Porr verdoppelt Verluste im ersten Quartal

Der Baukonzern Porr hat heuer im ersten Quartal massive Verluste erlitten. Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag in Höhe von 21 Mio. Euro – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum (9,1 Mio. Euro). Der Verlust vor Steuern (EBT) habe sich “saisonal- und coronabedingt” von 11,8 Mio. auf 25,5 Mio. Euro erhöht, erklärte das Unternehmen am Mittwoch.

Die Produktionsleistung verringerte sich um 10 Prozent von knapp 1,1 Mrd. auf 942 Mio. Euro. Der Rückgang sei zu einem Großteil auf den österreichischen Markt zurückzuführen, wo infolge des Corona-Shutdowns etwa 1.000 Baustellen vorübergehend stillstanden. Auch “die konsequent selektive Projektakquisition” sowie das Auslaufen von Großprojekten in Katar hätten zu der Verringerung beigetragen. In Deutschland hingegen sei das Leistungsniveau gestiegen. Die Umsatzerlöse des Konzerns sanken um 3,5 Prozent auf 912,4 Mio. Euro.

Der Auftragsbestand hielt sich nahezu unverändert bei 7,3 Mrd. Euro (minus 2,2 Prozent) und sei “ein stabiles Fundament”. Der Ordereingang schrumpfte allerdings um 17,2 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro. Dies sei auf “die strategische Auftragsselektion” zurückzuführen.

Die Porr habe ihren Orderbestand im Infrastrukturbereich in der Vergangenheit wiederholt ausgebaut. Als größten Auftrag heuer führte das Unternehmen die Modernisierung der Bahnlinie LK351 zwischen Krzyz und Dobiegniew im Nordwesten Polens an. Hinzu addierten sich “umfangreiche Aufträge im Wohn-, Geschäfts- und Bürohausbau, insbesondere in Österreich und Polen”.

Bei Produktionsleistung und Ergebnis zeigten sich heuer im ersten Quartal “erste Covid-19-Effekte”. Der langfristige Trend sei aber “intakt”. Die gesamte Bauwirtschaft solle letztlich von der Coronakrise profitieren. Die Porr lege ihren Schwerpunkt nun auf “Transformation und Liquidität”.

“Wir haben einen gesunden Auftragsbestand auf einem Rekordniveau. Unsere breite Aufstellung ist – vor allem in dieser herausfordernden Zeit – ein großer Wettbewerbsvorteil”, meinte Porr-Chef Karl-Heinz Strauss. Der Konzern sei stabil in das neue Jahr gestartet. “Leider mussten wir ab März coronabedingt Leistungs- und Ergebniseinbußen einnehmen.”

Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen war das Ergebnis (EBITDA) positiv – gegenüber der Vorjahresperiode verringerte es sich aber um ein Drittel von 31,7 Mio. auf 21,2 Mio. Euro.

Die Eigenkapitalquote der Porr verbesserte sich per Ende März auf 19,4 Prozent, nach 16,4 Prozent zum Jahreswechsel. Ende Jänner wurde eine neue Hybridanleihe im Volumen von 150 Mio. Euro platziert. Das Eigenkapital stieg von 599 Mio. auf 685 Mio. Euro (plus 14,3 Prozent). Die Nettoverschuldung nahm seit Ende Dezember saisonalbedingt um rund 50 Prozent auf 519,1 Mio. Euro zu. Zum Vorjahresstichtag (31. März 2019) hatte sie aber noch 699 Mio. Euro betragen.

Es bestehe derzeit eine hohe Unsicherheit bezüglich des tatsächlichen Ausmaßes der Coronakrise und der wirtschaftlichen Implikationen aus dem Shutdown in vielen Ländern. Mittel- und langfristig stimmten die Fundamentaltrends in der Baubranche, betonte das Porr-Management. Bereits bestehende, aber auch neue Konjunkturprogramme für den Infrastrukturausbau in Europa würden voraussichtlich von Bund, Ländern und Gemeinden forciert, so die Erwartung. In vielen Ländern gebe es einen massiven Investitionsstau sowie einen dringenden Modernisierungsbedarf in den Bereichen Verkehrs- und Digitalinfrastruktur, Gesundheit, Bildung, Forschung und Klimaschutz.

Der zweitgrößte österreichische Baukonzern (nach der Strabag) beschäftigte im ersten Quartal 18.688 Mitarbeiter – das waren um 1,2 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (18.473).

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