nacht-Lied. Groß die Begeisterung, groß der Applaus im coronamäßig vollen mittleren Saal.

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