Presserat rügt „oe24.at“ für „schwerwiegenden Ethikverstoß“

Der Presserat rügt „oe.24.at“ für die Verwendung eines Agenturfotos eines unbekannten Mannes zur Bebilderung eines Kriminalfalls. Bei den Lesern sei bewusst der Eindruck erweckt worden, dass es sich dabei um den Tatverdächtigen handle, kritisierte der Senat 3 des Presserats. Er stellte einen „schwerwiegenden Ethikverstoß“ fest.

„oe24.at“ berichtete im vergangenen Oktober über einen Österreicher, der im Zusammenhang mit einer jahrelang isolierten Familie in den Niederlanden festgenommen worden war. Die Ankündigung für den Artikel „Sekten-Josef: Das soll der Vater der Kinder sein“ auf der Startseite des Mediums war mit dem Foto eines Mannes mit Bart und Kappe bebildert worden. Dabei handelte es sich aber nicht um den Tatverdächtigen, sondern um ein Agenturfoto, wie „Heute“-Chefredakteur Christian Nusser damals aufdeckte.

In Reaktion auf Nussers Tweet, „Äh, @Oe24.at, euer Foto von ‚Sekten-Josef‘ gibt es bei Feature-Agenturen (CanStock, Shutterstock) zu kaufen. Kostet 8 Euro“, entfernte „oe24.at“ das Foto. Die Schlagzeile habe bei den Lesern keine andere Schlussfolgerung zugelassen, als dass auf dem Bild der Tatverdächtige gezeigt werde, stellte der Presserat nun fest. „Die Leser wurden bewusst getäuscht – für den Senat ist es nicht vorstellbar, dass das Agenturfoto versehentlich für den Tatverdächtigen eingesetzt wurde und eine Verwechslung vorlag“, hieß es in einer Aussendung am Freitag.

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